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Abschied von der Karriere für den Kampf gegen Trump

Jackson, Vereinigte Staaten
PATRICK T. FALLON AFP
Die US-Repräsentantin Liz Cheney (R-WY) spricht am 16. August 2022 bei einer Wahlabendveranstaltung während der Vorwahlen in Wyoming auf der Mead Ranch in Jackson, Wyoming, zu Anhängern. Die republikanische Dissidentin Liz Cheney hat ihren Sitz im US-Kongress am 16. August an einen Wahlverweigerer und Verschwörungstheoretiker verloren, wie US-Netzwerke hochrechneten. Dies ist das jüngste Signal für die Abkehr ihrer Partei vom traditionellen Konservatismus zugunsten von Donald Trumps Hardliner-Bewegung „America First“. (Foto: Patrick T. FALLON / AFP)

Washington, USA

Sie ist die profilierteste und prominenteste Kritikerin von Ex-US-Präsident Donald Trump innerhalb der Republikanischen Partei – nun hat ihre Gegnerschaft zu Trump die politische Karriere von Liz Cheney vorerst beendet. Bei der Vorwahl der Republikaner im Bundesstaat Wyoming verlor die 56-Jährige gegen eine von Trump unterstützte Kandidatin. Ihren Sitz im Repräsentantenhaus wird Cheney damit nach sechs Jahren verlieren.

Doch Cheney zeigt sich unbeirrt: „Unsere Arbeit ist alles andere als vorbei“, rief die Tochter des früheren Vizepräsidenten Dick Cheney am Abend der verlorenen Vorwahl ihren Anhängern zu. Sie werde „alles“ tun, um eine Rückkehr des Rechtspopulisten ins Weiße Haus zu verhindern. „Ich habe seit dem 6. Januar gesagt, dass ich alles unternehmen werde um sicherzustellen, dass Donald Trump nie wieder in die Nähe des Oval Office kommt. Und ich meine das auch so.“

In nur kurzer Zeit ist Liz Cheney, die einst als eine Verkörperung des Steuern senkenden, waffenvernarrten, gottesfürchtigen US-Konservatismus angesehen wurde, innerhalb ihrer eigenen Partei zu einer Ausgestoßenen geworden. Ihre Weigerung, Trumps Behauptungen zu übernehmen, ihm sei der Sieg bei der Präsidentschaftswahl 2020 durch Betrug gestohlen worden, brachte sie auf Kollisionskurs zu großen Teilen der Republikanischen Partei.

Nach der Kapitol-Erstürmung vom 6. Januar 2021 stimmte Cheney als eine von nur zehn Republikanern für ein Amtsenthebungsverfahren gegen den damaligen Präsidenten. Unablässig verurteilte sie zudem die vom Wahlverlierer verbreitete Verschwörungstheorie, sein Herausforderer Biden habe nur durch massiven Wahlbetrug gewonnen. Die Republikaner warfen sie daraufhin im Mai vergangenen Jahres aus der Fraktionsführung im Repräsentantenhaus.

Die Abgeordnete aus dem „Cowboy State“ Wyoming musste mit ansehen, wie die Republikaner sich immer mehr hinter die Falschbehauptungen des bei der Basis nach wie vor ungemein beliebten Ex-Präsidenten stellten. Einen „gefährlichen und anti-demokratischen Personenkult um Trump“ sieht Cheney in ihrer Partei.

Trotz ihrer Niederlagen in den Rängen der Republikaner schließt Cheney nicht aus, bei den Vorwahlen der Republikaner zur Präsidentschaftswahl 2024 gegen Trump – der sich bisher noch nicht eindeutig zu seinen Ambitionen geäußert hat – anzutreten oder als unabhängige Bewerberin zu kandidieren. Derzeit konzentriere sie sich auf ihre Arbeit als Vize-Vorsitzende des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Kapitol-Erstürmung, sagte sie dem Sender ABC News.

Hunderte radikale Trump-Anhänger hatten nach einer aufstachelnden Rede Trumps am 6. Januar 2021 das Kapitol gestürmt, als dort der Sieg des Demokraten Biden bei der Präsidentschaftswahl vom November 2020 formell bestätigt werden sollte. Die Ausschreitungen mit fünf Toten sorgten weltweit für Entsetzen.

Im Untersuchungsausschuss fand Cheney klare Worte für Trumps Verhalten an jenem Tag: „Der Präsident der Vereinigten Staaten hat diesen Mob herbeigerufen, den Mob versammelt und die Flamme dieses Angriffs entzündet“, sagte sie. Ihre Partei übernahm dagegen im Februar dieses Jahres offiziell die Formulierung, die Unruhen am Kapitol seien ein „legitimer politischer Diskurs“ gewesen.

Als ältere Tochter von Ex-Vizepräsident Dick Cheney entstammt Liz Cheney einer Familie, die im stramm konservativen Wyoming so etwas wie den politischen Adel verkörpert. Von 1979 bis 1989 saß ihr Vater für den Bundesstaat im Repräsentantenhaus, später war er Verteidigungsminister und dann acht Jahre lang Vizepräsident.

Liz Cheney arbeitete nach ihrem Studium der Rechtswissenschaften für ein internationales Finanzunternehmen und hatte später verschiedene Posten im US-Außenministerium inne. Seit 2016 vertritt sie Wyoming im US-Repräsentantenhaus, zweimal wurde sie mit deutlicher Mehrheit wiedergewählt. Nun hat die selbsternannte „stolze Rodeo-Mama“ von fünf Kindern als erstes Mitglied der Cheney-Familie eine Niederlage in dem Bundesstaat erlitten.

gt/yb

© Agence France-Presse

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