Titelbild: Audi Bolide, Bahrain, 2026, mw
Die Geschichte des Audi Motorsports ist tief verwurzelt in den Ursprüngen seiner Vorgängerunternehmen, insbesondere Horch und Auto Union, die nicht nur die technische Grundlage für den modernen Konzern legten, sondern auch eine Tradition der Innovation und Wettbewerbsstärke begründeten, die bis heute nachwirkt.
Alles begann Ende des 19. Jahrhunderts, als August Horch 1899 in Köln das Unternehmen A. Horch & Cie. gründete, das sich auf den Bau von Automobilen spezialisierte und rasch für seine zuverlässigen und leistungsstarken Fahrzeuge bekannt wurde, darunter Modelle mit Vierzylinder- und Sechszylinder-Motoren, die bereits in frühen Wettbewerben wie Zuverlässigkeitsfahrten glänzten. Nach einem Namensstreit verließ Horch 1909 sein eigenes Unternehmen und gründete eine neue Firma in Zwickau, die er August Horch Automobilwerke GmbH nannte – doch aufgrund rechtlicher Einschränkungen änderte er den Namen zu Audi, dem lateinischen Äquivalent zu „Horch“, was „höre“ bedeutet. Diese frühen Audi-Modelle, wie der Type A von 1910 oder der Type M von 1924, integrierten Horchs Ingenieurskunst und nahmen an Sportveranstaltungen teil, die die Marke als Pionier etablierten.
In den wirtschaftlich schwierigen 1930er Jahren fusionierte Audi 1932 mit Horch, DKW und Wanderer zur Auto Union AG in Chemnitz, symbolisiert durch die vier ineinandergreifenden Ringe, die bis heute das Audi-Logo prägen. Horch brachte hier seinen Fokus auf Luxusfahrzeuge und fortschrittliche Technologien wie Aufladung ein, während Auto Union als Ganzes den Markt dominierte, insbesondere durch DKWs Zweitaktmotoren, die bis 1938 fast 18 Prozent des deutschen Marktes eroberten.
Motorsport wurde für Auto Union zum Schaufenster der Ingenieurskunst: Unter der Leitung von Ferdinand Porsche entwickelte man die berühmten Silberpfeile, darunter den Type C mit einem aufgeladenen V16-Motor, der 1934 den Europameistertitel holte und Rekorde auf Strecken wie dem Nürburgring oder Avus brach. Horchs Präzision in der Antriebsstrang-Entwicklung floss nahtlos in diese Rennwagen ein, die mit aerodynamischen Innovationen und Allradkonzepten experimentierten, doch der Zweite Weltkrieg unterbrach diese Ära abrupt, als die Fabriken für militärische Zwecke umgerüstet wurden und Zwangsarbeit ein dunkles Kapitel in der Firmengeschichte schrieb.
Nach dem Krieg zerfiel Auto Union zunächst, doch 1949 wurde es in Ingolstadt neu gegründet, mit Fokus auf Ersatzteile und Zweitakt-Fahrzeuge wie dem DKW F89. Horchs Luxus-Erbe überlebte indirekt, als Volkswagen 1964 die Mehrheit übernahm und 1965 die Audi-Marke wiederbelebte, beginnend mit dem F103, der den Übergang zu Viertaktmotoren markierte. Die Fusion mit NSU 1969 zu Audi NSU Auto Union AG festigte die Struktur, und ab 1985 hieß das Unternehmen einfach Audi AG, mit Horchs Vermächtnis in den premiumorientierten Modellen spürbar.
Der motorsportliche Durchbruch kam in den 1980er Jahren mit dem Audi Quattro, dem ersten serienmäßigen Allrad-Turbo-Coupé, das die Rallye-Welt revolutionierte.
Walter Es sicherte 1981 und 1982 den Herstellertitel in der WRC, 1983 und 1984 die Fahrer-Meisterschaften für Hannu Mikkola und Stig Blomqvist, und Evolutionen wie der Sport Quattro S1 mit 441 kW Leistung dominierten Veranstaltungen wie Pikes Peak, wo Michèle Mouton 1985 und Walter Röhrl 1987 Rekorde aufstellten – eine direkte Weiterentwicklung der Allrad-Ideen aus der Auto-Union-Zeit.
Audi zog sich 1986 aus der WRC zurück, wandte sich aber dem Tourenwagen-Rennsport zu, gewann 1988 die Trans-Am-Serie und 1989 die IMSA GTO, bevor es in der DTM ab 1990 mit dem V8 Quattro triumphierte und später mit dem A4 DTM von 2004 bis 2009 mehrere Titel holte. Der Einstieg in die Langstreckenrennen ab 1999 kulminierte in der Le-Mans-Dominanz.
Mit dem R8, R10 TDI (dem ersten Diesel-Rennwagen) und R18 e-tron quattro gewann Audi von 2000 bis 2014 dreizehnmal die 24 Stunden von Le Mans, etablierte Diesel- und Hybrid-Technologien als Standard und brach Rekorde wie die Distanzmarke 2010. Parallelen zu Horchs Pioniergeist zeigten sich in der Präzision der Ingenieursarbeit, während Auto Unions kollaborativer Geist in Partnerschaften wie mit Joest Racing lebte. In der Formula E ab 2014 unterstützte Audi das Abt-Team, gewann 2017/18 den Teamtitel und sicherte Lucas di Grassi den Fahrertitel, bevor es 2021 ausstieg, um Ressourcen für neue Herausforderungen freizumachen – darunter der Einstieg in die Formel 1 ab 2026 durch die Übernahme des Sauber-Teams, ein Meilenstein, der die historische Innovationskraft von Auto Union und Horch in der Königsklasse des Motorsports fortsetzt.
Und genau hier schließt sich der Kreis zu den aktuellen Entwicklungen.
In der Vorsaison 2026, die mit Shakedowns in Barcelona begann und nun in Bahrain fortgesetzt wird, zeigt Audi bereits, wie es seine reiche Erbschaft in die Formel 1 einbringt. Die ersten Tests in Bahrain, die vom 11. bis 13. Februar 2026 stattfanden, haben Audi als ambitionierten Neuling positioniert, der mit radikalen Designentscheidungen für Aufsehen sorgt – insbesondere mit einer neuen Karosserie und stark geformten Sidepods, die enger und aggressiver als beim Barcelona-Shakedown sind und auf eine No-Sidepod-ähnliche Philosophie hindeuten, um Downforce und Aerodynamik zu optimieren. Diese Upgrades, die am ersten Testtag präsentiert wurden, haben die Konkurrenz zum Reden gebracht, da sie eine signifikante Verbesserung in der Zuverlässigkeit und Performance darstellen, obwohl Audi als Works-Team mit einem brandneuen Motor noch Lernprozesse durchläuft. Fahrer Nico Hülkenberg und der Rookie Gabriel Bortoleto teilen sich die Testarbeit, wobei Hülkenberg eine spürbare Steigerung gegenüber dem Barcelona-Setup lobte, insbesondere bei der Handhabung der neuen Boost- und Overtake-Funktionen der 2026-Regeln, die mehr elektrische Leistung und aktive Aerodynamik erlauben. In den Zeitenlisten rangiert Audi derzeit im Mittelfeld, mit Bestzeiten um die 1:36 bis 1:38 Minuten, was etwa zwei bis vier Sekunden hinter den Spitzenreitern wie Mercedes‘ George Russell, der am dritten Vormittag eine 1:33.918 fuhr, oder Red Bulls Max Verstappen liegt, aber vor Teams wie Aston Martin oder Cadillac.

Steuert den Audi – Boliden, Nico Hülkenberg, Bahrain, 2026, Bild: mw
Bortoleto, der hauptsächlich auf harten Reifen testete, absolvierte über 60 Runden und konzentrierte sich auf Setup-Variationen, während Hülkenberg die Wechselwirkung zwischen Motor und Chassis optimierte – ein Prozess, der Audis Fokus auf nachhaltige E-Fuels unterstreicht, die in Bahrain unterschiedliche Gerüche erzeugen und die Teams zu FIA-Klärungen bewegen. Trotz einiger Zuverlässigkeitsprobleme in Barcelona hat Audi in Bahrain Meilen gesammelt, mit über 70 Runden pro Fahrer an manchen Tagen, und die radikalen Sidepods – mit dramatischen Einlässen und Downwash-Fokus – deuten auf eine aggressive Entwicklungsstrategie hin, die die Konkurrenz wie Ferrari oder Honda zu Gegenmaßnahmen anregt. Insgesamt unterstreichen diese Tests Audis Übergang von seiner Rallye- und Le-Mans-Dominanz zu einer potenziell starken Formel-1-Präsenz, wo die Erbschaft von Horch und Auto Union in Form von Ingenieursmut und technischer Präzision weiterlebt, während das Team lernt, in der neuen Ära der hybriden Power-Units und verkleinerten Autos wettbewerbsfähig zu sein.
