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Trotz Moskauer Drohung: Merz reist mit Wirtschaftsdelegation nach Kiew
KIEW/BERLIN – Mit einer klaren Warnung aus Moskau im Rücken ist Bundeskanzler Friedrich Merz am frühen Samstagmorgen in Kiew eingetroffen. Begleitet wird er von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation.
Nur Stunden vor Merz‘ Abreise hatte das russische Außenministerium ausländische Regierungsvertreter „dringend“ vor Reisen in die Ukraine gewarnt. Man beobachte mit Sorge, dass Warnungen ignoriert würden und „einige Individuen sich bewusst in Lebensgefahr begeben“. Russland werde seine Vergeltungsschläge „im großen Stil fortsetzen“. Ausländer sollten Kiew verlassen und sich nicht in der Nähe militärischer Objekte und Regierungsgebäude aufhalten.
Merz ließ sich nicht beirren. Nach etwa neunstündiger Zugfahrt von Polen aus erreichte er die ukrainische Hauptstadt unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Es ist sein zweiter Besuch seit Amtsantritt. Sein Satz bei der Ankunft:
„Ich bin heute nach Kiew gereist, weil die Ukraine für die kommenden Wochen all unsere Unterstützung braucht. Wenn Russland nicht gestoppt wird, richtet sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns.“
Als Signal an Moskau reist Merz bewusst mit einer großen Delegation. Zur fünfköpfigen Wirtschaftsdelegation gehören Siemens-Energy-Chef Christian Bruch sowie die Geschäftsführer der Rüstungsfirmen Hensoldt und Quantum Systems, Oliver Dörre und Sven Kruck. Hensoldt produziert den für die Flugabwehr wichtigen Lenkflugkörper Iris-T, Quantum Systems liefert Abfangdrohnen gegen russische Jet-Drohnen.
Nach Informationen aus Regierungskreisen will Merz der Ukraine die Lieferung Tausender neuer Abfangdrohnen zusichern sowie eine Milliarde Euro aus bereits bewilligten Haushaltsmitteln für die gemeinsame Produktion weitreichender Waffen freigeben. Weitere 350 Millionen Euro sollen in den Wiederaufbau zerstörter Heizkraftwerke fließen – die Ukraine steht vor dem fünften und nach Einschätzung aller Beobachter härtesten Kriegswinter.
Die Sicherheitslage hat sich massiv verschlechtert. Russland bombardiert gezielt Städte, Wohnhäuser und Energieinfrastruktur. Auch in Kiew selbst nehmen Drohnenangriffe zu.
„Auf unsere Hilfe könnt ihr weiter zählen“, sagte Merz zu den Ukrainern. Und an Moskau gerichtet: Deutschland ist finanziell und militärisch der wichtigste Unterstützer der Ukraine in Europa – trotz wachsender Debatte zu Hause.
Quelle: n-tv, SZ, ZDFheute, 4.10.2026
