Screenshot: Coastal Parrot /TikTok,2026
„Zur Adoption frei“: Wie Fake-Profile wie Coastal Parrots und African Grey Parrots Farm mit Papageien aus Benin abzocken
Wer auf TikTok, Instagram oder Facebook nach Papageien sucht, stößt in den letzten Wochen auf auffällig viele neue Accounts. Sie heißen „Coastal Parrots“, „African Grey Parrots Farm“, „Africa grey Parrots Home“ oder „Alexia_pet“. Sie posten niedliche Videos von Aras, Kakadus und Graupapageien mit Texten wie „Well tamed and ready for new homes“ und „Available for adoption“. Der Kontakt läuft ausschließlich über WhatsApp. In einem Fall ist es die Nummer +229 550-4264 mit Benin-Vorwahl.
Auf den ersten Blick wirkt alles seriös. Gesundheitspapiere vom Tierarzt, weltweiter Versand, liebevolle Aufzucht. Doch wer genauer hinschaut, erkennt schnell das Muster. Die gleichen Vögel tauchen bei „Coastal Parrots“ und „African Grey Parrots Farm“ auf. Die Videos sind gestohlen. Echte Züchter haben keine 10 verschiedenen Arten ständig „auf Lager“. Und niemand verschickt einen Hyazinthara oder Blaukopfara für 200 bis 300 Euro per Flugzeug.
Experten und Tierschutzorganisationen warnen seit 2023 vor genau dieser Masche. Hinter Profilen wie „Coastal Parrots“ und „Africa grey Parrots Home“ steckt in den meisten Fällen ein internationales Betrugsnetzwerk. Die Täter kassieren Anzahlungen per WhatsApp. Dann kommen Forderungen nach „Zollgebühren“, „Versicherung“ oder „Transportbox“. Am Ende gibt es keinen Vogel. Das Profil ist gelöscht und eine neue Seite mit neuem Namen ist schon online.
Besonders häufig taucht dabei Benin auf. Die Vorwahl +229 steht in mehreren Profilen. Vorgeblich sitzen die „Züchter“ in Westafrika und können durch „günstige Exportbedingungen“ besonders billig anbieten. Das ist rechtlich und praktisch unmöglich. Fast alle Papageienarten stehen unter Artenschutz und CITES. Ein legaler Import nach Deutschland braucht Genehmigungen, Quarantäne und einen zugelassenen Transport. „Wir schicken weltweit“ ohne Papiere ist schlicht illegal.
Warum funktioniert das trotzdem? Weil die Sehnsucht groß ist. Seriöse Züchter in Deutschland haben Wartelisten, prüfen die Käufer und lassen einen vorbei kommen. Die Fake-Accounts von „Alexia_pet“ und Co. sagen sofort „ja“. Sie nutzen das Mitgefühl für Tiere aus und machen damit Geld.
Tierschützer raten deshalb: Finger weg, wenn ein Profil nur per WhatsApp erreichbar ist, keine feste Adresse hat, Vögel „sofort“ anbietet und Versand aus dem Ausland verspricht. Lieber beim örtlichen Züchterverband, im Tierheim oder bei Papageien-Nothilfen nachfragen. Dort gibt es auch Tiere, die ein neues Zuhause suchen. Und dort bekommt man den Vogel auch wirklich zu sehen.
Die Screenshots zeigen genau diese typischen Merkmale. Viele Arten auf einmal, Kontakt nur über WhatsApp, keine Ortsangabe, gestohlene Videos mit Millionen Aufrufen. Wer auf ein Angebot von „Coastal Parrots“ oder „African Grey Parrots Farm“ hereinfällt, verliert nicht nur Geld. Er unterstützt auch den illegalen Wildtierhandel.
Wenn es zu schön klingt um wahr zu sein, ist es das meistens auch.
_Die Redaktion hat Screenshots der genannten Profile vorliegen. Die Namen der Anbieter werden genannt, da es sich um öffentlich zugängliche Profile handelt, die im Verdacht des Betruges stehen.
