Automobil

Schade um den Cadillac DeVille Sedan, Baujahr 1987

Schade drum, war super bequem

Ein vergessener Straßenkreuzer aus Amerika steht irgendwo am Stadtrand – und erzählt eine ganze Geschichte.

Man sieht ihn fast nicht mehr. Zwischen einem VW Golf und einem alten Wohnwagen, halb im Gras versunken, steht er da. Weiß, verdreckt, die Radkappen fehlen, die Chromleisten stumpf. Ein Cadillac. Genauer, ein Cadillac DeVille Sedan, Baujahr so um 1987.

Wer heute nur noch Golf und T-Cross kennt, weiß nicht mehr, was das mal bedeutete. Das war kein Auto, das war ein Wohnzimmer auf Rädern.

5,20 Meter pure Bequemlichkeit

In den USA war der DeVille in den 80ern der Inbegriff des Aufstiegs. Arzt, Anwalt, Colonel auf der Airbase in Ramstein – wer es geschafft hatte, fuhr Cadillac. Der hier ist die sechste Generation, die erste mit Frontantrieb. Unter der langen Haube arbeitete ein 4,1-, später 4,5-Liter-V8, der nicht knurrte, sondern säuselte. 150 PS, die nie gestresst wirkten.



Titelbild: Privat

Das Wichtigste aber war innen, Velourssessel so breit wie ein Sofa, kein Schalthebel in der Mitte, sondern Lenkradschaltung – damit vorne drei Leute Platz hatten. Klimaanlage, die ein Einfamilienhaus kühlen konnte, und ein Fahrwerk, das Schlaglöcher einfach ignorierte. Wer einmal auf diesen Sesseln über die A5 geschwebt ist, weiß, warum ältere Amerikaner sagen: „Once Cadillac, always Cadillac.“

Dieses Exemplar ist die Europa-Version. Man erkennt es an den kleinen orangefarbenen Seitenblinkleuchten und den Zusatz-Bügeln an der Stoßstange, den sogenannten Dagmar-Bumpern. Vermutlich von einem US-Soldaten mitgebracht, dann an einen Liebhaber verkauft, dann irgendwann abgestellt.

Und jetzt steht er da. Moos am Schweller, das weiße Leder innen vermutlich rissig, die berühmten Speichenfelgen hinten noch dran, vorne nur noch Stahlfelgen. Er wartet.

Es gibt Autos, die man verschrottet. Und es gibt Autos, bei denen man denk.
Schade drum. Der war mal super bequem. Und er könnte es wieder sein.


Wer ihn retten will, braucht keine große Werkstatt. Er braucht Zeit, einen Hochdruckreiniger und die Liebe zu einer Zeit, in der Autos noch nicht effizient sein mussten, sondern nur eins, bequem.

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