Wer Azubis quält, ist kein Ausbilder – er ist das Problem
Nennen wir es beim Namen. Wer in seiner Bäckerei, auf seiner Baustelle oder in seinem Salon einen 16-Jährigen anschreit, schlägt, erniedrigt und als Putzkraft missbraucht, ist kein Meister. Er ist ein Versager mit Gewerbeschein.
Seit Jahren jammern dieselben Betriebe über Fachkräftemangel. „Wir finden keine Leute mehr.“
Kein Wunder.
Wer will denn noch in einen Beruf, in dem „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ als Freibrief für Demütigungen gilt? Wer will sich von einem Chef, der selbst nie etwas anderes gelernt hat als zu brüllen, erklären lassen, dass Überstunden ohne Bezahlung Charakter bilden?
Die Realität in manchen Betrieben: Azubis schrubben Privatautos, tragen Bierkisten für die Betriebsfeier, stehen 10 Stunden in der Küche und werden vor versammelter Mannschaft als „zu dumm“ beschimpft. Und wenn sie sich wehren, heißt es dummerhaftig, die Jugend von heute hält nichts mehr aus.
Falsch. Die Jugend von heute hält es nur nicht mehr aus, sich von Typen ausbeuten zu lassen, die Ausbildung mit Unterwerfung verwechseln.
Und die Kammern schauen viel zu oft weg. Ausbildungsberater, die einmal im Jahr anrufen. Prüfungen, die jeder durchwinkt, solange der Betrieb gebraucht wird. Ein System, das Täter schützt, weil es Angst hat, Ausbildungsplätze zu verlieren. Lieber einen schlechten Betrieb behalten als gar keinen – das ist die Logik. Und sie ist zynisch.
Wer schlägt, wer systematisch erniedrigt, wer Azubis als billige Hilfskräfte verheizt, dem gehört nicht ein Bußgeld. Dem gehört die Ausbildungsberechtigung entzogen. Sofort. Ohne zweites Gespräch. Und der Name gehört auf eine schwarze Liste, damit nicht der nächste 17-Jährige in dieselbe Falle tappt.
Wer das nicht will, wer wirklich ausbilden will, hat nichts zu befürchten. Gute Betriebe haben keine Angst vor Kontrolle. Nur schlechte.
Die Wahrheit ist, nicht die Azubis sind zu empfindlich. Die Betriebe sind zu lange damit durchgekommen.
