Space

Unglück der Challenger am 28.1.1986

Titelbild: Kennedy Space Center, public domain

Am 28. Januar 1986 startete die Raumfähre Challenger vom Kennedy Space Center in Florida zu ihrer Mission STS-51-L
– ein Start, den Millionen Menschen live im Fernsehen verfolgten, weil erstmals eine Zivilistin, die Lehrerin Christa McAuliffe, als Teil des „Teacher in Space“-Programms mit an Bord war. Die siebenköpfige Besatzung – Kommandant Francis „Dick“ Scobee, Pilot Michael Smith sowie die Missionsspezialisten Judith Resnik, Ellison Onizuka und Ronald McNair sowie die Nutzlastspezialisten Gregory Jarvis und Christa McAuliffe – sollte unter anderem einen Kommunikationssatelliten aussetzen, das Halley-Kometen mit einem Experiment beobachten und Schulunterricht aus dem Weltall abhalten.

Der Start war bereits mehrfach verschoben worden, unter anderem wegen technischer Probleme und Wetters. Am Morgen des 28. Januar herrschten ungewöhnlich kalte Bedingungen für Florida: Die Temperaturen lagen deutlich unter dem Gefrierpunkt, und die Startrampe war von Eiszapfen überzogen. Trotz dieser Umstände entschied die NASA nach intensiven Diskussionen, den Countdown fortzusetzen.

Um 11:38 Uhr Ortszeit hob die Challenger ab. Die ersten Sekunden verliefen scheinbar normal – die Feststoffraketen zündeten, die Haupttriebwerke liefen auf voller Leistung, und das Shuttle stieg schnell in den klaren Himmel auf. Doch bereits kurz nach dem Abheben zeigten hochauflösende Kameras eine ungewöhnliche Rauchentwicklung an der Verbindung zwischen dem rechten Feststoffbooster und dem externen Treibstofftank. Eine dichte, schwarze Qualmwolke quoll hervor – ein klares Zeichen dafür, dass etwas Ernstes nicht stimmte.Die Ursache lag in den sogenannten O-Ringen, zwei Gummidichtungen in den Segmentverbindungen des rechten Feststoffboosters. Diese Dichtungen waren dafür gedacht, die heißen Verbrennungsgase im Inneren zu halten. Bei den extrem niedrigen Temperaturen hatten sie jedoch ihre Elastizität verloren und waren spröde geworden. Beim Start konnte der primäre O-Ring die enormen Kräfte und Hitze nicht mehr abdichten, heißes Gas entwich und fraß sich durch die Boosterwand. Der sekundäre O-Ring, der als Backup dienen sollte, versagte ebenfalls unter den Bedingungen.

Etwa 59 Sekunden nach dem Start begann der Booster sich durch das entweichende Gas seitlich zu verbiegen. Der Strahl heißen Gases traf den externen Treibstofftank und beschädigte dessen Struktur massiv. Um 73 Sekunden nach dem Start, in etwa 15 Kilometern Höhe und bei mehr als doppelter Schallgeschwindigkeit, brach der Tank auf. Flüssiger Wasserstoff und Sauerstoff vermischten sich explosionsartig zu einem riesigen Feuerball.

Die Challenger zerbrach in der Luft – die beiden Feststoffbooster flogen unkontrolliert auseinander, während das Orbiter selbst durch die aerodynamischen Kräfte auseinandergerissen wurde.

Die Crewkabine blieb zunächst intakt und stieg noch einige Sekunden höher, bevor auch sie durch den Luftwiderstand zerstört wurde. Untersuchungen ergaben später, dass zumindest einige Besatzungsmitglieder noch lebten, als die Kabine fiel – einige der persönlichen Sauerstoffflaschen (PEAPs) waren manuell aktiviert worden. Dennoch überlebte niemand den Aufprall auf die Wasseroberfläche des Atlantiks, der mit mehreren hundert Stundenkilometern erfolgte.Die Nation und die Welt waren schockiert. Präsident Ronald Reagan hielt eine bewegende Fernsehansprache, in der er besonders Christa McAuliffe ehrte und sagte: „Wir werden sie nie vergessen.“ Eine unabhängige Untersuchungskommission unter Vorsitz von William Rogers – die sogenannte Rogers-Kommission – wurde eingesetzt. Der Physiker Richard Feynman demonstrierte berühmt während einer Anhörung live im Fernsehen, wie ein O-Ring in Eiswasser seine Elastizität verlor, und machte damit das technische Versagen für jedermann verständlich.

Die Kommission deckte auf, dass die Probleme mit den O-Ringen bereits seit Jahren bekannt waren – bei früheren Flügen hatte es bereits Blow-by und Erosion gegeben. Ingenieure von Morton Thiokol (dem Booster-Hersteller) hatten in der Nacht vor dem Start eindringlich vor einem Start bei so niedrigen Temperaturen gewarnt, doch das Management überstimmte sie nach Druck von NASA-Seite. Die Kommission kritisierte scharf eine Kultur bei der NASA, in der Zeitplandruck, Budgetzwänge und der Wunsch nach Routineflügen die Sicherheitsbedenken verdrängt hatten – ein Phänomen, das später als „Normalisierung von Abweichungen“ beschrieben wurde.Das Space-Shuttle-Programm wurde für über zweieinhalb Jahre eingestellt. Die Booster wurden grundlegend umgebaut, neue Sicherheitsstrukturen geschaffen, und die NASA führte eine unabhängigere Sicherheitsaufsicht ein.

 

Erst im September 1988 flog wieder ein Shuttle.Die Challenger-Katastrophe blieb ein Wendepunkt: Sie zeigte die Grenzen von Technikgläubigkeit und bürokratischen Entscheidungsprozessen und kostete sieben Menschen das Leben. Bis heute steht sie als mahnendes Beispiel dafür, dass Sicherheitswarnungen – egal wie klein sie scheinen – nie ignoriert werden dürfen.

 

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