Israel

Botschafter Seibert wird von Außenminister Gideon Sa’ar

Titelbild: Publico, Seibert,2012
Der deutsche Botschafter in Israel, Steffen Seibert, ist in den letzten Tagen von der israelischen Regierung, insbesondere von Außenminister Gideon Sa’ar, scharf und öffentlich attackiert worden – ein ungewöhnlich harter und persönlicher Disput, der sich vor allem über die Plattform X (ehemals Twitter) abgespielt hat und kurz vor dem Ende von Seiberts Amtszeit im Sommer 2026 stattfindet. Auslöser war ein Beitrag Seiberts vom 22. März 2026, in dem er ein „gewaltgeprägtes Wochenende“ in Israel beschrieb: Er drückte Trauer über israelische Opfer aus, darunter Tote und Verletzte durch Hisbollah-Angriffe im Norden sowie iranische Raketenangriffe (unter anderem in Arad und Dimona), und erwähnte parallel dazu gewalttätige Ausschreitungen israelischer Siedler im Westjordanland nach dem Tod eines Siedlers – dessen genaue Umstände noch untersucht würden und bei dem es sich nach israelischen Polizeiangaben um einen Autounfall handeln könnte, nicht um einen palästinensischen Angriff.

Sa’ar reagierte prompt und extrem scharf auf diesen Post: Er warf Seibert vor, es falle ihm „sehr schwer, Angriffe gegen Israelis zu verurteilen, ohne die Palästinenser zu erwähnen“. Er sprach von einer „Besessenheit“ (obsession) Seiberts mit Juden, die in Judäa und Samaria (also im Westjordanland) leben, die es ihm unmöglich mache, sogar den Tod eines Juden durch einen Palästinenser klar zu verurteilen. Sa’ar ging so weit, den scheidenden Botschafter persönlich abzuwerten und zu erklären, es sei „gut zu wissen, dass bald ein neuer Botschafter komme – einer, der die israelisch-deutschen Beziehungen stärken wird“. Damit spielte er direkt auf den designierten Nachfolger Alexander Graf Lambsdorff an, der derzeit deutscher Botschafter in Moskau ist und als pro-israelisch und liberal gilt.

Der Ton Sa’ars war ungewöhnlich aggressiv und emotional – er nutzte Begriffe wie „Fixierung“ und „Besessenheit“, die in diplomatischen Kreisen als hochgradig beleidigend empfunden werden. In israelischen Medien wie Times of Israel, Jerusalem Post, Haaretz und Jüdischer Allgemeiner wurde der Vorfall als „scharfer Disput“, „öffentliche Abrechnung“ oder „Eklat“ beschrieben. Deutsche Blätter wie Spiegel und Welt berichteten ebenfalls prominent darüber und hoben hervor, dass Seibert – der seit 2022 im Amt ist, Hebräisch gelernt hat und sich oft mit Israel solidarisch zeigt – kurz vor seinem Abschied (er geht in den Ruhestand) noch einmal massiv unter Beschuss gerät.

Seibert selbst hat auf Sa’ars Angriff reagiert, indem er betonte, er habe wiederholt willkürliche Angriffe Irans auf israelische Zivilisten und den „kriminellen“ Einsatz solcher Mittel verurteilt – er halte an einer ausgewogenen Darstellung fest, ohne israelische Opfer zu relativieren. Dennoch hat der Vorfall Spannungen sichtbar gemacht: Kritiker Seiberts (vor allem aus rechtsnationalen israelischen Kreisen) werfen ihm seit Längerem vor, zu sehr auf Siedlergewalt zu fokussieren und palästinensische Narrative zu übernehmen, während Unterstützer ihn als echten Freund Israels verteidigen, der das Land gut kennt und unterstützt. Der Streit unterstreicht die Sensibilität des Themas Siedlergewalt im Westjordanland inmitten des laufenden Mehrfrontenkriegs Israels gegen Iran, Hisbollah und andere Akteure – und zeigt, wie persönlich und polarisierend Diplomatie in dieser Phase werden kann, besonders wenn ein Botschafter kurz vor dem Abgang steht.

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