Damals

Die Schwarze Reichswehr

Titelbild:ki generiert, kasaan media, 2026

Die Schwarze Reichswehr: Geheime Armee, Fememorde und der Schattenstaat der Weimarer Republik
Das Konzept vom Terror in Deutschland ist nicht neu, damals waren es auch die Rechten,die den Terror ausübten. Russland unterstützt heute in der Bundesrepublik ähnliche Strukturen. Auch die Waffenlager sind nicht neu. So soll die Morde in Hinterkaifeck, anno 1922, in Zusammenhang mit einem Waffenlager der Schwarzen Reichswehr gestanden haben. Bewiesen ist das nicht. Es gibt wenige Indizien, die geschichtliche unzureichend aufgearbeitet sind.


Von 1921 bis 1923 baute die Reichswehr im Geheimen eine zweite Armee auf. Was als Notwehr gegen Versailles begann, endete in Terror, Mord und einem Putschversuch.

Die Niederlage im Ersten Weltkrieg und der Versailler Vertrag von 1919 hatten Deutschland zur Abrüstung gezwungen. Die Reichswehr durfte nur 100.000 Mann stark sein, ohne Panzer, ohne Luftwaffe, ohne schwere Artillerie. Für viele Offiziere war das eine nationale Demütigung. Und eine Gefahr. Denn gleichzeitig tobten im Osten Grenzkämpfe, im Ruhrgebiet Arbeiteraufstände und rechte wie linke Gruppen rüsteten auf.


Die Lösung der Militärführung: Eine Armee neben der Armee. Unsichtbar, illegal, finanziert aus geheimen Töpfen. Ihr Name: „Schwarze Reichswehr“.

Entstehung: Die Notwehr-Armee hinter der Fassade

Der Begriff „Schwarze Reichswehr“ tauchte erstmals 1923 auf. „Schwarz“ stand für illegal, geheim, nicht im Etat. Organisiert wurde sie vor allem vom Chef des Truppenamtes, Generalmajor Hans von Seeckt, und in der Praxis von Major Bruno Ernst Buchrucker.

Offiziell gab es sie nicht. Inoffiziell wurden in ganz Deutschland „Arbeitskommandos“ und „Einwohnerwehren“ geduldet. Getarnt als Sportvereine, Notgemeinschaften oder Firmen der Rüstungsindustrie wurden Waffenlager angelegt, Männer militärisch ausgebildet und Geld bereitgestellt. Die Finanzierung lief über den „Sonderfonds“ des Reichswehrministeriums und über Spenden der Industrie.

Ziel war klar: Im Falle eines polnischen oder französischen Einmarsches, oder eines kommunistischen Aufstandes, sollte die Schwarze Reichswehr innerhalb von 48 Stunden 300.000 bis 500.000 Mann mobilisieren können.

Höhepunkt der Rekrutierung war das Jahr 1922. Allein in Ostpreußen, Pommern und Schlesien standen Zehntausende Männer auf den Listen. Sie bekamen Tarnnamen, Deckmäntel und den Befehl, im Ernstfall zu den Waffen zu greifen.

Das zweite Gesicht: Fememorde und Terror

Doch die Schwarze Reichswehr war nicht nur eine Reservearmee. Sie wurde zum Instrument eines rücksichtslosen Selbstjustiz-Systems.

In der Reichswehr gab es sogenannte „Feme-Gerichte“. „Feme“ war ein mittelalterlicher Begriff für geheime Strafgerichte. In der Praxis bedeutete das: Wer als „Verräter“ galt, wurde ohne Prozess erschossen. „Verrat“ war dabei alles: Waffen verstecken, über die geheimen Lager reden, desertieren, Kontakte zu Sozialdemokraten oder Gewerkschaften.


Die bekanntesten Untaten geschahen zwischen 1920 und 1923:

1. Die Morde 1920-1921: Der Beginn
Nach dem Kapp-Putsch und den folgenden Unruhen kam es zu ersten Lynchjustiz-Aktionen. Im Baltikum und in Oberschlesien wurden vermeintliche Spitzel von Freikorps-Leuten erschossen. Genaue Zahlen sind bis heute unklar, Historiker sprechen von mehreren Dutzend Fällen.

2. Küstrin 1923: Der Aufstand und seine Folgen
Am 1. Oktober 1923 putschte Major Bruno Ernst Buchrucker mit Teilen der Schwarzen Reichswehr in Küstrin gegen die Regierung. Er wollte ein Signal gegen den „Einknick-Kurs“ der Regierung Stresemann setzen. Der Putsch brach nach wenigen Stunden zusammen. Buchrucker wurde verhaftet.
Bei den Verhören kamen die Fememorde ans Licht. Buchrucker und seine Offiziere gaben zu, mindestens 31 Morde angeordnet oder gedeckt zu haben. Opfer waren oft einfache Soldaten, Arbeiter oder Bauern, die etwas ausgeplaudert hatten. Die Leichen wurden in Wäldern verscharrt.

3. Barmbek und andere Fälle
Besonders bekannt wurde der Mord an Karl Gareis, einem bayerischen USPD-Politiker, am 9. Juni 1921 in München. Auch hier gab es Verbindungen in Kreise der Schwarzen Reichswehr.
In Hamburg-Barmbek wurden 1923 zwei Arbeiter von Angehörigen der Schwarzen Reichswehr erschossen, weil sie Flugblätter verteilt hatten.

Die Justiz war machtlos. Viele Verfahren wurden eingestellt. Zeugen verschwanden. Offiziere deckten Offiziere. Die Republik hatte Angst, die Reichswehr ganz zu verlieren.


Das Ende: Skandal und Auflösung

Der Küstriner Putschversuch vom 1. Oktober 1923 war das Ende der Schwarzen Reichswehr. Die Regierung Stresemann nutzte die Gelegenheit, um aufzuräumen.

Im sogenannten „Fememord-Prozess“ vor dem Reichsgericht in Leipzig ab 1925 wurden einige Täter verurteilt. Buchrucker erhielt 10 Jahre Festungshaft, kam aber 1926 wieder frei. Viele andere kamen mit Bewährungsstrafen davon.

General von Seeckt musste 1926 zurücktreten. Die geheimen Waffenlager wurden aufgelöst, die Listen vernichtet. Doch ein Teil der Netzwerke blieb bestehen und ging später in SA, SS und Wehrmacht auf.

Erbe: Ein Staat im Staate

Die Schwarze Reichswehr zeigt das Dilemma der Weimarer Republik: Sie war auf die Reichswehr angewiesen, um sich zu verteidigen. Aber diese Reichswehr wollte die Republik selbst nicht.

Über 100 Menschen fielen nachweislich Fememorden zum Opfer. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich deutlich höher. Es war ein Terror von Rechts, der über Jahre von Teilen des Staates gedeckt und finanziert wurde.

Historiker bewerten die Schwarze Reichswehr heute als einen der ersten Versuche, in Deutschland einen „tiefen Staat“ aufzubauen. Eine Armee, die nicht dem Parlament, sondern einer Idee von „Nation“ gehorchte.

Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, brauchten sie keine geheime Armee mehr. Sie hatten den ganzen Staat.



Quellenhinweis: Die Zahlen zu den Fememorden basieren auf den Ermittlungen des Reichsgerichts 1925/26 sowie auf Forschungen von Bernhard Sauer und Wolfram Wette. Viele Akten der Schwarzen Reichswehr wurden 1923 vernichtet.

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