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Yoon zu lebenslanger Haft verurteilt

Titelbild:Yoon Suk-yeol, Büro des Präsidenten, 2022

Am 19. Februar 2026 hat das Seoul Central District Court den ehemaligen südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk Yeol zu lebenslanger Haft verurteilt.

Das Gericht sprach ihn in dem seit langem mit Spannung erwarteten Prozess schuldig, als Anführer eines Aufstands (innere Unruhen / 내란 우두머리) gehandelt zu haben. Der Urteilsspruch markiert den vorläufigen Höhepunkt der schwersten politischen Krise in der demokratischen Geschichte Südkoreas seit Jahrzehnten und macht Yoon zum ersten direkt gewählten Staatsoberhaupt des Landes, das eine derart harte Freiheitsstrafe erhält.

Auslöser war Yoons plötzliche und kurzlebige Verhängung des Kriegsrechts (martial law / 비상계엄) in der Nacht zum 3. Dezember 2024. In einer Fernsehansprache hatte er damals unter anderem die angebliche „anti-staatliche Aktivitäten“ der Opposition und die Lähmung der Regierungsarbeit durch das Parlament als Begründung angeführt und angekündigt, die Nationalversammlung vorübergehend außer Kraft zu setzen sowie bestimmte politische Rechte auszusetzen.

Soldaten wurden mobilisiert, um das Parlamentsgebäude abzuriegeln, und es gab Versuche, Abgeordnete festzusetzen. Bereits nach wenigen Stunden musste Yoon die Maßnahme jedoch zurücknehmen, nachdem Parlamentarier trotz der Blockade zusammengetreten waren, das Dekret mit großer Mehrheit aufhoben und Massenproteste das Land erschütterten.



Nur wenige Tage später leitete die Nationalversammlung ein Impeachment-Verfahren ein, das im Dezember 2024 erfolgreich durchging und Yoon vorläufig von seinen Amtsgeschäften suspendierte. Das Verfassungsgericht bestätigte die Amtsenthebung später endgültig im Frühjahr 2025, woraufhin Neuwahlen stattfanden. Parallel dazu begannen mehrere Strafverfahren gegen den Ex-Präsidenten. Bereits in früheren Teilurteilen hatte er Haftstrafen von mehreren Jahren wegen Amtsmissbrauchs, Behinderung der Justiz und Urkundenfälschung erhalten. Der zentrale und schwerwiegendste Anklagepunkt – die Führung eines Aufstands – wurde jedoch erst jetzt in erster Instanz entschieden.

Die Staatsanwaltschaft hatte in diesem Hauptverfahren die Todesstrafe gefordert und argumentiert, Yoon habe bewusst versucht, die verfassungsmäßige Ordnung gewaltsam umzustürzen und die Demokratie abzuschaffen. Das Gericht unter Vorsitz von Richter Ji Gwi-yeon folgte dieser Forderung jedoch nicht. In der Urteilsbegründung hieß es, Yoon trage als „Anführer des Aufstands“ die Hauptverantwortung, habe keinerlei echte Reue gezeigt, sei mehrfach nicht zur Verhandlung erschienen und habe massive gesellschaftliche Schäden verursacht. Gleichzeitig berücksichtigte das Gericht mildernd, dass der Plan nicht besonders ausgefeilt gewesen sei, keine nennenswerte physische Gewalt angewendet wurde und es zu keinen Todesopfern kam. Aus diesen Gründen verhängte es statt der Todesstrafe lebenslange Freiheitsstrafe (무기징역), die in Südkorea in der Regel mit Zwangsarbeit verbunden ist.

Mitangeklagte hochrangige Mitstreiter erhielten ebenfalls lange Haftstrafen: Der ehemalige Verteidigungsminister Kim Yong-hyun wurde zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er maßgeblich an der Vorbereitung des Kriegsrechts beteiligt gewesen sei. Andere Beteiligte wie der frühere Innenminister oder der Ex-Premierminister waren in separaten Verfahren bereits zu mehrjährigen bis langen Freiheitsstrafen verurteilt worden.

Yoon kann gegen das Urteil Berufung einlegen, was Experten als sehr wahrscheinlich ansehen. Bis ein rechtskräftiges Endurteil vorliegt, bleibt er in Haft. Das Verfahren hat die südkoreanische Gesellschaft tief gespalten

 Während die einen das Urteil als notwendige Verteidigung der Demokratie feiern, sehen Anhänger Yoons darin politische Rache der liberalen Kräfte. International wurde der Schuldspruch von Medien wie BBC, CNN, New York Times und AP als historischer Moment gewertet, der ein Kapitel der schweren Verfassungskrise von 2024/25 vorerst abschließt – allerdings mit offenem Ausgang, solange Berufungsverfahren laufen. Südkorea hat seit 1997 einen faktischen Hinrichtungsmoratorium, weshalb selbst eine Todesstrafe in der Praxis lebenslange Haft bedeutet hätte; das heutige Urteil bestätigt diesen Kurs.

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