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Die Diskussion um eine mögliche Rückholung der deutschen Goldreserven aus den USA hat im Januar 2026 erheblich an Fahrt aufgenommen, vor allem weil viele Beobachter die Politik von US-Präsident Donald Trump als unberechenbar und potenziell risikoreich für ausländische Vermögenswerte einschätzen.
Deutschland verfügt mit etwa 3352 Tonnen über die weltweit zweitgrößten offiziellen Goldbestände, von denen rund 37 Prozent – also etwa 1236 Tonnen mit einem aktuellen Marktwert von über 100 Milliarden Euro – weiterhin in den Tresoren der Federal Reserve Bank in New York lagern.
Der Rest befindet sich größtenteils in Frankfurt und zu einem kleineren Teil in London.Nachdem die Bundesbank zwischen 2013 und 2017 bereits 300 Tonnen aus New York zurückgeholt hatte, gilt die damalige Rückholaktion heute vielen als unvollständig. Die aktuelle Debatte wird durch die geopolitischen Spannungen angeheizt: Trumps wiederholte Drohungen gegen europäische Partner, seine Zollpolitik, Äußerungen zu Grönland und seine generelle „America First“-Haltung lassen Zweifel an der langfristigen Verlässlichkeit der USA als Verwahrstelle aufkommen.
Experten wie der ehemalige Bundesbank-Forschungsleiter Emanuel Mönch halten es inzwischen für „riskant“, so große Mengen in den USA zu belassen, und plädieren für mehr strategische Unabhängigkeit durch eine weitere oder vollständige Rückverlagerung. Ähnlich argumentiert der Europäische Steuerzahlerbund, der Trump explizit als unberechenbar einstuft und warnt, er würde „alles tun, um Einnahmen zu generieren“ – wozu theoretisch auch der Zugriff auf fremde Goldbestände gehören könnte.Die konkrete Gefahr einer Unterschlagung oder direkten Enteignung durch Trump oder seine Administration wird in seriösen Analysen jedoch meist als sehr unwahrscheinlich eingestuft. Das Gold liegt nicht im Eigentum der USA, sondern unterliegt völkerrechtlichem Schutz und klaren Verwahrverträgen mit der New York Fed.
Eine offene Konfiszierung würde massive diplomatische und rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, internationale Verträge brechen und das Vertrauen in den US-Dollar sowie in die Federal Reserve als globale Verwahrstelle massiv erschüttern – ein Szenario, das selbst für eine polarisierende Regierung wie die von Trump kaum vorstellbar erscheint, weil es langfristig den USA selbst massiv schaden würde.
Realistischer und von mehreren Kommentatoren als ernsthaftes Risiko genannt wird stattdessen eine indirekte Blockade oder faktische Immobilisierung der Bestände in einem eskalierenden Konflikt. In extremen geopolitischen Szenarien – etwa bei massiven Handelskriegen, Sanktionsspirale oder einer weiteren Verschlechterung der transatlantischen Beziehungen – könnte eine US-Regierung über Notstandsrecht, Sanktionsmaßnahmen oder exekutive Eingriffe versuchen, Transaktionen mit dem deutschen Gold zu behindern.
Deutschland könnte die Barren dann zwar physisch noch besitzen, sie aber weder verkaufen, beleihen noch in Euro umwandeln, um beispielsweise den Wechselkurs zu stützen. Solche Szenarien erinnern an den Umgang mit russischen oder venezolanischen Vermögenswerten in den letzten Jahren und zeigen, dass physische Unterschlagung nicht nötig ist, um ein Land unter Druck zu setzen.
Die Bundesbank selbst und Präsident Joachim Nagel halten an der bisherigen Linie fest.
Das Gold in New York sei regelmäßig kontrolliert, echt, vorhanden und sicher gelagert. Man sehe keinen akuten Handlungsbedarf für eine überstürzte Rückholung, da Diversifikation der Lagerorte auch strategische Vorteile biete. Kritiker werfen der Institution jedoch vor, das geopolitische Risiko zu unterschätzen und zu sehr auf alte transatlantische Vertrauensverhältnisse zu setzen, die unter Trump brüchig geworden sind. Eine Rückholaktion wäre logistisch machbar, aber teuer, zeitaufwendig und politisch heikel – sie könnte als Misstrauensvotum gegenüber den USA interpretiert werden und die ohnehin angespannten Beziehungen weiter belasten.
Die Lage ambivalent.
Eine direkte Unterschlagung des deutschen Goldes durch Trump erscheint extrem unwahrscheinlich und würde für die USA selbst verheerende Folgen haben, während indirekte Risiken durch politische oder wirtschaftliche Erpressung in einer weiter eskalierenden Weltlage durchaus im Bereich des Möglichen liegen. Deshalb wächst der Druck auf die Bundesbank, die verbliebenen Bestände in New York zumindest teilweise zurückzuholen – auch wenn die offizielle Haltung in Frankfurt bisher lautet, dass dafür aktuell kein zwingender Grund bestehe. Die Debatte zeigt vor allem, wie sehr das Vertrauen in die USA als sicheren Hafen für fremde Reserven in den letzten Jahren gelitten hat.
