Cold Case

„Cold Case“ Ermittlungen bei der PI Cuxhaven werden zum Ende des Jahres beendet – Vermisstenfälle bleiben trotz intensiver Ermittlungen weiter ungeklärt – Spuren für die Ewigkeit gesichert

Text und Bild Polizeiinspektion Cuxhaven

Cuxhaven. Mord verjährt nie. Vor diesem Hintergrund hat die Polizeiinspektion Cuxhaven im Juli 2022 die Ermittlungsgruppe (EG) „Cold Case“ erneut ins Leben gerufen. Unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Rainer Brenner arbeitete die EG „Cold Case“ insgesamt sechs Vermisstenfälle aus dem Elbe-Weser-Dreieck, dem sogenannten „Nassen Dreieck“ auf.

Das Schicksal der zwischen 1977 und 1986 spurlos verschwundenen jungen Frauen ist bis heute ungeklärt. „Wir sind es den Angehörigen dieser vermissten jungen Frauen schuldig, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um deren Schicksal aufzuklären“, erläutert Inspektionsleiter Arne Schmidt die Beweggründe für die erneute Wiederaufnahme dieser Fälle. „Wir sind fest davon überzeugt, dass alle Frauen einem Verbrechen zum Opfer gefallen sind“, macht Schmidt deutlich. „Dass es sich bei den sechs Vermisstenfällen aber um eine zusammenhängende Tatserie handelt, ist bei Weitem nicht sicher, da gibt es auch andere Möglichkeiten“, so der Kriminaldirektor.

Am 12. Oktober 2022 wurden die Vermisstenfälle im Rahmen der Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ als sogenannter Filmbeitrag sowie in den örtlichen Medien noch einmal aufgegriffen. Durch die Öffentlichkeitsfahndung erhofften sich die Ermittlerinnen und Ermittler der EG „Cold Case“ neue Hinweise und Spuren zu erlangen, die für die Aufklärung der Vermisstenfälle hilfreich sein können. „Die Veröffentlichung der Fälle war im Vorfeld mit den Angehörigen abgesprochen“, so Stephan Hertz, Pressesprecher der Polizeiinspektion Cuxhaven.

Über 160 Hinweise erreichten das fünfköpfige Ermittlungsteam. Hierbei handelte sich um allgemeine Hinweise zu den Verhältnissen der damaligen Zeit, vereinzelt gab es auch Hinweise auf mögliche Kontaktpersonen der Vermissten oder potentielle Zeugen. Es gehen noch heute Hinweise ein, allerdings nur noch selten. „Jeder Hinweis ist überprüft worden, die ersehnte „heiße Spur“ befand sich nicht darunter. Neue Hinweise werden im Rahmen der normalen Polizeistrukturen überprüft, auch wenn die Cold-Case Ermittlungen in dieser Sache zum Ende des Jahres eingestellt werden“, erläutert Pressesprecher Hertz.

Neben zahlreichen Vernehmungen von Hinweisgebenden, Zeugen und Auskunftspersonen hielten die Mitglieder der EG auch immer Kontakt zu den Angehörigen der vermissten Frauen und informierten sie über den Sachstand.

Viel Hoffnungen legte die EG in den bundesweiten Abgleich von Spuren, darunter auch bislang nicht zugeordnete weibliche DNA-Profile aus den Ermittlungen um den so genannten „Göhrde-Mörder“ Kurt-Werner W. Zu diesem Zweck wurden DNA-Profile der Vermissten aus den genetischen Abstrichen ihrer Angehörigen im Landeskriminalamt Niedersachen aufbereitet und mit den bislang nicht verifizierten DNA-Spuren aus der EG Göhrde verglichen. Die DNA-Profile aus den Vermisstenfällen und die Spuren aus der EG Göhrde weisen aber keine Übereinstimmungen auf, so dass auch diese Spur nicht zur Aufhellung des Schicksals der vermissten Frauen beitragen konnte.

Doch Kriminaldirektor Schmidt verdeutlicht, dass die Ermittlungsergebnisse dennoch dazu führen können, dass der oder die Täter eines Tages überführt werden. „Nun sind die retrograd erstellten DNA-Profile der vermissten Frauen in der bundesweiten DNA-Spurendatei gespeichert und können bei Verdachtsfällen automatisiert abgeglichen werden“, erklärt Schmidt.

Alle alten Ermittlungsunterlagen wurden digitalisiert, Asservate konserviert, so dass sie auch in den kommenden Jahren vollumfänglich zur Verfügung stehen werden. Mit der Speicherung der Opfer-DNA-Profile in der bundesweiten DNA-Datenbank besteht nach wie vor die Chance, im Verlauf der polizeilichen Ermittlungen gegebenenfalls mit Hilfe von „Kommissar Zufall“ in dem einen oder anderen Fall eine Klärung herbeizuführen. Mord verjährt nie.

Neben den sechs Vermisstenfällen aus dem sog. „Nassen Dreieck“ arbeitete die EG Cold Case auch das Tötungsdelikt z. N. der 2009 verschwundene Nancy K. auf. Aber auch hier konnten die Ermittlerinnen und Ermittler keine weiteren Hinweise auf den Ablauf der Tat oder den Ablageort des Leichnams erlangen.

„Am Ende der EG Cold Case blicken wir alle ein wenig enttäuscht auf das Ergebnis, nicht unseretwegen, sondern weil alle den Angehörigen bei der Aufklärung der einzelnen Schicksale sehr gerne neue Hinweise und Ergebnisse zur Verfügung gestellt hätten. Leider ist dies nicht der Fall, die tragische Geschichte von jeder der verschwundenen Frauen bleibt weiter ungeklärt. Dies muss insbesondere für die Angehörigen sehr quälend sein, aber zurzeit sehen wir keinen weiteren Ansatz, um auf die vielen offenen Fragen brauchbare Antworten zu bekommen“, resümiert Inspektionsleiter Schmidt das Ermittlungsergebnis.

Schmidt äußert: „Trotzdem bin ich meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für das Engagement dankbar. Wir waren uns immer der Tatsache bewusst, dass nach so vielen Jahren auch dieses Ergebnis am Ende herauskommen kann, aber wir haben zumindest alles rechtlich Machbare und Mögliche versucht. Hinweise nehmen wir auch weiterhin gern entgegen. Rund um die Uhr, versprochen.“

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