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Trumps Fehlkalkulation mit den Huthis im Jemen

Titelbid: Beispielbild pixabay

(ode)
Der dreifache Würgegriff: Warum dem Welt-Ölhandel jetzt drei Wege gleichzeitig wegbrechen

Das Öl als Blutkreislauf der Weltwirtschaft. Normalerweise fließt es durch drei große Arterien aus dem Nahen Osten. In dieser Woche werden alle drei gleichzeitig abgedrückt.

1. Die erste Arterie: Straße von Hormus – seit Februar praktisch dicht

Seit dem US-israelischen Angriff auf das iranische Atomprogramm am 28. Februar herrscht Krieg im Golf. Die Straße von Hormus, durch die normalerweise ein Fünftel des weltweiten Öls und ein Drittel des weltweiten LNG fließen, ist faktisch blockiert. An manchen Wochenendtagen passierte laut Analysedienst Kpler kein einziger großer Tanker mehr die Meerenge. Fünf iranische Tanker wurden diese Woche von US-Streitkräften im Golf von Oman angegriffen.

Saudi-Arabien, der größte Ölexporteur der Welt, musste umdenken.

2. Die zweite Arterie: Die Ost-West-Pipeline – jetzt brennt sie

Die Notlösung der Saudis ist eine 1.200 Kilometer lange Lebensader quer durch die Wüste: Die East-West-Pipeline. Zwei Rohre mit 1,5 Metern Durchmesser, die bis zu sieben Millionen Barrel Rohöl pro Tag vom Persischen Golf zum Hafen Yanbu am Roten Meer pumpen können. Von dort sollte das Öl über Suez nach Europa.

Doch genau diese Pipeline brennt. Satellitenbilder, die am Donnerstag aufgenommen wurden, zeigen mindestens sechs Brandpunkte und riesige Rauchsäulen exakt auf der Trasse südöstlich von Medina. Experten diskutieren, ob es sich um Notfackeln handelt, doch dass es ein massives Problem gibt, gilt als sicher. Riad hat den Vorfall bisher nicht bestätigt. Es wäre nicht das erste Mal: Bereits im April legte ein iranischer Drohnenangriff die Leitung für vier Tage lahm, 2019 griffen die Huthis Pumpstationen an.

Die Zahlen zeigen, wie ernst die Lage ist: Saudi-Arabiens Ölförderung brach im August laut OPEC-Daten um 1,9 Millionen Barrel auf nur noch 6,2 Millionen Barrel pro Tag ein – der niedrigste Stand seit 1990. Die Exporte fielen um ein Drittel.

3. Die dritte Arterie: Bab al-Mandab – jetzt von den Huthis besetzt

Und genau in dem Moment, in dem Saudi-Arabien auf das Rote Meer angewiesen ist, fällt auch dieser Weg. Am Freitagmorgen meldete Reuters: Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen haben die strategisch entscheidende Insel Perim in der Meerenge Bab al-Mandab besetzt. Diese Insel teilt die 27 Kilometer breite Meerenge in zwei Schifffahrtsrinnen. Wer Perim kontrolliert, kontrolliert alles. Auf dem Festland fielen zeitgleich die Städte Dhubab und Mocha sowie die Hanish-Inseln. Die Huthis kontrollieren damit erstmals die gesamte jemenitische Küste am Roten Meer.

Bereits im Juli hatten sie die saudischen Tanker Encelia und Layla genau dort getroffen. Seit Tagen beschießen sie saudische Schiffe, die versuchen, Yanbu anzulaufen. Charterungen scheitern laut Händlern an explodierenden Frachtraten und dem fehlenden Versicherungsschutz.

Was das bedeutet:

Am Dienstag griffen die Huthis in einer großangelegten Operation mit Drohnen und ballistischen Raketen vier Städte im Süden Saudi-Arabiens an, Aramco-Anlagen gerieten in Brand, 73 Menschen wurden verletzt. Am Donnerstag brannte die Pipeline. Am Freitag fiel Perim.

Es ist die klassische Eskalation vor Verhandlungen. Während Berichten zufolge Iran und die Golfstaaten vor Gesprächen stehen, bauen Teheran und seine Verbündeten maximalen Druck auf: Hormus, Pipeline, Bab al-Mandab – ein dreifacher Würgegriff.

Die Reaktion des Marktes ließ nicht lange auf sich warten. Brent-Öl stieg am Freitagmorgen auf 106 bis 110 US-Dollar, der höchste Stand seit Monaten. Die Bundesregierung sprach davon, dass der Iran und die Huthis versuchen, die internationale Schifffahrt „in Geiselhaft zu nehmen“.

Für Sie als Verbraucher bedeutet das: Längere Lieferwege – die Alternative um das Kap der Guten Hoffnung kostet zehn Tage extra und bindet sechs Prozent der weltweiten Tankerflotte – höhere Frachtraten, steigende Ölpreise und erneut die Frage, wie verwundbar unser globaler Handel wirklich ist.

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