Israel

Gadi Eisenkot will neue israelische Regierung bilden- mutmasslicher Kriegsverbrecher Netanjahu wittert Wahlbetrug

Titelbild: Gadi Eizenkot (2026) israel.gov

Am Tag der israelischen Parlamentswahl am 27. Oktober 2026 verdichteten sich die Exit Polls zu einem klaren Patt. Weder das Lager von Premierminister Benjamin Netanjahu noch das Oppositionsbündnis um den früheren Generalstabschef Gadi Eisenkot und seine Partei Yashar erreichte nach den ersten Hochrechnungen die 61 Sitze, die für eine stabile Mehrheit in der 120-köpfigen Knesset nötig sind. Netanjahus rechtsreligiöser Block lag bei etwa 50 bis 52 Sitzen, Eisenkots Opposition bei rund 50 bis 53, während die arabischen Parteien auf 16 bis 18 Sitze kamen. Die Wahlbeteiligung stieg auf 77,7 Prozent – der höchste Wert seit mehr als zwei Jahrzehnten. Die amtlichen Ergebnisse standen am Morgen danach noch aus, doch schon die Prognosen ließen eine längere Phase der Koalitionsverhandlungen oder sogar Neuwahlen wahrscheinlich erscheinen.⁠




Während die Stimmen ausgezählt wurden, warf Netanjahu arabischen Parteien, insbesondere Raam, Wahlbetrug vor. Er behauptete, drei hochrangige Vertreter seien im Süden mit Umschlägen voller Bargeld festgenommen worden und hätten versucht, die Wahl zu stehlen. Die Polizei bestätigte Festnahmen und die Beschlagnahmung von Bargeld im Zusammenhang mit mutmaßlichem Stimmenkauf, betonte jedoch, es handele sich um einen lokalisierten Einzelfall ohne Hinweise auf systematische Manipulation oder eine Beteiligung der Parteiführung.

Die Zentrale Wahlkommission stellte klar, es gebe landesweit keine vergleichbaren Vorfälle. Eisenkots Yashar-Partei reagierte mit dem Vorwurf, Netanjahu bereite bewusst den Boden für eine Anfechtung des Ergebnisses vor und schüre Zweifel ohne Belege. Eisenkot selbst wertete die Prognosen als klares Misstrauensvotum gegen Netanjahu und die „Regierung des 7. Oktober“ und kündigte an, unverzüglich daran zu arbeiten, diese Regierung abzulösen und eine neue zionistische Regierung zu bilden – notfalls auch als Minderheitsregierung. Eine Zusammenarbeit mit Netanjahu, auch in Rotation, lehnte er ab.

Die Wahl fiel in eine Zeit, in der Netanjahu international unter schwerem juristischen Druck steht.



Der Internationale Strafgerichtshof hat Haftbefehle gegen ihn und den früheren Verteidigungsminister Yoav Gallant erlassen. Die Anklage wirft ihnen unter anderem vor, im Gazakrieg Verhungern als Methode der Kriegsführung eingesetzt, Angriffe auf die Zivilbevölkerung befohlen oder geduldet und andere Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben. Israel und die USA erkennen die Zuständigkeit des Gerichtshofs nicht an und bezeichnen die Vorwürfe als politisch motiviert und unbegründet. Unabhängig davon dokumentieren Berichte von Hilfsorganisationen, UN-Stellen und Medien hohe zivile Opferzahlen in Gaza seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023, bei dem rund 1.200 Menschen getötet und Geiseln verschleppt wurden. Netanjahu trägt als langjähriger Premierminister und Oberbefehlshaber die politische Verantwortung für die israelische Kriegsführung. Ob und in welchem Umfang daraus eine persönliche strafrechtliche Schuld folgt, ist Gegenstand laufender internationaler und nationaler Auseinandersetzungen und noch nicht gerichtlich abschließend geklärt.

In Israel selbst steht Netanjahu zudem wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht.

Kritiker, darunter Eisenkot, machen ihn und seine Regierung für das Sicherheitsversagen am 7. Oktober und die anschließende Eskalation mitverantwortlich. Die knappe Wahl und die gegenseitigen Betrugsvorwürfe verstärken die Polarisierung in einem Land, das sich seit Jahren in einer tiefen politischen und gesellschaftlichen Krise befindet.

Ob Eisenkot oder ein anderes Bündnis eine tragfähige Alternative aufbauen kann, hängt davon ab, ob die endgültigen Ergebnisse die Exit Polls bestätigen und ob die Oppositionsparteien ihre Differenzen überwinden.


Netanjahu bleibt vorerst als geschäftsführender Regierungschef im Amt – und damit auch im Fokus der internationalen Ermittlungen, die ihn als mutmaßlichen Kriegsverbrecher führen.

Themenverwandte Artikel

Knesset stimmt für die Todesstrafe

the kasaan times

Die Terroristen der Hamas quälen eine israelische Soldatin

the kasaan times

Setzt Israel Phosphor oder chemische Kampfstoffe im Gazastreifen ein?

the kasaan times

Israel: Zustimmung zur befristeten Waffenruhe im Krieg gegen die Hamas

the kasaan times

Eine kurze Geschichte von Eilat

the kasaan times

Ein Jahr nach dem feigen Anschlag der Hamas

the kasaan times

Spurlos verschwunden: Geheimnis um 40 Geiseln mitten in der Gaza-Krise

the kasaan times

Krieg zwischen Iran und Israel nur noch eine Frage der Zeit

the kasaan times

Krokodile als Gefängniswärter in Israel

the kasaan times

Hektische Diplomatie und bevorstehender Angriff auf Israel

the kasaan times

Iran greift mit Marschflugkörpern Israel an

the kasaan times

Blinken- Entmenschlichung der Bevölkerung des Gazastreifens aufgeben

the kasaan times

Hinterlasse einen Kommentar

*