Titelbild: Bundesarchiv, Lizenz 3.0Am 5. Juli 1951 ereignete sich auf der Spree in Berlin-Treptow eines der schwersten Schiffsunglücke in der Geschichte der Berliner und DDR-Binnenschifffahrt. Das Motorschiff „Heimatland“, ein Binnenfahrgastschiff, das 1905 auf der Werft Larsen & Hanne in Berlin gebaut worden war, sollte an diesem Tag im Rahmen der staatlich organisierten Ferienspiele der DDR einen Ausflug mit rund 127 Passagieren – vor allem Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren aus dem Prenzlauer Berg sowie einigen Betreuerinnen – von Alt-Treptow nach Hessenwinkel (Rahnsdorf) unternehmen.
Das Schiff hatte gerade erst den Treptower Hafen verlassen und war nur etwa 300 Meter stromaufwärts der Eisenbahnbrücke gefahren, als es zu einer verheerenden Katastrophe kam. Der Benzinmotor explodierte aufgrund eines Vergaserdefekts. Die Explosion setzte das gesamte Schiff sofort in Brand. Viele der Kinder saßen im Unterdeck, wo sie keine Chance hatten, rechtzeitig zu entkommen. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus, und das Schiff geriet in Panik.
Trotz sofortiger Rettungsmaßnahmen – unter anderem durch das nahe vorbeifahrende Fahrgastschiff „Elfriede“ unter Kapitän Bernhard Langwaldt, der entgegen bestehender Vorschriften Kurs auf die brennende „Heimatland“ nahm, sowie durch Freiwillige und Arbeiter von einer nahen Baustelle – starben bei dem Unglück mindestens 30 Menschen, darunter 28 Kinder und zwei Mütter als Betreuerinnen. West-Berliner Schätzungen gehen sogar von bis zu 49 Opfern aus. Über 60 Personen wurden teilweise schwer verletzt. Viele der im Unterdeck eingeschlossenen Kinder verbrannten oder ertranken.
Der Schiffsführer und Eigner Erich Weise wurde kurz nach dem Unglück festgenommen und später zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Es gab Hinweise, dass technische Mängel am Schiff bereits bekannt gewesen sein könnten und dass es am Vortag bereits Beschwerden von Kindern über Benzingestank gegeben hatte. Dennoch wurde das Schiff für den Ausflug eingesetzt. Die genaue Opferzahl blieb in der DDR-Zeit umstritten und wurde offiziell auf 30 beziffert, was auch auf Gedenktafeln und dem später errichteten Gedenkstein im Treptower Hafen festgehalten wurde. Nicht alle Opfer wurden im Gemeinschaftsgrab auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde beigesetzt.
Das Unglück der „Heimatland“ gilt bis heute als das schwerste in der Berliner Fahrgastschifffahrt. Es hinterließ tiefe Trauer in den betroffenen Familien und der gesamten Stadt. Heute erinnert ein Gedenkstein am Treptower Hafen an die Opfer. Zeitzeugen wie die Überlebende Rosemarie Bank, die damals zehn Jahre alt war und ihren Bruder bei dem Unglück verlor, berichten noch Jahrzehnte später von den schrecklichen Erlebnissen jenes Sommertages, an dem ein fröhlicher Ferienausflug in eine furchtbare Tragödie umschlug.
Die Katastrophe warf auch Fragen zur Verantwortung der Behörden und zur Sicherheit der Binnenschifffahrt in der jungen DDR auf, die jedoch nie vollständig aufgeklärt wurden. Sie bleibt ein dunkles Kapitel der Berliner Nachkriegsgeschichte.
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