Titelbild: KI,2026
Quellen: AP und BR
Seit Beginn seiner zweiten Amtszeit ist das private Vermögen von Donald Trump nach Angaben von Kritikern und auf Basis seiner eigenen Einkommensauskünfte um Milliarden Dollar angewachsen. Während der Präsident und das Weiße Haus beteuern, er handle ausschließlich im Interesse des Landes und es gebe keine Interessenkonflikte, werfen ihm Bürgerrechtler, Demokraten und Korruptionsexperten vor, das Amt zur persönlichen und familiären Bereicherung zu nutzen. Im Mittelpunkt der Debatte stehen vor allem die Geschäfte mit Kryptowährungen.
Allein aus dem Kryptobereich soll Trump seit Amtsantritt rund 1,4 Milliarden Dollar eingenommen haben – eine Summe, die sich nach Angaben von Lisa Gilbert, Co-Vorsitzende der Organisation Public Citizen, aus den jährlich vorgeschriebenen Finanzauskünften des Präsidenten ablesen lässt. Ein besonders diskutiertes Beispiel betrifft die Firma World Liberty Financial, die eng mit der Trump-Familie verbunden ist und eine eigene Kryptowährung aufgelegt hat. Die Vereinigten Arabischen Emirate investierten über die Börse Binance zwei Milliarden Dollar in diese Währung, wodurch deren Wert sprunghaft stieg. Kurz darauf erwarben Vertreter der Emirate Anteile an World Liberty Financial im Wert von etwa 500 Millionen Dollar. Zeitnah lockerte die Trump-Regierung Export- und Lizenzregeln zugunsten der Emirate. Mark Hays von der Organisation Demand Progress sieht darin ein Muster, das die Demokratie gefährde, zumal der Präsident selbst die regulatorischen Rahmenbedingungen für solche Geschäfte gestaltet habe – und seine eigenen Firmen davon profitierten.
Doch die Vorwürfe beschränken sich nicht auf den Kryptosektor. Demokratische Abgeordnete im Kontrollausschuss des Kongresses kommen auf eine mögliche Vermögenssteigerung von bis zu 9,7 Milliarden Dollar, wenn digitale Assets, Immobiliengeschäfte und weitere Deals zusammengerechnet werden. Diese Zahl ist nicht exakt belegbar. Hinzu kommen der von Katar geschenkte Luxus-Jumbo-Jet, den Trump als Präsidentenmaschine nutzt, sowie Immobiliengeschäfte in der Golfregion, an denen Firmen oder Vertrautenkreise der Trump-Familie beteiligt sind. Weitere Kritikpunkte betreffen Begnadigungen oder Strafmilderungen, die zeitlich mit hohen Zahlungen an republikanernahe politische Komitees zusammenfallen, sowie die weitgehende Rücknahme der Klimaschutzmaßnahmen der Biden-Regierung nach Spenden aus der Öl- und Gasindustrie.
Im amerikanischen Sprachgebrauch ist der Begriff „corruption“ weiter gefasst als im Deutschen, wo er vor allem juristisch nachweisbare Bestechung meint. In den USA umfasst er häufig auch die Nutzung des Amtes zur Anhäufung privaten Vermögens und die Gewährung politischer Gefälligkeiten an Großspender oder ausländische Interessen. Genau diesen Vorwurf erheben die Kritiker. Das Weiße Haus weist ihn zurück. Erschwerend für eine mögliche juristische Aufarbeitung wirkt die weitreichende Immunitätsentscheidung des Supreme Court, die dem Präsidenten kurz vor Beginn der zweiten Amtszeit erteilt wurde, sowie Personalabbau in Behörden, die sich mit Geldwäsche und Finanzaufsicht befassen.
Öffentliche Umfragen deuten darauf hin, dass die Debatte Wirkung zeigt. Laut einer Erhebung der Nachrichtenagentur AP ist eine Mehrheit der Amerikanerinnen und Amerikaner der Ansicht, Trump sei mehr am eigenen Profit interessiert als am Wohl der Bürger. 41 Prozent stufen sein Verhalten als illegal ein, weitere 18 Prozent zumindest als unethisch. Kurz vor den Zwischenwahlen zum Kongress am 3. November 2026 scheint sich die Stimmung gegen den Präsidenten und seine Republikaner zu wenden – auch wenn große Spenden von Konzernen und Interessensgruppen in der US-Politik kein einseitiges Phänomen sind.
Ob die beschriebenen Vorgänge die Schwelle zur rechtlichen Korruption überschreiten oder eher als aggressive, aber im Rahmen der geltenden Regeln liegende Nutzung des Amtes zu werten sind, bleibt umstritten. Klar ist jedoch, dass das Ausmaß der Vermögenszuwächse und die Verflechtung mit politischen Entscheidungen die Diskussion um Interessenkonflikte und die Integrität des Präsidentenamts erneut in den Mittelpunkt gerückt haben.
