Deutschland

Krankenhausessen macht krank

 

Titelbild: Schnitzel aus Formfleisch, undefinierbare Pampe und halbgare Bratkartoffeln, pik, 2025

In vielen deutschen Krankenhäusern stellt das tägliche Essen für Patienten eine echte Belastung dar, die den Genesungsprozess eher behindert als fördert. Häufig wird das Essen als unappetitlich, fade oder sogar regelrecht widerlich beschrieben – pampige Soßen, verkochte Gemüse, trockenes Brot mit streichunfähiger Butter oder Fertiggerichte, die schon beim Anblick den Appetit verderben und Übelkeit auslösen können.

Studien und Patientenberichte bestätigen, dass die Qualität oft so niedrig ist, dass Mahlzeiten unberührt zurückgehen, was zu einer Verschlechterung des Ernährungszustands führt. Besonders betroffen sind ältere oder schwer kranke Menschen, bei denen Mangelernährung die Wundheilung verzögert, Infekte begünstigt und den Aufenthalt verlängert. Dazu kommt, dass die Portionen in vielen Fällen viel zu knapp bemessen sind.

Pro Tag stehen den Kliniken oft nur 4 bis 6 Euro pro Patient für Verpflegung zur Verfügung, was zu kleinen Mengen führt, die den Energiebedarf kranker Menschen bei weitem nicht decken.

Experten der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Geriatrie warnen, dass viele Patienten Gewicht und Muskelmasse verlieren, obwohl sie eigentlich Kraft tanken müssten – ein Paradoxon in Einrichtungen, die der Heilung dienen sollen.

Der Grund für diese Missstände liegt tief im System.  Krankenhäuser stehen unter enormem Kostendruck durch Fallpauschalen und fehlende Investitionen, was Einsparungen bei der Verpflegung erzwingt. Oft wird auf günstige Cook-and-Chill-Systeme oder Zentralisierung gesetzt, bei denen Essen vorgekocht, abgekühlt und später wieder aufgewärmt wird, was Geschmack und Nährstoffe weiter mindert.

Frisches Obst, Gemüse oder eiweißreiche Kost fehlen häufig, stattdessen dominieren Weißmehlprodukte, Zucker und gesättigte Fette, wie eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2025 zeigt, die sogar ein Gesundheitsrisiko und Umweltschäden durch die Produktion attestiert.

Während Patienten also mit diesem kargen, oft übelkeitserregenden Angebot vorliebnehmen müssen, wirkt der Kontrast zu den Verwaltungen der gesetzlichen Krankenkassen umso schärfer. Diese residieren teilweise in repräsentativen, teuren Gebäuden, die in der Vergangenheit Kritik als übertriebener Luxus provoziert haben – etwa beim Umzug des GKV-Spitzenverbands in ein nobles Palais in Berlin-Mitte, das mit hohen Mieten und Ausstattungskosten verbunden war.

Solche Ausgaben für Büros und Infrastruktur stehen in scharfem Gegensatz zu den knappen Budgets für Patientenverpflegung, die letztlich aus denselben Beiträgen finanziert werden. Ähnlich kritisch wird die Rolle der Berufsgenossenschaften betrachtet, die als Träger der Unfallversicherung Leistungen bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten prüfen und gewähren. Hier gibt es Vorwürfe bürokratischer Hürden, hoher Beiträge für Unternehmen und einer restriktiven Praxis bei der Anerkennung von Ansprüchen, die Versicherte manchmal als ungerecht empfinden. In Kooperation mit Krankenkassen entscheiden diese Institutionen über Rehabilitation, Entschädigungen und Behandlungen, was in der Wahrnehmung mancher zu einer Art Priorisierung oder Rationierung führt – einer sozialrechtlichen Selektion, bei der nicht immer der Bedarf des Einzelnen im Vordergrund steht, sondern finanzielle und administrative Erwägungen. Dieses System der dualen Finanzierung und strengen Prüfungen kann den Eindruck erwecken, dass Ressourcen sparsam verteilt werden, während anderswo weniger gespart wird.Zusammengefasst entsteht ein Bild tiefer Ungleichgewichte im deutschen Gesundheitswesen: Kranke, die auf Unterstützung angewiesen sind, erhalten oft das Minimum an Nährwert und Komfort, während die tragenden Säulen des Systems – Krankenkassen und Berufsgenossenschaften – in stabilen, teils prunkvollen Strukturen agieren und eine strenge Kontrolle über Leistungen ausüben. Eine Reform, die mehr in qualitativ hochwertige Verpflegung und patientenorientierte Entscheidungen investiert, wäre dringend geboten, um den Heilungsprozess wirklich zu unterstützen statt ihn zu behindern.

 

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