Völlig die Kontrolle verloren - der Cyberbunker von Traben-Trarbach (1)
Cybercrime

Völlig die Kontrolle verloren – der Cyberbunker von Traben-Trarbach (1)

Geschichten aus dem digitalen Untergrund

Ungeheure Anklage 

Johan X. ist die unbestrittene Hauptfigur in einem der größten Prozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Am Bunker in Traben-Trarbach, in den idyllischen Weinbergen eingebettet, hält der verblichene Bert an der Pforte noch da Wacht, wo die NATO einst den Feind stoppen wollte. Ob in der Sesamstraße mit Koks gedealt wurde, ist irreal, aber die Kinderpuppe wirkt wie ein Teil eines zynischen Geschäfts. Fast nichts weist auf den „Bunker des Satans“ hin, außer das Namensschild an dem metallenen Briefkasten vor der Anlage, auf dem Johan X. noch steht. Niemand will X. zu einem Superschurken machen, wie sein Anwalt trotzig auf die verlesene Anklage hin behauptete, aber was ist mit den Kinderpornos, mit den Mordaufträgen, dem Falschgeld, den Menschenschleusungen etc.? X. hat sicherlich gut verdient. 

Hätte Bert geahnt, dass nur ein paar Meter weiter auf den Servern Daten lagerten, die Kinder zeigten, während sie vergewaltigt wurden, oder hier und da mal gegen ein paar Euro die Gegner der Darknetshops halb tot geprügelt wurden, wenn es sein musste auch mehrfach, er wäre schreiend weggelaufen. Aber darüber sagt das Verfahren  2a KLs 5 Js 30/15  vor dem Landgericht in Trier bisher nichts aus. Der Redaktion liegen Unterlagen eines sogenannten Hitman’s vor, der eigenen Angeboten nach, über X. die Ermordung, Verkrüppelung, Vergewaltigung und brutalste Attaken an ausgemachten Opfern für ein paar tausend Euros anbot.

X. verstand sich als nichts wissender Verwalter von Technik.

Aus der Anklageschrift wurde bekannt, dass der Clan um den niederländischen Betreiber der ehemaligen NATO Bunkeranlage durchaus wusste, was über seine Server lief. 249.000 einzelne Taten. X. hat eine schwache Position, wenn es um die Rechtfertigung dessen geht, was Menschen möglicherweise das Leben kostete, Drogenhandel und Kinderpornografie.

Er war der Star der Szene und wusste exakt, was er tat. Schließlich konnten die Strategen der Bunker-Hoster auch an der Pforte in bar kassieren. Was wohl auch häufiger geschehen sein soll. 

Held einer ganzen Darknet-Klasse

X. war einer der unumstrittensten Helden des Darknet Drogenhandels, seit Jahren wurde er als der Mann der Stunde gefeiert. Er selbst hatte in den Niederlanden vor Jahren eine Plantage Canabis in einem stillgelegten NATO Bunker bei einem Brand verloren. Damals nach dem gleichen Strickmuster. Sein Name hatte sich in dem letzten Winkel Lateinamerikas herumgesprochen, wenn es darum ging, Kokain in Europa über ein ausgeklügeltes Netz von Kurieren abzusetzen. 

Mordaufträge waren ein gutes Geschäft, ein im Zusammenhang mit dem beschaulichen Mosel-Örtchen Traben-Trarbach böses Wort, das durchaus veranschaulichte, was über das Darknet von X. alles so betrieben wurde.

Traben-Trarbach, kasaan media, 2020

Geldwäsche à la carte

Doch war dem so. Spätestens als die Geldwäscher auf seine Rechner Zugriff nahmen, hätte X. aufgeben müssen. Zehntausende Geschenkkarten von Amazon liefen über die verzahnten Wege des Internets, die sich die Gangster aus aller Welt besorgten, um ihre Gewinne über den Hoster gleich zu waschen. Sie wurden in digitale Währung umgetauscht, ohne dass irgendjemand den Abfluss kontrollieren konnte. 

Dass X. sich jetzt als Sündenbock sieht, der für alle Untaten geradestehen muss, ist verständlich. Er bot allerdings der Mafia, den Dealern und den Mördern die Plattform für ihre miesen Geschäfte. 

Hehler konnten sich z.B. unmittelbar nach dem Einbruch in die Verkaufsplattformen einloggen und dann, bevor es bemerkt wurde, das Diebesgut absetzen. Es gibt hunderte derlei Beispiele.

Der ganz große Knall steht unmittelbar bevor

Nach zahlreichen Busts, wie WSM und der Bunkeranlage in Traben-Trarbach, steht scheinbar ein ganz großer Knall für die Darknetbetreiber bevor. Auch wenn die Szene noch den zweiten Cyberbunker, eine Sicherung der ersten Höhle in Traben-Trarbach feiert, gegen den illegalen Teil des Darknets und deren Betreiber gelang der größte Schlag. 

Screenshot: Kokakuchen, später war das gleiche Bild bei Telegram, kasaan media, 2020

Die Spur führt nach Santa Cruz- „Weihnachtsmann“ sandte Koks auf Südroute

Dafür mehren sich die Zeichen. So wurde von der französischen Polizei bekannt gegeben, dass seit Wochen an der Atlantikküste Kokainpakete angeschwemmt werden. Eine Fracht, die mutmaßlich an die Großhändler gehen sollte, die kleinere Mengen dann per Post für die Untergrundmärkte versenden sollten.  Wieder ist es von der Südroute (Lateinamerika, Westafrika, Teneriffa) aus gen Europa gesandt worden. Was schiefging, wird niemand freiwillig zugeben. Einige der Pakete waren mit spanischer Aufschrift gekennzeichnet. Aber es passt in die Untiefen derer, die sich in dem Cyberbunker 2.0  breitmachten.

Die Spur führt nach Santa Cruz

Wir sind Verbrecher – an die Gaunerehre appelliert

Monate zuvor tobte im Untergrund-Rauschgifthandel ein erbitterter Streit. Es wurde bei dem heiß umkämpften Onlinedealer Crime-Network.to, den es gar als vierfaches Lottchen gibt, eine Stellungnahme veröffentlicht. Hier appellieren die Macher des Forums an die Verbrecherehre. Kurioserweise verschwanden Hunderttausende von Euros aus einer Bitcoin-Börse, die zum Zwecke der Geldwäsche, als Treuhandkonto im digitalen Untergrund eingerichtet worden war. Damit flüchteten zahlreiche Verdächtige.
Gewöhnlich verstecken sich die Täter hinter dem US-Unternehmen Cloudflare, einem DNS-Dienste Anbieter, der die Maskerade perfekt macht.

Screenshot: Vierfaches Lottchen, kasaan media, 2019

Angesichts dieser Tatsachen kann einem Schwarzfahrer niemand mehr klarmachen, warum er mit einer Haftstrafe rechnen muss, wenn das Kokain als eine Art Gummibärchen-Plagiat eines Süßwarenherstellers verkauft wird.
Was der richtige Haribo dazu sagt, kann man sich denken. So geht es wahrscheinlich auch dem Burgerbräter McDonald, der sich in abgewandelter Form in den Analen der Drogenhändler wiederfindet.

Aus dem Umfeld des Crime-Network.to hörte man, dass die Ermittler den vier Foren, die sich wie in einer Zellteilung ergaben, dicht auf den Fersen sind. Schon erschienen Bilder der angeblich flüchtigen Administratoren im Internet. Angeblich coole Typen vor ihren Sportwagen, die sie sich mit dem Dealergeld leisten konnten.

Nun zeigen sich die Verlinkungen zwischen den einzelnen Untergrund-Marktplätzen im sogenannten Darknet. Es scheint eine weitere Schaltzentrale zu geben.

Koks im Sonderangebot, frisch angelandet wie Bananen, screenshot, kasaan media, 2019

Es sind einige wenige, die sich den Untergrund aufgeteilt haben – und die sind sich  mittlerweile nicht mehr grün. Es ist kein Wunder ist, es ist zu viel Geld im Spiel, zu viele Interessen. Schon die Spur von Hansa und alpha bay führten in den Süden Teneriffas. (Wir berichteten) In die Ecke der Welt, wo sich gewöhnlich reiche Russen entlang der Südroute des Schmuggels der lateinamerikanischen Drogenmärkte, wie eine Perlenkette, in Villen an der Costa Adeje niedergelassen hatten. Zu diesem von zahlreichen Marketendern aus Lateinamerika gelenkten Apparat gehört auch der mittlerweile heiß umkämpfte Online Markt von Crime-Network.to, hier verdienen Russen an den Brüdern im Geiste aus Venezuela und Kolumbien. Da gab es auch den Drogisten – Burger von Mc Koks.

Völlig-die-Kontrolle-verloren, Screenshot , 2018

Weiter im 2. Teil

Themenverwandte Artikel

Achtung Lebensgefahr – Gold Rip Deal

Die Redaktion

Sextortion – Es geht der Erpresser ohne Gesicht um 

Die Redaktion

medileaks.cc – die Ritter der Kokosnuss

the kasaan times

Die Spitze des Eisberges – das BKA und die GSta in Frankfurt schließen illegale Marktplätze bei Telegram

the kasaan times

Rechtes Gesindel im Cyberbunker in Traben-Trarbach

the kasaan times

Ein strunzdummer Sexortion – Erpresser

Die Redaktion

Parasitäre Domain-Erpressung – eine extreme Schande für die Volksrepublik China

Die Redaktion

Hinterlasse einen Kommentar

*