Automobil

Citroën Ami 6

Bild: An-d – Eigenes WerkCitroën Ami 6

Der ist ein außergewöhnliches und charakterstarkes Automobil, das der französische Hersteller Citroën von 1961 bis 1969 produzierte und das sich als echter Brückenbauer zwischen dem einfachen, robusten 2CV und der luxuriösen, futuristischen DS etablierte. Der Name „Ami“ bedeutet auf Französisch „Freund“, und das Modell wurde bewusst als zugänglicher, aber stilvoller Mittelklassewagen konzipiert, der die Lücke in der Citroën-Palette schließen sollte.
Am 24. April 1961 wurde er den Journalisten vorgestellt, und trotz eines zunächst umstrittenen Designs avancierte er zu einem echten Erfolg: Insgesamt entstanden über eine Million Exemplare, darunter rund 484.000 Limousinen (Berline) und über 551.000 Kombis (Break), die sich als besonders beliebt erwiesen.


Das Design des Ami 6 stammte von dem legendären italienischen Stilisten Flaminio Bertoni, der bereits die DS geformt hatte. Der Wagen zeichnet sich durch eine markante, fast barock wirkende Linienführung aus, die viele Betrachter als eigenwillig oder sogar schräg empfanden. Besonders auffällig ist die nach hinten geneigte Heckscheibe – eine sogenannte „umgekehrte“ oder „Z-förmige“ Linie („La Ligne en Z“) –, die nicht nur für ein ungewöhnliches Profil sorgt, sondern auch praktische Vorteile bietet: Im Regen bleibt die Scheibe länger sauber, und der Kofferraum behält trotz der Form ein großes Volumen. Das Dach erinnert an eine Pagode, die Seiten sind durch markante Sicken betont, und die Motorhaube taucht in der Mitte ab. Ein weiteres Novum waren die rechteckigen Scheinwerfer, die erstmals in einem Serienfahrzeug verbaut wurden und dank zusätzlicher Reflektoren eine deutlich bessere Ausleuchtung als die damals üblichen runden Leuchten ermöglichten. Die Karosserie war geräumig und bot für die damalige Zeit viel Platz, wobei die Limousine eine Länge von etwa 3,91 bis 3,96 Metern, eine Breite von rund 1,52 Meter und einen Radstand von 2,40 Metern aufwies. Das Leergewicht lag bei etwa 620 bis 690 Kilogramm, je nach Ausführung.



Technisch basierte der Ami 6 weitgehend auf dem bewährten 2CV, was ihm Robustheit und Wirtschaftlichkeit verlieh. Der luftgekühlte Zweizylinder-Boxermotor mit zunächst 602 cm³ Hubraum leistete anfangs etwa 22 PS (später bis zu 26 oder 28 PS in überarbeiteten Versionen), was für eine Höchstgeschwindigkeit von rund 105 bis 112 km/h sorgte. Der Motor war vorn quer eingebaut und trieb die Vorderräder an, das Getriebe war ein manuelles Viergang-Getriebe. Die Federung übernahm das berühmte, weiche und komfortable System des 2CV mit ineinandergreifenden Längslenkern und Gummielementen, das für ein sanftes Abrollen über Unebenheiten bekannt ist – ideal für französische Landstraßen. Bremsen waren Trommelbremsen an allen Rädern, wobei die vorderen innenliegend montiert waren. Der Innenraum hob sich deutlich vom rustikalen 2CV ab und orientierte sich eher an der DS: Es gab ein Einspeichenlenkrad, bequeme Sitzbänke (teilweise sogar herausnehmbar), hochwertige Türgriffe und Bedienelemente sowie eine ansprechende Verarbeitung. Der Tank fasste 25 Liter, und der Verbrauch blieb erfreulich niedrig, was den Ami 6 zu einem sparsamen Alltagsbegleiter machte.
Neben der viertürigen Limousine (Berline) erschien 1964 der praktische Kombi (Break), der mit einer Nutzlast von bis zu 320 kg besonders für Familien und Gewerbe attraktiv war und letztlich sogar mehr Exemplare verkaufte als die Limousine.
Es gab auch eine kleine Anzahl von Nutzfahrzeugvarianten (Entreprise) mit zwei Sitzen und verglasten oder verblechten Aufbauten.



Im Laufe der Produktion erfolgten zahlreiche Detailverbesserungen: Die Leistung stieg durch höhere Verdichtung; es kamen ein 12-Volt-System mit Lichtmaschine, ein überarbeitetes Armaturenbrett, verbesserte Scheibenwischer und weitere Refinements hinzu. Ausstattungsvarianten wie „Touring“, „Confort“ oder später „Club“ boten zusätzliche Chromleisten, Teppiche, verstellbare Sitze oder Weißwandreifen. Trotz anfänglicher Kinderkrankheiten – wie dünnerem Blech oder kleinen Problemen mit der Regenwasserableitung – bewährte sich der Ami 6 als zuverlässig und langlebig.
Der Citroën Ami 6 verkörpert wie kaum ein anderes Fahrzeug die kreative, eigenwillige und menschenfreundliche Philosophie von Citroën in den 1960er Jahren. Er war kein reiner Billigwagen, sondern ein cleverer Kompromiss aus Sparsamkeit, Komfort und Originalität, der in Frankreich sogar zum beliebtesten Auto des Jahres 1966 gekürt wurde. Mit seiner unkonventionellen Optik, dem charakteristischen „Fräulein“-Charme („L’Ami Six“ klingt wie „La Missis“) und der praktischen Alltagstauglichkeit bleibt er bis heute ein liebenswerter Klassiker, der Sammler und Liebhaber der französischen Automobilkultur begeistert. 1969 wurde er durch den Ami 8 abgelöst, der die Karosserie modernisierte, doch der Ami 6 mit seiner markanten Z-Linie und dem unverwechselbaren Charakter hat sich einen festen Platz in der Automobilgeschichte gesichert. Wer heute einen fährt, erlebt nicht nur ein Stück französischer Alltagskultur, sondern auch ein Fahrzeug, das mit Leichtigkeit und Witz über die Straßen gleitet – ganz im Sinne seines Namens als treuer „Freund“.


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