Allgemeine Nachrichten

Mordfall Weimar- 40 Jahre und kein Ende

Titelbild: Strate/ Fotobiene Wikipedia 4.0

Mordfall Weimar: Fast 40 Jahre nach dem Tod von Karola und Melanie – Neuer Wiederaufnahmeantrag 2026

Philippsthal / Darmstadt. Kaum ein Kriminalfall hat die deutsche Öffentlichkeit so lange beschäftigt wie der Doppelmord an den Schwestern Karola und Melanie Weimar. Am 4. August 1986 verschwanden die beiden Mädchen in Karlstein, wenig später wurden sie tot aufgefunden.
Der Fall zog sich über drei Prozesse, endete mit einer lebenslangen Verurteilung und wurde zu einem Symbol für einen Indizienprozess ohne Geständnis. Jetzt, knapp 40 Jahre später, will Star-Verteidiger Gerhard Strate das rechtskräftige Urteil von 1999 neu aufrollen lassen. Beim Landgericht Darmstadt ist am 17. März 2026 ein Wiederaufnahmeantrag eingegangen, wie das Gericht bestätigte.



Im Zentrum des Antrags steht Monika Weimar, die heute unter ihrem Mädchennamen Böttcher lebt. Die gelernte Krankenschwester war 1988 vom Landgericht Fulda erstmals wegen Mordes an ihren Töchtern zu lebenslanger Haft verurteilt worden. 1995 wurde das Verfahren wiederaufgenommen und sie 1997 freigesprochen. In einem dritten Prozess verurteilte das OLG Frankfurt sie 1999 erneut. Der Bundesgerichtshof verwarf die Revision im August 2000 endgültig. Nach insgesamt rund 15 Jahren Haft wurde Monika Böttcher 2006 entlassen und beteuert bis heute ihre Unschuld mit den Worten: „Ich war’s nicht!“.



Der neue Vorstoß von Gerhard Strate, der die Mandantin von Beginn an vertritt, stützt sich nach eigenen Angaben auf bislang nicht ausreichend gewürdigte Hinweise. Im Fokus steht ein US-amerikanischer Schwager, der zur Tatzeit mit seiner Familie im selben Haus wie die Weimar-Kinder lebte. Der Mann, ein ehemaliger US-Soldat, wurde Jahre später in den USA wegen sexuellen Missbrauchs zweier Mädchen im Alter von 11 und 12 Jahren zu 16 Jahren Haft verurteilt. Strate sieht in zwei sexuellen Kinderzeichnungen Hinweise auf möglichen Missbrauch und rückt den Schwager damit als möglichen Täter in den Mittelpunkt. Auch SPIEGEL TV berichtete, dass bei einer erneuten Untersuchung der Bettwäsche der Mädchen männliche DNA-Spuren unklaren Ursprungs entdeckt worden seien und ein DNA-Abgleich angestrebt werde.

Der Fall Weimar war von Anfang an geprägt von widersprüchlichen Zeugenaussagen und Indizien. Nachbarn hatten ausgesagt, die Mädchen am Vormittag des 4. August zwischen 10:50 und 10:57 Uhr gesehen zu haben, während das Auto von Monika Weimar ab 11:03 Uhr auf einem zehn Fahrminuten entfernten Parkplatz gesichtet wurde. Ein Fasergutachten, das später Grundlage für ein Wiederaufnahmeverfahren wurde, stellte fest, dass Anhaftungen an der Bluse von Monika Böttcher gleichmäßig verteilt waren und keine Leitspuren aufwiesen, wie sie beim Tragen eines Leichnams zu erwarten gewesen wären. Lange galt auch der Ehemann Reinhard Weimar, 2012 verstorben, als möglicher Täter, nachdem vier Zeugen aussagten, er habe ihnen gegenüber den Mord gestanden. Die Gerichte stuften diese Aussagen jedoch als unglaubwürdig ein.



Ziel des Wiederaufnahmeantrags vom März 2026 ist die Aufhebung des Urteils von 1999 und die Freisprechung seiner Mandantin, erklärt Gerhard Strate in einem auf seiner Homepage veröffentlichten Schreiben. Der Antrag entspreche dem „ausdrücklichen Wunsch“ von Monika Böttcher. Ob das Landgericht Darmstadt den Fall tatsächlich neu aufrollt, hängt nun von der Bewertung der neuen Indizien durch die Justiz ab. Strate machte den Antrag auch zum Thema in der Radiosendung „Der Rechtsstaat“ des Kontrafunk Ende März 2026.

Der Mordfall Weimar gilt bis heute als einer der rätselhaftesten Fälle der deutschen Kriminalgeschichte. Drei Prozesse, ein Freispruch, eine erneute Verurteilung und nun der Versuch, fast vier Jahrzehnte nach der Tat noch einmal vor Gericht die Frage zu klären, wer wirklich für den Tod von Karola und Melanie verantwortlich ist. Für die Verteidigung geht es darum, Zweifel auszuräumen, die ihrer Ansicht nach bereits 1999 hätten berücksichtigt werden müssen. Für die Justiz steht die Entscheidung an, ob die neuen Hinweise ausreichen, um ein Verfahren wieder zu eröffnen, das Deutschland seit 1986 nicht mehr losgelassen hat.


Themenverwandte Artikel

Nordstream 2 und die Konsequenzen für die Ukraine

the kasaan times

Kardinal Krajewski geriet in Saporischschja in Feuergefecht

the kasaan times

Weitere Festnahme wegen Spionage im Zusammenhang mit Maximilian Krah

the kasaan times

500 Medikamente von Lieferengpässen betroffen

the kasaan times

Bombenzyklon Emir im Anmarsch

the kasaan times

Diktator Trump in einer Reihe mit anderen Diktatoren

the kasaan times

Mehrtägiger Bahnstreik ab 10.Januar

the kasaan times

Al-Dschasira: Gespräche über Waffenruhe, Geisel- und Gefangenenaustausch laut Hamas-Funktionär

the kasaan times

Italienische Müllmafia spielt Schiffe versenken

the kasaan times

Flugzeug kollidiert mit Hubschrauber über Ronald-Reagan-National-Airport in Washington D.C.

the kasaan times

Formel-1-Saison 2026 in Gefahr durch Iran-Krise

the kasaan times

Abgrund der Hölle- The Global Rape Academy

the kasaan times

Hinterlasse einen Kommentar

*