Titelbild: Ki generiert Mordfall Herbert Bibel
Der Tod von Herbert Bibel (auch als Herbert B. bekannt) im Jahr 1996 bei Kaiserslautern bleibt bis heute ein ungeklärter Mordfall.
Am 21. April 1996 verschwand der 25-jährige Verkäufer aus Lambrecht (Kreis Bad Dürkheim) in der Pfalz unter rätselhaften Umständen. Drei Tage später fand man seine Leiche im Staatsforst Kaiserslautern am sogenannten Hungerbrunnen. Sein dunkelgrüner Seat Ibiza tauchte erst Monate später in Polen auf. Der Fall wurde unter anderem in der Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ vorgestellt, doch eine Aufklärung gelang bisher nicht.
Herbert Bibel arbeitete seit mehreren Jahren in einem Supermarkt am Ortsrand von Lambrecht. Er galt als ruhiger, zuverlässiger junger Mann mit einem gepflegten Äußeren, inklusive Bart. An jenem Wochenende im April 1996, das mit dem Mandelblütenfest in Gimmeldingen bei Neustadt an der Weinstraße zusammenfiel, unternahm er eine Fahrradtour mit seiner Schwester und seinem Schwager. Die Tour führte durch die malerische Pfalz-Landschaft. Während der Fahrt fiel Herbert seinen Begleitern durch merkwürdiges Verhalten auf – er wirkte ungewöhnlich und distanziert.
Nach der Rückkehr in Lambrecht tranken sie noch gemeinsam Kaffee. Gegen 18 Uhr lud Herbert sein Fahrrad in seinen Seat Ibiza und verabschiedete sich. Er wollte offenbar noch einmal losfahren. Vorher hatte es im Supermarkt, in dem er arbeitete, eine auffällige Begegnung gegeben: Herbert hatte Blickkontakt mit einem jungen Mann aufgenommen und vor der Tür ein kurzes Gespräch mit ihm geführt. Möglicherweise vereinbarten sie ein Treffen. Diese Begegnung gilt als potenziell entscheidend für den weiteren Verlauf des Abends.
Herbert wurde an diesem Abend das letzte Mal lebend gesehen. Was genau danach geschah, liegt im Dunkeln. Mögliche Szenarien, die die Ermittler und die Öffentlichkeit seit Jahren beschäftigen: Herbert könnte sich mit dem unbekannten jungen Mann aus dem Supermarkt getroffen haben, vielleicht für ein privates, möglicherweise intimes Treffen. Es könnte zu einem Streit gekommen sein, der eskaliert ist – etwa aus Eifersucht, wegen einer Zurückweisung oder im Rahmen einer sexuellen Begegnung, die tödlich endete. Eine andere Möglichkeit ist ein Raubüberfall oder eine Zufallsbegegnung mit einem Täter, der die Gelegenheit nutzte. Der Fundort im Wald am Hungerbrunnen deutet auf eine gezielte oder zumindest abgelegene Tat hin.
Seine Leiche entdeckte man erst am 24. April 1996 im Waldgebiet am Hungerbrunnen im Staatsforst Kaiserslautern. Es wurden Kopfverletzungen sowie Gewalt gegen den Hals festgestellt.
Die genauen Umstände seines Todes und ob der Fundort auch der Tatort war, bleiben offen. Der dunkelgrüne Seat Ibiza mit Dürkheimer Kennzeichen wurde erst im August 1996 – also etwa vier Monate später – an der polnischen Ostseeküste in der Gegend von Danzig (Gdańsk) gefunden.
Bis heute ist ungeklärt, wer das Auto dorthin gebracht hat und was mit den Gegenständen passiert ist, die sich vermutlich im Wagen befanden. Unter den fehlenden Gegenständen sind vor allem das lilafarben-pinkfarbene Fahrrad der Marke Prophete, der Geldbeutel sowie ein schwarzer Rucksack mit der Aufschrift „Warny’s“. Das Auto selbst wurde nach Deutschland zurückgeholt und damals bereits auf Spuren untersucht. Moderne DNA-Techniken könnten heute möglicherweise neue Erkenntnisse liefern. Der weite Weg des Wagens nach Polen deutet auf einen Täter hin, der bewusst Spuren verwischen oder das Fahrzeug in einer anderen Region loswerden wollte – vielleicht über kriminelle oder grenzüberschreitende Verbindungen.
Die Kriminalpolizei Kaiserslautern übernahm die Ermittlungen. In der XY-Sendung vom 21. Februar 1997 appellierte Kriminaloberkommissar Stefan Buschkiewitz an die Öffentlichkeit und es gab eine Belohnung von 3.000 DM. Zeugenhinweise zu dem unbekannten jungen Mann aus dem Supermarkt, zu Herberts Verhalten auf der Fahrradtour oder zum Verbleib des Wagens blieben jedoch ohne durchschlagenden Erfolg. Der Fall wurde nie gelöst.
Im Frühjahr 2026, zum 30. Jahrestag, meldete sich die Polizei erneut zu Wort. Das neu gegründete Cold-Case-Team der Kriminalinspektion 1 in Kaiserslautern, zu dem unter anderem Kriminaloberkommissar Sascha Frick gehört, nahm den Fall wieder intensiv auf. Wer Hinweise zum Tod von Herbert B. geben kann, kann die Kriminalpolizei in Kaiserslautern unter Telefon +49631369-13106 erreichen. Man hofft auf neue Hinweise aus der Bevölkerung, vielleicht durch DNA-Analysen oder veränderte Lebensumstände potenzieller Zeugen oder Beteiligter. Die Angehörigen warten seit drei Jahrzehnten auf Antworten und auf die Möglichkeit, endlich Abschluss zu finden. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, ist eine Belohnung von 3.000 Euro ausgesetzt.
Der Mord an Herbert Bibel steht bis heute als eines der ungelösten Tötungsdelikte in Rheinland-Pfalz. Er wirft Fragen nach Motiven auf – möglicherweise im persönlichen Umfeld, im Bereich einer homophilen Neigung, die Herbert zugeschrieben wurde, oder einer Zufallsbegegnung mit fatalem Ausgang. Die Ermittler geben die Hoffnung nicht auf, dass der Täter eines Tages doch noch zur Rechenschaft gezogen werden kann. Jeder Hinweis, auch Jahrzehnte später, könnte entscheidend sein.
