Nordkorea Scammer Alarm

Romance Scam aus Pjöngjang

Nordkoreas Schattenwirtschaft: Wie das Regime mit Romance Scams und Fake-Jobs Geld für sein Atomprogramm beschafft

Eine Erpresser- oder Drohmail im Postfach ist nur die Spitze des Eisbergs. Hinter anonymen Absendern und schockierenden Texten steckt immer häufiger ein staatlich organisiertes System. Auch Nordkorea hat den digitalen Raum längst als Einnahmequelle entdeckt.



Sicherheitsfirmen und US-Behörden gehen davon aus, dass rund 100.000 nordkoreanische Staatsbürger als IT-Kräfte im Ausland arbeiten. Offiziell als Freelancer oder Angestellte bei westlichen Firmen, inoffiziell als Geldquelle für Pjöngjang. Sie sitzen in mehr als 40 Ländern, oft getarnt hinter gestohlenen Identitäten und KI-generierten Profilbildern. Allein mit dieser Masche sollen pro Jahr etwa 500 Millionen US-Dollar in die Kassen des Regimes fließen. Ein Fall bei der Cybersecurity-Firma KnowBe4 zeigte, wie weit das geht: Ein vermeintlicher Principal Software Engineer wurde eingestellt, nutzte einen Raspberry Pi um Schadsoftware zu installieren und stand vermutlich in Verbindung mit einer sogenannten „Laptop Farm“ in Nordkorea oder China.

Doch nicht nur über Fake-Jobs wird Geld beschafft. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Huione Group mit Sitz in Kambodscha. Das Unternehmen betreibt eine eigene Krypto-Börse, einen Stablecoin und einen Telegram-Marktplatz, der als Umschlagplatz für Betrügerbanden gilt.

Laut Ermittlungen von Chainalysis und US-Behörden wurden über Huione seit August 2021 mehr als 4 Milliarden US-Dollar durch Online-Kriminalität gewaschen. Ein erheblicher Teil davon stammt aus Romance-Scams und sogenannten Pig-Butchering-Maschen. Dabei werden Opfer über Dating-Apps und soziale Netzwerke über Wochen in vermeintliche Liebesbeziehungen verwickelt. Die Täter geben sich als erfolgreiche Unternehmer, Soldaten oder gutaussehende Singles aus, oft mit Deepfakes und KI-generierten Bildern. Sobald die emotionale Bindung steht, werden die Opfer auf dubiose Trading-Plattformen gelockt und zur Investition in Kryptowährungen gedrängt. Allein durch diese Betrugsform sollen über Huione rund 336 Millionen US-Dollar erbeutet worden sein.


Experten sprechen von einer Professionalisierung. Die Angriffe sind nicht mehr plump, sondern gut vorbereitet. Fake-Recruiter sprechen Opfer auf LinkedIn an, lange Chatverläufe sollen Seriosität vortäuschen und die psychologische Wirkung ist gezielt auf Scham und Druck ausgelegt. Ziel ist es, schnell an Kryptowährungen zu kommen, die über Plattformen wie Huione in den globalen Geldkreislauf eingespeist und nur schwer zurückverfolgt werden können.

Für Nordkorea ist das mehr als Kriminalität. Es ist ein Weg, internationale Sanktionen zu umgehen und Devisen für das Militär- und Raketenprogramm zu beschaffen. Neben dem Diebstahl von Krypto-Vermögen im Milliardenbereich, wie zuletzt beim Angriff auf die Börse Bybit, sind Romance Scams und die Zusammenarbeit mit Dienstleistern wie der Huione Group ein fester Baustein in einem größeren System aus Cyberangriffen, Geldwäsche und Identitätsbetrug.

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