Titelbild: Radione , dram, 2026
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Auf den ersten Blick ist es nur ein altes Holzradio. Auf den zweiten Blick ist es ein Stück österreichischer Industriegeschichte: ein Radione, gebaut Mitte der 1950er Jahre in Wien.
Die Firma hinter dem Namen
Der Markenname Radione ist kein Kunstwort. Er steht für Radio Nikolaus Eltz. Dipl.-Ing. Nikolaus von Eltz und sein Bruder Theodor gründeten die Firma im November 1924 in Wien. Der Name wurde Programm.
Während in Deutschland die großen Namen Grundig, Saba und Telefunken dominierten, gehörte Radione in Österreich neben Kapsch, Minerva, Horny, Ingelen und Eumig zu den beständigen Herstellern. Das Unternehmen begann mit typischen Pultgeräten der 1920er Jahre, baute ab 1928 auch Gleichstrom-Netzgeräte – in Wien war Gleichstrom noch lange verbreitet – und ab 1932 formschöne Superhet-Empfänger in Holzgehäusen.
Berühmt wurde Radione nicht nur im Wohnzimmer, sondern auch im Feld. Die Kofferempfänger-Serien R1 bis R3 aus den 1940er Jahren waren hochwertige, stahlröhrenbestückte Allstromgeräte für Lang-, Mittel- und Kurzwelle, die für alle Netze und sogar Autobatterien ausgelegt waren. Sie wurden auch von der deutschen Wehrmacht eingesetzt.
Ab den 1950er Jahren konzentrierte sich Radione auf die klassischen Wohnzimmer-Superhets. 1977 wurde die Firma mehrfach verkauft und kurz danach aufgelöst.
Das Gerät auf dem Foto: Typisch 1955/56
Das gezeigte Modell entspricht dem Typus, den Radione zwischen 1954 und 1957 als Ballade, Ballade W oder W-Serie verkaufte. Es verkörpert den Übergang von der Nachkriegs-Not zur Wirtschaftswunder-Wohnkultur.
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Technisch handelt es sich um einen 6- bis 7-Kreis-Superhet mit folgender Charakteristik, die für die Baujahre typisch war:
– Wellenbereiche: Langwelle, Mittelwelle, Kurzwelle und UKW
– Röhrenbestückung: Üblicherweise ECC85 als UKW-Vorstufe, ECH81 als Mischer, EBF89 als ZF-Verstärker, EABC80 / EAA91 als Demodulator, EL84 als Endstufe und EM34 oder EM80 als Magisches Auge
– Bedienung: Zwei große Drehknöpfe für Lautstärke und Abstimmung, dazu acht Drucktasten aus Elfenbein-Kunststoff für die Wellenbereiche und Klangregister
– Besonderheiten: Drehbarer Ferritstab für den AM-Empfang, Magisches Auge zur optimalen Senderabstimmung, schweres Holzgehäuse mit akustisch optimiertem Lautsprechertuch
Das Magische Auge war das visuelle Highlight. Eine kleine Elektronenstrahlröhre, die je nach Signalstärke einen grünen Fächer öffnete oder schloss. Für den Hörer von damals war es Präzision, für den Betrachter von heute ist es Faszination.
Warum diese Radios heute wieder gefragt sind
Wegen des Klangs. Röhrenverstärker erzeugen einen warmen, weichen Klang mit natürlichen Obertönen, den viele Hörer als angenehmer empfinden als den harten Klang moderner Digitalverstärker.
Wegen der Bauweise. Es gibt keine integrierten Schaltkreise, keine Wegwerfplatinen. Das Chassis ist aus Stahl, handverdrahtet, jede Röhre und jeder Kondensator ist einzeln tauschbar und damit reparierbar. Ein Gerät, das für Jahrzehnte gebaut wurde.
Wegen der Geschichte. In einer Zeit, in der ein Radio die teuerste Anschaffung im Haushalt war und als zentrales Möbelstück im Wohnzimmer stand, steckte in jedem Detail Wertigkeit. Nussbaumfurnier, Stoffbespannung, schwere Trafos – das war kein Konsumgut, das war ein Statussymbol.
Für Sammler sind gut erhaltene Radione-Modelle aus den Jahren 1955 bis 1957 heute zwischen 150 und 350 Euro wert, je nach Erhaltungszustand, Funktion des Magischen Auges und Originalität der Kondensatoren und Röhren. Entscheidend ist das Typenschild auf der Rückwand, dort finden sich Modellnummer, Seriennummer und oft noch der Vermerk „Ing. Nikolaus Eltz Wien“.
Das Radione ist damit mehr als ein altes Radio. Es ist ein Zeuge einer Zeit, in der Wien noch Radios für die Welt baute.
