Titelbild: Manfred Krug 1971, Katscherowski, Lizenz 3.0
„Auf Achse“ ist eine der bekanntesten und langlebigsten deutschen Fernsehserien, die von 1978 bis 1996 lief und insgesamt 86 Episoden in sieben Staffeln umfasst. Im Mittelpunkt steht der Lkw-Fahrer Franz Meersdonk, verkörpert von Manfred Krug, der als raubeiniger, aber herzensguter und extrem pflichtbewusster Trucker die Zuschauer über viele Jahre begleitet hat.
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Die Serie beginnt in den späten 1970er Jahren, als Meersdonk für die Münchner Spedition Mittermann arbeitet und vor allem die anspruchsvolle Fernroute von Deutschland nach Iran(Teheran) fährt. Die Spediteurin gerät unter Zeitdruck, weil sie einen wichtigen Auftrag nach Teheran hat, aber kaum noch Fahrer zur Verfügung stehen. Meersdonk, der als einziger übrig bleibt, nimmt den Job an – allerdings nicht allein. Er überredet den ehemaligen Rennfahrer Günther Willers, gespielt von Rüdiger Kirschstein, der gerade ohne Job dasteht und von einer Rennkarriere träumt, mit ihm als Beifahrer und Co-Fahrer loszufahren. Aus diesem Duo entsteht die klassische Paarung der ersten Staffeln: der bodenständige, sturköpfige, aber verlässliche Meersdonk und der hitzköpfige, risikofreudige Willers.
Schon die erste große Fahrt nach Teheran verläuft alles andere als glatt. Es kommt zu Verwechslungen mit gestohlenen Lkws, Probleme mit Anhaltern, technische Pannen und brenzlige Situationen an Grenzen – doch am Ende schaffen sie es trotz aller Widrigkeiten, die Fracht termingerecht abzuliefern. Genau dieses Muster prägt die gesamte Serie. Die beiden, später mit wechselnden, Fahrer übernehmen Terminfracht in aller Herren Länder, müssen unter Zeitdruck stehen, geraten in Abenteuer und meistern schließlich doch alles mit viel Improvisation, handwerklichem Geschick und einer ordentlichen Portion Sturheit.![]()
Im Verlauf der Staffeln ändert sich einiges. Meersdonk und Willers fahren nicht nur in den Nahen Osten, sondern auch nach Afrika (Namibia, Südafrika), Osteuropa (Ungarn, Polen), Skandinavien (Finnland), Südostasien (Thailand), Südamerika (Chile, Mexiko, Argentinien) und viele andere Regionen. Eine ganze Staffel spielt ausschließlich in der Türkei. Die Serie zeigt dabei nicht nur spektakuläre Landschaften und exotische Schauplätze, sondern vor allem den harten Alltag der Fernfahrer. Lange Nächte am Steuer, Sprachprobleme, korrupte Beamte an Grenzübergängen, windige Geschäftemacher, Schmuggler, Diebe, technische Defekte, kaputte Achsen, Reifenplatzer und immer wieder Menschen, die besser nicht in die Kabine gestiegen wären.
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Später trennen sich die Wege von Meersdonk und Willers. Meersdonk fährt mit wechselnden Partnern wie Max Kottan, Sigi von Hofmeister oder Theo Pölsterli weiter und macht sich irgendwann sogar selbstständig als Spediteur. Doch das Grundprinzip bleibt harte Arbeit, Kameradschaft auf der Straße, der Kampf gegen Zeitdruck und Widrigkeiten sowie die Mischung aus Realismus und Abenteuer.
Manfred Krug prägt die Serie wie kaum ein anderer Darsteller. Sein Franz Meersdonk ist kein klassischer Held, sondern ein grantiger, manchmal cholerischer, aber immer ehrlicher und geradliniger Typ – ein echter „Brummifahrer“ mit Berliner Schnauze, trotz bayerischer Spedition, der flucht, schimpft, hilft, wo er kann, und nie aufgibt. Krug brachte seine eigene Authentizität und Lebenserfahrung ein, was der Figur eine enorme Glaubwürdigkeit verleiht und „Auf Achse“ zu einem echten Kult machte.
Die Serie lebt weniger von ausgefeilten Kriminalfällen als vom echten Trucker-Alltag, von kleinen Gesten, markigen Sprüchen, dem Dröhnen der Motoren, dem Staub der Straßen und der Freiheit und dem Stress des Lebens „auf Achse“. Sie war vor allem beim männlichen Publikum ein Riesenerfolg und gilt bis heute als eine der realistischsten und unterhaltsamsten Darstellungen des Fernfahrerlebens im deutschen Fernsehen.
