Cold Case

Vermisst seit 2014-Jutta Schulz

Titelbild: Jutta Schulz/Polizei Magdeburg

Jutta Schulz aus Thale im Harz ist seit April 2014 spurlos verschwunden.

Die damals 53-jährige Frau hat an einem Frühlingstag im April 2014 ihr gewohntes Leben in der kleinen Harzstadt plötzlich hinter sich gelassen und wurde seither nicht mehr gesehen. Bis heute gibt es keine gesicherten Lebenszeichen von ihr – keine Kontobewegungen, keine Abhebungen ausstehenden Lohns, keine Nutzung ihrer Handys und keine zuverlässigen Zeugenaussagen, die ihren Aufenthaltsort nach dem 7. April 2014 bestätigen könnten. Der Fall gilt als einer der rätselhaftesten Vermisstenfälle in Sachsen-Anhalt und wird von der Polizei weiterhin als Cold Case intensiv bearbeitet.


Jutta Schulz lebte in Thale zusammen mit ihrem Lebensgefährten Klaus K. und ihrem geliebten Rottweiler-Hund Arno. Sie betrieb einen Antiquitätenladen in der Stadt und verdiente damit ihren Lebensunterhalt. In den Monaten vor ihrem Verschwinden arbeitete sie jedoch regelmäßig für mehrere Wochen als Bardame in einem Kölner Laufhaus namens „Das Bordell“. Dort ging sie einer geregelten Tätigkeit nach und hatte offenbar auch private Kontakte geknüpft. Ein Zugticket, das sie bereits im Voraus für den 1. Mai 2014 nach Köln gekauft hatte, zeigt, dass sie eigentlich dorthin zurückkehren wollte. Stattdessen erschien sie nie zur Arbeit, woraufhin ihre Arbeitskolleginnen sie schließlich als vermisst meldeten.



Kurz vor ihrem Verschwinden kam es laut Aussagen ihres Partners zu einem Streit. Nachbarn sahen sie mit dem Fahrrad wegfahren. Sie soll in der Nacht darauf in ihrem Antiquitätenladen auf einem Sofa geschlafen haben und am nächsten Morgen zurückgekehrt sein, um einige Kleidungsstücke und Hygieneartikel einzupacken. Ihren Hund, die beiden Handys, persönliche Unterlagen und das Zugticket ließ sie jedoch zurück. Ihr Partner berichtete später, dass solche Trennungen in der Vergangenheit schon vorgekommen seien, sie aber immer wieder zurückgekehrt sei. Deshalb habe er sich zunächst keine großen Sorgen gemacht und keine Vermisstenanzeige erstattet.

Die Polizei geht verschiedenen Spuren nach. Eine davon führt ins Kölner Rotlichtmilieu, wo Jutta Schulz gearbeitet hat. Es gibt Hinweise darauf, dass sie eine Beziehung zu einem bislang unbekannten Mann unterhalten haben könnte, möglicherweise mit dem Vornamen „Knut“ oder „Kurt“, der aus dem Raum Düsseldorf stammen und sich beruflich öfter in Köln aufgehalten haben soll. Die Ermittler suchen gezielt nach Zeugen, die Jutta Schulz nach dem 7. April 2014 gesehen haben oder etwas über diesen Mann wissen. Sie reiste immer mit der Regionalbahn von Thale nach Magdeburg und von dort mit dem Intercity weiter nach Köln.

Jutta Schulz wurde zum Zeitpunkt ihres Verschwindens als etwa 1,60 Meter groß, sehr schlank, mit rotbraun gefärbtem, gelocktem Haar beschrieben. Sie legte großen Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild und fuhr gerne Fahrrad. Besondere Merkmale sind zwei Tattoos: eine Abbildung des altägyptischen Sonnengottes Re auf der rechten Bauchseite und das „Auge des Horus“ auf dem linken Schulterblatt.


In Thale selbst ranken sich seit Jahren zahlreiche Gerüchte um den Fall. Viele Einwohner vermuteten lange Zeit, dass ihr damaliger Lebensgefährte Klaus K. etwas mit dem Verschwinden zu tun haben könnte. Es wurde von häuslicher Gewalt, einem möglichen Mord und sogar von zerstückelten Überresten gesprochen. Die Polizei hat diese Gerüchte jedoch stets zurückgewiesen und betont, dass es keinerlei konkrete Anhaltspunkte für eine Straftat durch ihn gibt. Ermittlungen, darunter auch der Einsatz eines Leichenspürhundes auf seinem Grundstück, haben nichts ergeben. Journalisten, die den Fall für Reportagen wie „Verschwunden im Harz“ (NDR) untersucht haben, beschrieben, wie mächtig solche Gerüchte in einer Kleinstadt sein können und wie sie die eigentliche Ermittlungsarbeit erschweren. Klaus K. selbst hat die Vorwürfe immer bestritten und in Interviews betont, dass Jutta Schulz offenbar ein neues Leben beginnen wollte.

Möglichkeiten, die die Polizei und Medien in Betracht ziehen, reichen von einem freiwilligen Untertauchen über einen Unfall bis hin zu einem Verbrechen. Jutta Schulz soll von einem besseren Leben geträumt haben, inspirierte sich an Filmen wie „Eat Pray Love“ und hatte offenbar den Wunsch, sich zu trennen und neu anzufangen. Dennoch bleibt ihr plötzliches und komplettes Verschwinden ohne jegliche Spur hochgradig ungewöhnlich. Bis heute, mehr als zwölf Jahre später, hofft die Polizei auf neue Hinweise, insbesondere aus dem Umfeld in Köln oder von Personen, die den erwähnten Mann kennen.

Der Fall Jutta Schulz zeigt eindrücklich, wie schwer es sein kann, das Schicksal eines Menschen zu klären, der scheinbar spurlos von der Bildfläche verschwindet. Die Polizeiinspektion Magdeburg bittet weiterhin dringend um sachdienliche Hinweise unter der Telefonnummer +493915461422 oder bei jeder anderen Polizeidienststelle. Jeder noch so kleine Hinweis könnte endlich Klarheit bringen, was mit der Frau aus Thale geschehen ist.

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