Cold Case

Tod des Bier-Königs Manfred Meisel, 1997

Titelbild: Beispielbild Pixabay

Der Bierkönig-Mord – 30 Jahre später sucht Frankfurt wieder Zeugen

Von der Schinkenstraße bis zur Finca bei S’Aranjassa: Warum der Mord an Manfred Meisel und die Theorie von der Papageienmafia wieder aktuell ist

Frankfurt / Palma. Es ist einer der rätselhaftesten Morde mit Frankfurter Wurzeln. In der Nacht zum 12. November 1997 werden auf einer Finca bei S’Aranjassa auf Mallorca drei Menschen erschossen: Der Gastronom Manfred Meisel, 49, geboren 1948 in Erlenbach am Main, lange Jahre Wirt in Frankfurt, sein achtjähriger Sohn Patrick und die Tierpflegerin Claudia Leisten, 30.

Meisel war kein Unbekannter. 1990 hatte er das damals heruntergekommene Lokal „Bierkönig“ an der Platja de Palma übernommen und zum Kulttempel für deutsche Touristen gemacht. Wer einmal an der Schinkenstraße war, kannte den Namen.


Die Tat war professionell. Zwei Schüsse in den Hinterkopf, mit Kissen gedämpft. Keine Spuren, keine Zeugen. Meisels schwangere Lebensgefährtin überlebte nur, weil sie zu einer Untersuchung in Deutschland war. Nach seinem Tod wurden in der Finca rund eine Million Mark in 1000-Mark-Scheinen gefunden.

Fast 30 Jahre später ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt noch immer. In Spanien ist die Tat verjährt, nach deutschem Recht nicht. Mord verjährt nie. Deshalb läuft das Verfahren hier. Am Mittwoch, 7. Oktober, 20.15 Uhr, zeigt das ZDF den Fall in „Aktenzeichen XY International“.
Und mit ihm eine Spur, die viele für eine Legende hielten: Die Papageienmafia.

Auf seiner Finca züchtete Meisel exotische Vögel. Aras, Kakadus, Graupapageien. Damals pro Tier 10.000 bis 30.000 Mark wert, auf dem Schwarzmarkt noch mehr. Über 2000 Tiere sollen es gewesen sein. Interpol stuft heute den illegalen Papageienhandel als Milliardengeschäft ein.

War es Raub? Wollten Täter wertvolle Vögel stehlen? Oder ging es um Konkurrenz, um Schutzgeld, um ein Geschäft, aus dem Meisel aussteigen wollte? Oder suchten sie nach dem Bargeld?

Die Journalisten Marcus Engert und Phil Jahner sind dieser Frage in ihrem Podcast „The Real Bierkönig – Zwischen Schinkenstraße und Papageienmafia“ nachgegangen.

Hinweis aus Hamburg 2016

In diesem Zusammenhang tauchte bereits 2016 ein Hinweis auf, der damals nicht eingeordnet werden konnte. Bei einer Recherche in einer Kneipe in der Trommelstrasse in Hamburg, der “Holstenschwemme”, berichtete ein ernstzunehmender Informant: Er habe gehört, dass krumme Geschäfte mit Vögeln gelaufen seien und jemand vom Hamburger Kiez die Vögel habe haben wollen, die er zuvor bestellt und gekauft hatte. Dafür hätte der Kunde in bar gezahlt.


Die exotischen Vögel wurden damals auf welchem Weg auch immer zur Geldwäsche verwendet und zum Drogenhandel zwischen der Mittelmeerinsel und der norddeutschen Metropole.
Da aber bei den damaligen Reportagearbeiten nicht der Mord an Manfred Meisel im Vordergrund stand, sondern andere Sachverhalte, ging der Hinweis auch sonst unter.

Ob der Hinweis geprüft wurde, ergab sich in den späteren Jahren nicht. Doch war der besagte Informant in Mallorca und in den damaligen Tierhandel verwoben.

Zumindest ist der Hinweis nicht öffentlich bekannt, ob er Gegenstand in der Vorstellung des Falles am 7. Oktober ist, bleibt offen.

Er würde aber zu der von Ermittlern geprüften Theorie passen, wonach die wertvolle Vogelzucht Motiv für die Tat gewesen sein könnte. Ob damit die Tiere selbst oder Erpressung im Umfeld des Handels gemeint war, ist offen. Wohl verkaufte Meisel Vögel, die es nicht gab oder die starben, bevor sie unter der Hand nach Deutschland verkauft oder verbracht worden waren. Darunter war auch das Gelege bestimmter Vögel.

Eine Bestätigung durch die Ermittlungsbehörden gibt es dafür nicht.
Eine Hamburger Spur ist offiziell nicht aktenkundig. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt prüft nach wie vor alle Richtungen, darunter Verbindungen zur organisierten Kriminalität und Schutzgelderpressung rund um den Ballermann.



Der Bierkönig selbst existiert noch. Umgebaut, verglast, mit Videoleinwand. Die Finca bei S’Aranjassa ist längst verkauft. Nur die Frage bleibt: Wer hat Manfred Meisel getötet – und warum musste ein achtjähriges Kind sterben?

Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle oder die Staatsanwaltschaft Frankfurt entgegen.

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