Titelbild: Beispielbild, Carl Grossmann, Public Domain
Carl Großmann, einer der berüchtigsten Serienmörder der deutschen Kriminalgeschichte, wurde am 13. Dezember 1863 in Neuruppin geboren und starb am 5. Juli 1922 in Berlin.
Sein Leben war von früher sexueller Gewalt geprägt: Schon als junger Mann wurde er mehrfach wegen Kindesmissbrauchs und ähnlicher Delikte verurteilt, was ihn über Jahre hinweg immer wieder ins Gefängnis brachte. Nach dem Ersten Weltkrieg ließ er sich im armen Arbeiterviertel Friedrichshain nieder, ganz in der Nähe des Schlesischen Bahnhofs (heute Ostbahnhof), wo er in einer kleinen, heruntergekommenen Wohnung lebte.In den chaotischen Jahren nach 1918, als Berlin von Hunger, Inflation, Obdachlosigkeit und moralischem Verfall gekennzeichnet war, begann Großmann sein mörderisches Treiben in größerem Stil.
Er suchte gezielt junge Frauen an, meist Prostituierte, Gelegenheitsarbeiterinnen oder mittellose Mädchen, die auf der Straße nach Essen, Geld oder einem Schlafplatz suchten. Mit dem Versprechen von Essen, Alkohol oder einer Unterkunft lockte er sie in seine Wohnung. Dort kam es regelmäßig zu brutalen sexuellen Übergriffen, die in Vergewaltigung und schließlich Mord mündeten. Die Frauen wurden meist während oder kurz nach dem Geschlechtsverkehr getötet – oft durch Schläge auf den Kopf oder durch Würgen. Die Polizei und Gerichtsmediziner stuften ihn später als klassischen Lustmörder ein, bei dem der Tötungsakt selbst Teil der sexuellen Befriedigung war.Besonders schockierend war, was mit den Leichen geschah.
Großmann zerstückelte die Körper seiner Opfer fachmännisch – er hatte sich in seiner Jugend zeitweise als Schlachter betätigt – und entsorgte die Teile in den zahlreichen Kanälen, Flüssen und Gewässern Ostberlins. Seit Frühjahr 1920 wurden immer wieder verstümmelte Frauenleichen oder Leichenteile aus Spree, Landwehrkanal und anderen Gewässern geborgen. Die Polizei vermutete schon früh einen Serientäter, konnte aber lange keine konkrete Spur finden. Schätzungen reichten von mindestens 20 bis hin zu über 100 möglichen Opfern, auch wenn nur wenige Fälle gerichtlich gesichert werden konnten.Die Wende kam am 21. August 1921. Nachbarn hörten aus Großmanns Wohnung laute Schreie und alarmierten die Polizei. Die Beamten stürmten die Wohnung und fanden den 58-Jährigen blutüberströmt neben der Leiche der jungen Marie Nitsche vor, die er gerade erst getötet hatte.
In der Wohnung entdeckten sie weitere Spuren schwerer Gewalt und menschlicher Überreste. Großmann wurde sofort verhaftet. Nach wochenlangen Verhören gestand er schließlich drei konkrete Morde ein, darunter die an Frieda Schubert und Johanna Sosnowski, bestritt aber vehement eine höhere Opferzahl. Die Presse überschlug sich mit immer neuen Schauergeschichten. Man nannte ihn „Das Biest vom Schlesischen Bahnhof“, „Berliner Blaubart“ oder „Der Schlachter von Berlin“. Besonders hartnäckig hielt sich das Gerücht, Großmann habe das Fleisch seiner Opfer zu Wurst verarbeitet und auf dem Schwarzmarkt oder sogar an einem kleinen Wurststand am Bahnhof verkauft – eine grausige Geschichte, die bis heute populär ist, obwohl Historiker und Polizei sie als reine Sensationsmache der damaligen Boulevardpresse ohne Beweise einstuften.
Der Prozess gegen Großmann begann im Juli 1922 vor dem Landgericht Berlin. Doch schon am dritten Verhandlungstag fand man ihn tot in seiner Zelle in der JVA Moabit auf. Er hatte sich mit einem Bettlaken an einem lockeren Nagel in der Tür erhängt und sich so dem drohenden Todesurteil entzogen. Das Verfahren wurde eingestellt, ein endgültiges Urteil fiel nie. Bis heute bleibt unklar, wie viele Frauen wirklich durch seine Hand starben – die Zahl schwankt zwischen etwa 20 und über 50, manche Sensationsberichte sprachen sogar von bis zu 100 Opfern.
Carl Großmann bleibt als einer der dunkelsten und grausamsten Serienmörder der Weimarer Republik in Erinnerung: ein Mann, der in den Trümmern und der sozialen Not der Nachkriegszeit systematisch junge Frauen jagte, tötete und verschwinden ließ – ein Schrecken, der bis heute im kollektiven Gedächtnis Berlins nachhallt.
