Flora und Fauna

Angeblicher Auslandstierschutz -Der Speckgürtel der Hundehändler aus Rumänien

Titelbild : Screenshot TikTok Doreen & Henna

„Rettung“ im Akkord: Wie „Satelliten“ im Speckgürtel mit Rumänienhunden deutsche Tierheime ausbluten lassen



Auf Instagram heißt der Account „Doreen & Henna | Tierschutz“. 2.200 Follower, über 28.000 Likes. Jeden Tag neue Posts. Mal ein toter Welpe aus Manavgat in der Türkei mit der Überschrift „EIN WELPE. EIN LEBEN. EINE GRENZE.“ Mal ein Hund namens „Buddy“ mit der Forderung „44.564 MENSCHEN SPRECHEN FÜR BUDDY“. Mal eine Mutterhündin „WANG WANG UND IHRE WELPEN – WIR VERGESSEN EUCH NICHT“. Und immer wieder der gleiche Tenor: „WEGSCHAUEN IST KEINE LÖSUNG.“ „TIERE SIND KEINE WARE.“ „JEDES LEBEN ZÄHLT.“

Was auf den ersten Blick wie engagierter Tierschutz wirkt, ist Teil eines Systems, das in den Speckgürteln der angeblichen Tierschützer seit Jahren wächst und das echte Tierschützer wie Veterinärämter zunehmend alarmiert.
Private „Satelliten“ holen Hunde aus Rumänien, Bulgarien und der Türkei nach Deutschland. Sie verkaufen keine Hunde. Sie verkaufen Geschichten. Und mit den Geschichten die Hunde. Währenddessen stehen deutsche Tierheime vor dem Aus, weil die Zwinger voll sind und die Spenden ausbleiben.
Zudem jeder weiß, dass die importierten Hunde krank und schwer gestört sind.

Die Analyse von drei Monaten Social-Media-Posts des Accounts zeigt ein klares, immer wiederkehrendes Muster.
Es beginnt mit dem Schock. Ein kleiner Welpe, so heißt es in einem Post, „soll zunächst von einem ATV angefahren worden sein. Anschließend soll der Fahrer den verletzten Hund mit einem Stein getötet haben.“ NEUE ENTWICKLUNG, steht darunter in rotem Kasten. Darunter ein Bild eines toten Tieres am Straßenrand, daneben Polizei und ein Transporter mit der Aufschrift „GÖÇ IDARESI“. 417 Menschen haben das Video angeklickt.


Es geht weiter mit Wang. „SIE WAR EINE MUTTER. SIE HATTE 3 WELPEN“, steht da. „Sie hätte fliehen können. Doch sie blieb bei ihren Babys.“ 602 Aufrufe. Und dann Buddy. „EIN KLEINES LEBEN, DAS KAUM BEGONNEN HATTE. Ein Leben voller Vertrauen. Ein Leben. Das grausam beendet wurde.“ Unter dem Bild steht in großen Zahlen: 44.564. „44.564 MENSCHEN SPRECHEN FÜR BUDDY. ABER REICHT DAS? WIR DÜRFEN NICHT AUFHÖREN, BIS TIERQUÄLEREI ENDLICH KONSEQUENZEN HAT!“ 340 Aufrufe, ein QR-Code zur Petition ist abgebildet.

Direkt nach dem Schock kommt die Schuldfrage. „WARUM ICH NICHT SCHWEIGE? Weil ihre Stimmen verstummt sind. Aber ihre Geschichten nicht vergessen werden dürfen. Für alle, die leiden.“ Ein anderes Bild zeigt einen Richterhammer auf einem Aktendeckel mit der Aufschrift „TIERQUÄLEREI“. Dazu die Frage: „WÜRDEST DU ES NOCH TUN, WENN DU WÜSSTEST, DASS DU DAFÜR GERADESTEHEN MUSST?“ Und der Appell: „TIERQUÄLEREI DARF NIEMALS ZUR NEBENSACHE WERDEN. SIE FÜHLEN. SIE LEIDEN. SIE BRAUCHEN GERECHTIGKEIT.“

Und dann kommt die „Lösung“. Sie heißt Petition, Spende oder „retten“. „PETITION UNTERSCHREIBEN! EINE UNTERSCHRIFT KANN LEBEN RETTEN“, steht unter einem Bild mit Straßentiere in der Türkei und der Forderung „STOPPT DAS TÖTEN IN DER TÜRKEI! STRABENTIERE SIND KEIN PROBLEM. SIE SIND LEBEN.“ Für den Fall „Schmotzer“ läuft eine eigene Petition: „ZIEL: 5.000 UNTERSCHRIFTEN. 4.835 VON 5.000 STIMMEN BEREITS GESCHAFFT! NUR NOCH 165 STIMMEN BIS ZUM ZIEL!“

Der wichtigste Beleg für das zweifelhafte Geschäftsmodell findet sich in einem der neuen Screenshots. Ein roter Banner mit der Aufschrift „HILFERUF FÜR HOMELESS DOGS ROMANIA e.V.“. Darunter: „EIN AKTUELLER HILFERUF DES VEREINS MACHT BETROFFEN: RUND 50.000 € SCHULDEN SOLLEN SICH ANGESAMMELT HABEN – LAUT VERÖFFENTLICHTEM NOTRUF VOR ALLEM OFFENE TIERARZTKOSTEN.“ Rechts daneben zwei Hunde, links ein Hund hinter Gittern. Und dann der entscheidende Satz: „WIR GEHÖREN NICHT ZUM VEREIN. WIR TEILEN DIESEN HILFERUF, weil wir nicht wegsehen wollen.“


Genau hier setzen die „Satelliten“ im Speckgürtel an. Das sind keine eingetragenen Vereine mit Satzung und Vorstand. Das sind Privatpersonen mit großer Reichweite in Facebook und WhatsApp, die in Köln, Berlin, Hamburg oder München „Pflegestellen“ betreiben. Wie gesagt, die Tiere sind meistens krank und schwer gestoert. Ihr Hauptargument lautet: „Die deutschen Tierheime sind voll“. Post absurd. Belege dafür finden sich auch auf dem Account: „TIERHEIME MÜSSEN AUFGEBEN… WOHIN SOLLEN DIE TIERE DANN?“ und „TIERHEIME AM LIMIT! SIE LEISTEN JEDEN TAG UNGLAUBLICHES. ABER DIE KOSTEN STEIGEN.“ Ein anderes Bild zeigt einen Hund hinter Gittern mit dem Text „TIERSCHUTZ IST STAATSZIEL. UNTERSTÜTZE JETZT DIE PETITION.“
Eine Petition, um noch mehr eingefangene Tiere nach Deutschland zu bringen?

Die Folge dieser Logik ist fatal. Während auf der einen Seite Geld für „Homeless Dogs Romania e.V.“ gesammelt wird, um die Schulden zu bezahlen, die durch den Import von Hunden entstanden sind, werden auf der anderen Seite jeden Tag neue Hunde aus genau solchen Vereinen nach Deutschland gebracht. Ein Post zeigt stolz: „TIERTRANSPORT GESTOPPT! 8 KATZEN & 3 HUNDE AUS BULGARIEN. TIERE SIND KEINE WARE. WER SIE TRANSPORTIERT, TRÄGT VERANTWORTUNG FÜR IHR LEBEN.“ Was nicht gezeigt wird, sind die zwanzig anderen Transporte, die in derselben Woche ohne Kontrolle ankamen. Die Hunde werden dann mit einer „Schutzgebühr“ von 350 bis 450 Euro auf Parkplätzen oder an Autobahnraststätten übergeben, „weil der Hund so gestresst ist“.

Der Widerspruch zieht sich durch alle Screenshots. Auf der einen Seite wird der Handel angeprangert: „ILLEGALER WELPENHANDEL. HINTER NIEDLICHKEIT VERSTECKT SICH LEID!“ und „HUNDE SIND KEINE WARE.“ Auf der anderen Seite werden auf dem Account Hunde von „BELLAS PFOTENHILFE e.V.“ zur Vermittlung gezeigt. Darunter stehen Namen wie Lotte, Bobbo, Timba. Dazu der Slogan „ADOPTIEREN STATT KAUFEN“. Und während man die 50.000 Euro Schulden eines rumänischen Vereins beklagt, sammelt man gleichzeitig Geld, um weitere Importe zu ermöglichen.



Rechtlich ist die Lage eindeutig. Nach §11 des Tierschutzgesetzes braucht jeder, der gewerbsmäßig Tiere vermittelt, eine Erlaubnis des Veterinäramtes. Bei Einfuhr aus der EU sind EU-Heimtierausweis, Mikrochip und gültige Tollwutimpfung Pflicht. Die Realität im Speckgürtel sieht anders aus. Die Ämter sind überlastet, Kontrollen finden kaum statt. Und die „Satelliten“ argumentieren, sie würden ja nur privat helfen und „retten“.

Kasten: So erkennen Sie einen illegalen „Rumänienhunde-Satelliten“
Anhand der analysierten Posts und Aussagen von Veterinärämtern lassen sich zehn Warnzeichen benennen. Erstens: Der Satz „Wir gehören nicht zum Verein“. Man teilt nur, vermittelt aber selbst. Zweitens: Die Abgabe auf Parkplätzen oder Raststätten „aus Zeitgründen“. Drittens: Es gibt keine §11-Erlaubnis, auf Nachfrage wird ausgewichen. Viertens: Es wird Druck gemacht mit Sätzen wie „Er stirbt morgen“. Fünftens: Es wird nur eine „Schutzgebühr“ von 300 bis 500 Euro in bar verlangt, ohne Quittung. Sechstens: Alle zwei Wochen kommen „neue Notfälle“ im Rudel aus Rumänien. Siebtens: Papiere fehlen oder werden „nachgereicht“. Achtens: Es gibt keine Vorkontrolle und keine Nachkontrolle. Neuntens: Die Posts arbeiten mit extremen Schicksalen wie „STEIN“, „MUTTER MIT 3 WELPEN“ oder „PROZESS“. Und zehntens: Als Argument wird immer wieder genannt, „deutsche Tierheime sind voll“, statt auf das Tierheim vor Ort zu verweisen. Wer so etwas beobachtet, sollte Screenshots, Telefonnummern und Übergabeorte sichern und das zuständige Veterinäramt informieren.


Die Empörung in den Posts ist echt. Das Leid ist echt. „FÜR GERECHTIGKEIT. FÜR ALLE TIERE“, heißt es unter einem Bild von Wang. „JEDES TIER HAT DAS RECHT AUF EIN LEBEN OHNE LEID. SCHAU NICHT WEG. DENN SIE KÖNNEN ES NICHT.“ Aber das System hat einen Konstruktionsfehler. Solange Geschichten, die alleine dem Verkauf dienen, mehr Reichweite bringen als der Satz „Geh ins Tierheim nebenan“, wird sich nichts ändern. Und solange jeder Euro für „Homeless Dogs Romania“ gesammelt wird, statt für das Tierheim fünf Kilometer weiter, bleiben die deutschen Heime voll. Mit den Hunden, für die es keine Instagram-Story gibt.

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