Deutschland

Die Landkarte der Generation Deutschland zeigt, was die AfD vermittelt

Titelbild: Wikipedia/
Etappensieg ins Nirgendwo – Die Geschichts-Performance der Generation Deutschland

Man muss es dieser Generation Deutschland lassen: Selbsterkenntnis war noch nie ihre Stärke, dafür Selbstinszenierung umso mehr. Am Tag der Deutschen Einheit, einem Datum, das eigentlich Demut vor der eigenen Geschichte verlangt, postet ein Bundesvorstandsmitglied eine Fantasiekarte, auf der Deutschland vom Elsass bis Rumänien reicht. Großdeutschland als Pinterest-Board.

Luca Maurice Strauf, der sich selbst Helmut nennt – allein das erklärt schon viel – glaubt offenbar, Geopolitik sei ein Strategiespiel für gelangweilte Abiturienten. „Etappensieg auf dem Weg dahin“, schreibt er. Wohin? Nach Wien, nach Straßburg, nach Krakau? Die Antwort bleibt er schuldig, wie immer, wenn es konkret wird. Es ist leicht, Grenzen mit dem Finger auf Google Maps zu verschieben. Es ist schwer, einen geraden Satz zur Rentenpolitik zu formulieren.


Das ist das eigentliche Programm dieser Jugendorganisation: Keine Ideen, keine Zukunft, nur Retro-Kitsch. Man verkleidet sich als das, was man nie war, und nennt das Patriotismus. In Wirklichkeit ist es die billigste Form von Politik – ein provokanter Post, schnell gelöscht, wenn der Gegenwind aus Paris zu stark wird, aber lange genug online, um bei den eigenen Fans Likes abzugreifen.

Und dann das übliche Ritual der Distanzierung. Der eigene Vorstand erklärt, das entspreche nicht dem „Anspruch an Geschichtspolitik“. Welcher Anspruch? Bisher bestand die Geschichtspolitik dieser Truppe darin, Geschichte auf T-Shirt-Größe zu kürzen. Patriotismus brauche keine „Landkarten-Fantasien“, heißt es jetzt. Richtig. Er bräuchte Hirn, Anstand und einen Bezug zur Realität. Drei Dinge, die in dieser Karte nicht vorkamen.


Wer Nachbarländer wie Spielkarten einsammeln will – Luxemburg hier, Belgien dort, ein Stück Schweiz noch dazu – der hat nichts verstanden. Weder von Europa noch von Deutschland. Das ist kein Konservatismus, das ist pubertärer Imperialismus aus dem Kinderzimmer. Und es zeigt, warum diese Generation nichts anderes ist als eine Cosplay-Truppe der 1930er, nur ohne die Konsequenz, dafür mit iPhone.

Man kann nur hoffen, dass die „nächste Sitzung“, in der das „sehr deutlich angesprochen“ werden soll, etwas länger dauert. Vielleicht reicht die Zeit ja, um mal einen Atlas von heute aufzuschlagen.

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