Titelbild:NASA
Die Rückkehr der Artemis-II-Mission zur Erde verlief am Freitag, dem 10. April 2026, (2.07 Uhr MESZ) als krönender Abschluss einer historischen zehntägigen Reise um den Mond und zurück. Die vier Astronauten – der NASA-Kommandant Reid Wiseman, Pilot Victor Glover, Missionsspezialistin Christina Koch und der kanadische Astronaut Jeremy Hansen – hatten an Bord des Orion-Raumschiffs „Integrity“ eine Strecke von fast 700.000 Meilen (rund 1,1 Millionen Kilometern) zurückgelegt, darunter einen beeindruckenden Vorbeiflug am Mond, der sie weiter von der Erde entfernte als je ein bemanntes Raumschiff seit den Apollo-Missionen der 1970er-Jahre.
Bereits am Vormittag des Rückkehrtags begannen die Vorbereitungen in der engen Crew-Kapsel. Die Astronauten wachten gegen 11:35 Uhr EDT auf, packten Ausrüstung zusammen und konfigurierten die Kabine speziell für den Wiedereintritt, um alle losen Gegenstände sicher zu verstauen und die Systeme für die extremen Belastungen vorzubereiten. Am Nachmittag führten sie eine letzte Korrektur des Rückkehrkurses durch, einen sogenannten Return Trajectory Correction Burn, der die Flugbahn feinjustierte und sicherstellte, dass Orion genau im vorgesehenen Zielgebiet im Pazifik landen würde.
Am Abend, kurz vor dem entscheidenden Manöver, übernahm die NASA die Live-Übertragung, sodass Millionen Zuschauer weltweit die spannenden letzten Minuten mitverfolgen konnten. Gegen 19:33 Uhr EDT trennte sich die Crew-Module von der dahinterliegenden Service-Module, die mit ihren Triebwerken, Treibstoffvorräten und Solarmodulen nicht mehr benötigt wurde. Dieses abgetrennte Modul verglühte später in der Atmosphäre. Nur vier Minuten später, um 19:37 Uhr, zündete die Kapsel für etwa 18 Sekunden ein kurzes Triebwerk, um den Eintrittswinkel präzise auszurichten und den Hitzeschild optimal zu positionieren.
Der dramatischste Abschnitt begann um 19:53 Uhr EDT mit dem sogenannten Entry Interface in etwa 400.000 Fuß (rund 122 Kilometer) Höhe. Hier tauchte Orion mit einer Geschwindigkeit von fast 25.000 Meilen pro Stunde (über 40.000 km/h) in die oberen Schichten der Erdatmosphäre ein. Die Reibung erzeugte immense Hitze von bis zu 3.000 Grad Fahrenheit (etwa 1.650 Grad Celsius), die den Hitzeschild zum Glühen brachte und eine Plasma-Hülle um die Kapsel erzeugte. Für etwa sechs Minuten brach der Funkkontakt ab – eine Phase, die für die Bodenmannschaft und die Familien der Astronauten besonders nervenaufreibend war, da keine Telemetriedaten oder Stimmen durchkamen.
Während dieses intensiven Abstiegs, der nur etwa 13 Minuten dauerte, verlangsamte sich die Kapsel rasant. Die Astronauten spürten dabei Belastungen von bis zu 3,9 g. Sobald die Geschwindigkeit unter Schallgeschwindigkeit fiel, öffnete sich der vordere Deckel der Kapsel, und in etwa 22.000 Fuß Höhe (rund 6.700 Meter) entfalteten sich zunächst die kleinen Drogue-Fallschirme, die das Raumfahrzeug stabilisierten und weiter abbremsten. Kurz darauf, in etwa 6.000 Fuß Höhe, öffneten sich die drei großen Hauptfallschirme und reduzierten die Sinkgeschwindigkeit auf unter 136 Meilen pro Stunde.
Pünktlich um 20:07 Uhr EDT (5:07 Uhr PDT bzw. 00:07 UTC am 11. April) setzte die Orion-Kapsel mit einer sanften Geschwindigkeit von etwa 20 Meilen pro Stunde (32 km/h) im Pazifischen Ozean auf – rund 60 Meilen vor der Küste von San Diego in Kalifornien. Der Aufschlag war kontrolliert und weich, das Wasser spritzte hoch, und die Kapsel richtete sich dank eines integrierten Stabilisierungssystems schnell auf. Die Fallschirme wurden automatisch abgetrennt, um ein Verheddern oder Kippen zu verhindern.
Unmittelbar nach dem Splashdown eilten Bergungsteams der US Navy und NASA mit Helikoptern und Booten heran. Taucher befestigten Schwimmkörper an der Kapsel, öffneten die Luke und halfen den vier Astronauten sicher heraus. Innerhalb von zwei Stunden wurden Wiseman, Glover, Koch und Hansen per Hubschrauber auf das bereitstehende Navy-Schiff USS John P. Murtha gebracht. Dort durchliefen sie erste medizinische Untersuchungen, um die Auswirkungen der langen Schwerelosigkeit und des Wiedereintritts zu überprüfen, bevor sie später an Land geflogen und nach Houston zum Johnson Space Center zurückkehrten.
Die erfolgreiche Wasserlandung markierte nicht nur das Ende der ersten bemannten Artemis-Mission, sondern auch einen wichtigen Meilenstein für das Artemis-Programm. Sie bewies, dass das Orion-Raumschiff mit Crew an Bord die extremen Bedingungen eines Mondflugs und den gefährlichen Wiedereintritt meistern kann. Die Astronauten kehrten gesund und in guter Verfassung zurück, voller Eindrücke von der weiten, einsamen Weite des Weltraums und dem majestätischen Anblick des Mondes aus der Nähe. Mit dieser Mission rückt die Menschheit einen Schritt näher an eine nachhaltige Präsenz auf dem Mond und darüber hinaus.
