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Vergleich: Hillbrow, Johannesburg -1985 versus 2025 – Geschäfte und Restaurants

BlR/MCvtH
Titelbild: YouTube /Ewan Elmer
Hillbrow in Johannesburg war 1985 ein lebendiges, kosmopolitisches Herz der Stadt – oft als „Afrikas Manhattan“ oder „liberierte Zone“ bezeichnet –, das trotz Apartheid als multikultureller Treffpunkt für Einwanderer, junge Leute und Nachtschwärmer galt.
Die Straßen waren gesäumt von europäisch anmutenden Cafés mit Terrassen, eleganten Restaurants, spezialisierten Geschäften und Nachtclubs, in denen bis spät in die Nacht das Leben pulsierte. Man konnte gefahrlich durch die Straßen schlendern, Kaffee trinken, internationale Zeitungen lesen oder Platten kaufen. Der Niedergang setzte Mitte der 1980er ein und beschleunigte sich in den folgenden Jahrzehnten durch Abwanderung von Geschäften in die Vororte, Überbevölkerung und Kriminalität.



Bis 2025 hat sich Hillbrow in ein hochverdichtetes, von informeller Wirtschaft geprägtes Viertel verwandelt: Hier dominieren Spaza-Shops (informelle Tante-Emma-Läden), Straßenhändler und kleine Dienstleistungen, oft von Migranten (besonders aus Nigeria und anderen afrikanischen Ländern) betrieben. Formelle, gehobene Restaurants oder Cafés wie früher gibt es praktisch nicht mehr; stattdessen prägen Streetfood, Grundversorgung und Überlebensökonomie das Bild.
Die Stadt Johannesburg unternimmt zwar seit 2024/2025 Sanierungs- und Reinigungsmaßnahmen, doch der Glanz von einst fehlt. Im Folgenden ein detaillierter Vergleich in Fließtext mit Einzelpunkten zu Geschäften und Restaurants.
1985: Der Höhepunkt der kosmopolitischen Blüte
In den frühen 1980er Jahren, also genau um 1985 herum, war Hillbrow ein Magnet für europäische Einwanderer und Südafrikaner aller Hautfarben. Die Gehwege waren voller Leben, Geschäfte hatten lange Öffnungszeiten, und die Atmosphäre erinnerte an eine europäische Großstadt. Cafés und Restaurants dienten als soziale Hubs, wo man stundenlang sitzen, essen und die Welt beobachten konnte. Spezialisierte Läden boten Kultur, Musik und Lifestyle – ein Kontrast zur restriktiven Apartheid-Politik außerhalb.


  • Cafés und Kaffeehauskultur: Beliebte Adressen wie Café Wien, Café de Paris (mit Terrasse am Ingram’s Corner), Café Kranzler, Café Zurich, Café Pigalle, Café Florian oder das Golden Ray Café luden zum Verweilen ein. Hier trank man Kaffee oder Kuchen, las Zeitungen aus aller Welt und hörte Musik – oft auf Balkonen oder Bürgersteigen. Auch Café Three Sisters und Golden Egg waren Treffpunkte für Jung und Alt.
  • Restaurants und Nachtlokale mit Gastronomie: Bella Napoli (in der Pretoria Street, Restaurant plus Nightclub, seit 1957 bis 1994 ein Institution) bot italienische Küche und Partys; Bimbo’s war berühmt für Shawarma; Fontana für späte Steaks, Burger und sogar Groceries bis 3 Uhr morgens; Mike’s Kitchen, Porterhouse, Mi Vami oder das Deutsche Keller für deftige Gerichte. Es gab sogar ein drehendes Restaurant im Hillbrow Tower (Cloud 9) mit Panoramablick – ein absolutes Highlight. Milky Lane lockte mit Eiscreme bis spät in die Nacht.
  • Geschäfte und Einzelhandel: Hillbrow Records (legendärer Musikladen) und Look & Listen versorgten die Szene mit Platten; Buchhandlungen wie Exclusive Books und Estoril Books standen für Literatur; ein Underground-Flohmarkt bot Comics (Cosmi-Comics), Gaming-Shops (Total Chaos) und sogar ein Tattoo-Studio. Dazu kamen Bäcker, Delikatessen, Optiker, Schneider und kleine Boutiquen – alles in fußläufiger Nähe, oft bis spät geöffnet.




Das Viertel fühlte sich sicher und einladend an; viele erinnerten sich an Spaziergänge um 3 Uhr morgens zwischen Clubs und Imbissen.2025: Informelle Wirtschaft und vorsichtige Wiederbelebung
Heute, im Jahr 2025, ist Hillbrow ein dicht besiedeltes innerstädtisches Viertel mit einer der höchsten Bevölkerungsdichten Südafrikas. Der formelle Einzelhandel und die Gastronomie sind fast vollständig verschwunden – viele Gebäude sind heruntergekommen, und die einstigen Cafés existieren nicht mehr.

Stattdessen dominiert die informelle Ökonomie: Straßenhändler und Spaza-Shops decken den täglichen Bedarf ab. Die Stadt bemüht sich um Registrierung und Unterstützung der Händler (z. B. über Summits und Fonds), und es gibt vereinzelte Reinigungs- und Revitalisierungsprojekte. Touren wie die von Dlala Nje zeigen Streetfood und Community-Initiativen, aber das Flair von 1985 ist verloren. Formelle Restaurants fehlen fast komplett; was bleibt, sind einfache, lokale Angebote inmitten von Hustle und Alltag.

  • Cafés und moderne Kaffeehäuser: Praktisch inexistent. Die alten europäischen Cafés mit Terrassen sind Geschichte; stattdessen gibt es höchstens improvisierte Tee- oder Kaffeestände an Straßenecken, oft als Teil von Spaza-Shops. Keine vergleichbare Sitzkultur oder internationale Zeitungslektüre.
  • Restaurants und Streetfood: Keine empfohlenen oder gehobenen Lokale (laut aktuellen Verzeichnissen null Einträge).
  • Stattdessen Streetfare wie Pap & Chicken (oft auf geführten Touren serviert), gebratenes Hähnchen (z. B. in Sympathy’s Restaurant direkt am Rand von Hillbrow) oder einfache Imbisse mit lokalen Gerichten. Viele Angebote sind migrantengeprägt und preiswert, aber ohne die Vielfalt oder das Ambiente von Bella Napoli & Co. Nachtclubs und revolving Restaurants existieren nicht mehr.
  • Geschäfte und Einzelhandel: Überwiegend informell – Spaza-Shops verkaufen Lebensmittel, Kleidung, Elektronik und Haushaltswaren aus Keller- oder Straßenständen. Straßenhändler dominieren mit Kleidung, Essen und kleinen Dienstleistungen (z. B. Handy-Reparaturen). Es gibt keine spezialisierten Läden wie Record-Shops oder Buchhandlungen mehr; der Fokus liegt auf Grundversorgung und Überleben. Viele Betreiber sind Migranten; die Stadt fördert Registrierung (Deadline 2025), um den Sektor zu formalisieren, doch Konkurrenz und Kriminalität bleiben Herausforderungen.

In Johannesburg zeigt sich ein  dramatischer  Wandel.

Von einem blühenden, kulturell vielfältigen Zentrum mit formalen, europäisch inspirierten Geschäften und Restaurants 1985 zu einem von informeller, migrantengeprägter Überlebenswirtschaft dominierten Viertel 2025. Die Sanierungsversuche der Stadt geben Hoffnung auf langsame Verbesserung, doch der kosmopolitische Charme und die sichere, einladende Atmosphäre von einst sind vorerst Geschichte. Hillbrow bleibt ein Symbol für Johannesburgs innere Transformation – von Glanz zu Resilienz inmitten von Herausforderungen.

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