Cybercrime Der Darknetreporter

Operation Alice stellt 373000 Darknet-Domains ab

Titelbild: BLKA

Operation Alice stellt einen der spektakulärsten Schläge gegen kriminelle Strukturen im Darknet dar, die die internationale Strafverfolgung je verzeichnet hat. Alles begann bereits Mitte 2021, als Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamts (BLKA) und der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg auf eine einzelne Darknet-Plattform mit dem Namen „Alice with Violence CP“ stießen.

Auf dieser Seite wurden in betrügerischer Absicht vor allem kinderpornografische Inhalte – also Abbildungen schwerster sexualisierter Gewalt gegen Kinder – gegen Bezahlung in Bitcoin angeboten. Wer zahlte, erhielt jedoch nie die versprochenen Dateien, sondern wurde systematisch abgezockt.

Was zunächst wie die Untersuchung einer einzelnen betrügerischen Onion-Seite aussah, entwickelte sich über mehr als vier Jahre intensiver Ermittlungsarbeit zu einem riesigen Netzwerk.  Die Täter hatten eine ausgeklügelte Methode entwickelt.

Sie klonten ihre Fake-Shops tausendfach unter immer neuen Namen und Adressen, um möglichst viele Opfer anzulocken und abzuzocken. Die kinderpornografischen Inhalte dienten dabei ausschließlich als Köder – ein besonders perfides und zynisches Geschäftsmodell, das die hohe kriminelle Energie und die erschreckend große Nachfrage nach solchem Material offenlegt.

Mit Unterstützung von Experten für Komplexitätsforschung aus Wien gelang es den Ermittlern schließlich, das gesamte Netzwerk zu durchleuchten. Mithilfe spezieller Software konnten Verbindungen über gemeinsame Bitcoin-Adressen und andere technische Spuren nachgewiesen werden.

Am Ende stand die Erkenntnis, dass ein einziger Hauptverantwortlicher hinter fast allen diesen Plattformen steckte.  Ein 35-jähriger chinesischer Staatsbürger mit Wohnsitz in der Volksrepublik China. Gegen ihn liegt inzwischen ein internationaler Haftbefehl vor.

Zwischen dem 9. und 19. März 2026 lief dann die eigentliche internationale Durchschlagsphase unter dem Namen Operation Alice, koordiniert von Europol und mit Beteiligung von 23 Ländern auf fünf Kontinenten – darunter neben Deutschland auch die USA, Kanada, Australien, Spanien, Österreich und viele weitere. In dieser zehntägigen konzertierten Aktion wurden mehr als 373.000 Darknet-Domains (.onion-Adressen) abgeschaltet und mit Warnhinweisen versehen, was nach Einschätzung der Behörden etwa zwei Drittel aller zu diesem Zeitpunkt aktiven kriminellen Darknet-Seiten ausmachen dürfte.

Weltweit laufen derzeit Ermittlungen gegen etwa 600 Personen, die zwischen Februar 2020 und Juli 2025 auf diesen Plattformen gezahlt haben. Rund 440 von ihnen konnten bereits identifiziert werden. In Deutschland selbst kam es zu 14 Durchsuchungen in neun Bundesländern, wobei sich die Maßnahmen gegen 14 Tatverdächtige richteten. In anderen Ländern – etwa Österreich oder der Schweiz – wurden ebenfalls Festnahmen und Hausdurchsuchungen durchgeführt.

Die Operation zeigt auf schockierende Weise, wie groß die Nachfrage nach kinderpornografischem Material tatsächlich ist und wie skrupellos Täter diese Nachfrage ausnutzen, um Betrug in großem Stil zu betreiben. Gleichzeitig gilt Operation Alice als Meilenstein im Kampf gegen Darknet-Kriminalität. Noch nie zuvor wurden in einem einzigen Verfahren so viele illegale Seiten auf einmal vom Netz genommen.

Der Erfolg war nur durch jahrelange, akribische Vorermittlungen, internationale Zusammenarbeit zwischen Polizei, Justiz, Europol und Wissenschaft sowie den Einsatz modernster Analysemethoden möglich. Bayerns Justizminister Georg Eisenreich nannte es einen „bedeutenden Ermittlungserfolg“, der einmal mehr unterstreicht, dass der Kampf gegen Cybercrime und insbesondere gegen den Handel mit Missbrauchsdarstellungen nur im Team über Ländergrenzen hinweg gewonnen werden kann.

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