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In den USA hat sich in den letzten Jahren, besonders unter von Donald Trump, eine Form der Einflussnahme durch extrem reiche Individuen verstärkt, die von Kritikern oft als oligarchisch bezeichnet wird. Diese Entwicklung wird häufig mit dem russischen System verglichen, in dem eine kleine Gruppe von Milliardären – die sogenannten Oligarchen – eng mit der politischen Macht verflochten ist. Allerdings gibt es grundlegende Unterschiede in der Entstehung, der Funktionsweise und der Dynamik dieser Strukturen, auch wenn Parallelen in der Konzentration von Reichtum und politischem Einfluss nicht zu leugnen sind.
In Russland entstanden die Oligarchen vor allem in den chaotischen 1990er Jahren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Damals wurden staatliche Vermögenswerte wie Öl-, Gas- und Metallkonzerne zu Spottpreisen an eine Handvoll cleverer oder gut vernetzter Geschäftsleute verscherbelt, oft durch dubiose Privatisierungen. Diese Männer wurden reich, weil sie Zugang zur politischen Elite hatten, und sie nutzten diesen Reichtum, um Politik zu beeinflussen – bis Wladimir Putin an die Macht kam. Putin ließ einige von ihnen gewähren, solange sie loyal blieben, setzte andere unter Druck, enteignete oder verbannte sie und baute ein System auf, in dem die Oligarchen letztlich dem Kreml dienen müssen. Ihr Reichtum hängt stark von der Gunst des Machthabers ab; wer aus der Reihe tanzt, riskiert alles, von Vermögensverlust bis hin zu Schlimmerem. Das russische System ist autoritär zentralisiert: Die Oligarchen sind nicht die eigentlichen Herrscher, sondern eher Werkzeuge oder Juniorpartner eines starken Staates, der sie kontrolliert.In den USA sieht die Sache anders aus, auch wenn der Begriff „Oligarchen“ in der Debatte um Trump zunehmend fällt. Hier gibt es seit langem eine Schicht extrem reicher Menschen – Tech-Milliardäre wie Elon Musk, Casino-Erben wie Miriam Adelson, Hedgefonds-Manager oder Erben großer Vermögen –, die durch Innovation, Unternehmertum, Erbschaft oder geschickte Investitionen zu enormem Reichtum gekommen sind. Viele von ihnen haben ihre Firmen selbst aufgebaut, oft mit Unterstützung staatlicher Verträge oder Regulierungen, aber nicht durch direkte Plünderung staatlicher Assets wie in Russland. Ihr Einfluss auf die Politik läuft über legale Kanäle: massive Spenden an Wahlkampagnen und Super-PACs, Lobbying, Medienbesitz und direkte Beratung. Unter Trump hat sich diese Dynamik zugespitzt.
Milliardäre wie Musk, der mit Hunderten Millionen Dollar den Wahlkampf unterstützte und später eine einflussreiche Rolle bei der Regierungsreform (DOGE) übernahm, oder Adelson mit ihren großen Zuwendungen, positionieren sich offen als Unterstützer. Sie werden zu Beratern, spenden für Loyalität und profitieren von Steuersenkungen, Deregulierung oder günstigen Verträgen. Trump umgibt sich mit einer Gruppe von Reichen, die in seiner Administration sichtbar vertreten sind, und Kritiker sehen darin eine Verschmelzung von Wirtschaftsmacht und Staat, bei der die Reichen die Agenda mitbestimmen.Trump selbst wird von manchen als zentrale Figur in diesem Gefüge dargestellt – nicht als klassischer Oligarch wie in Russland, sondern als jemand, der die Unterstützung dieser Superreichen braucht und sie belohnt. Viele seiner prominenten Förderer haben durch seine Politik profitiert: Steuererleichterungen für die Reichsten, weniger Regulierung für Tech- und Finanzbranchen oder direkter Zugang zu Entscheidungen.
Gleichzeitig wird argumentiert, dass diese „Trump-Oligarchen“ nicht vollständig von ihm abhängig sind wie die russischen von Putin. In den USA schützen Institutionen wie unabhängige Gerichte, freie Presse (zumindest teilweise) und ein wettbewerbsorientiertes Wirtschaftssystem die Vermögen stärker. Ein US-Milliardär muss nicht ständig beim Präsidenten nachfragen, ob sein Eigentum sicher ist; er kann auch gegen die Regierung klagen oder in die Opposition gehen. Dennoch wächst die Sorge, dass die extreme Konzentration von Reichtum und die Rolle des Geldes in der Politik die Demokratie aushöhlen – Wahlen werden teurer, Kandidaten abhängiger von wenigen Großspendern, und Entscheidungen orientieren sich stärker an den Interessen der Elite als an der breiten Bevölkerung.
Die Parallele zum russischen System wird besonders in der Loyalitätsdynamik gezogen: Viele reiche Unterstützer Trumps wirken wie Speichellecker, die öffentlich huldigen, um Vorteile zu sichern – sei es durch Posts in sozialen Medien, Spenden oder persönliche Nähe. Musk etwa hat Trump massiv gefördert und erhält im Gegenzug Einfluss auf Regierungsprozesse.
Ähnlich wie in Russland, wo Oligarchen dem starken Mann dienen müssen, um zu überleben, scheint hier eine Allianz zu entstehen, in der Reichtum gegen politische Macht getauscht wird. Kritiker warnen, dass dies zu einer „Trumpistischen Oligarchie“ führen könnte, in der eine kleine Gruppe von Tech- und Finanzmagnaten die Richtung vorgibt, Institutionen geschwächt werden und die Öffentlichkeit zunehmend ausgeschlossen bleibt.
Manche Beobachter sehen sogar Ähnlichkeiten in der Rhetorik: Ein starker Führer, der gegen „das Establishment“ wettert, während er selbst mit Reichen paktiert.Trotzdem ist das US-System nicht identisch mit dem russischen. In Russland ist der Staat der dominante Akteur, der die Oligarchen diszipliniert; in den USA sind es oft die Reichen selbst, die den Staat schwächen wollen, um mehr Freiheit für ihre Geschäfte zu haben. Die amerikanischen Milliardäre haben meist ihre Vermögen durch Markterfolge aufgebaut, nicht durch Korruption in einer Übergangsphase. Es gibt noch Wahlen, Gewaltenteilung und öffentliche Debatten, die in Russland weitgehend fehlen.
Dennoch fließt das Geld in der US-Politik so stark, dass viele das Gefühl haben, das Land entwickle sich in Richtung einer Plutokratie, in der Reichtum über Zugang zu Macht entscheidet. Unter Trump hat diese Tendenz an Tempo gewonnen, mit sichtbaren Allianzen zwischen dem Präsidenten und einer Handvoll Superreicher, die wie eine informelle Elite wirken.Ob das langfristig zu einem echten russlandähnlichen System führt, bleibt offen. Manche warnen vor einer schleichenden Erosion der Demokratie durch diese Verflechtung, andere betonen, dass die USA durch ihre Geschichte, ihre Institutionen und ihren Unternehmergeist resilienter sind. Fest steht jedoch, dass der Einfluss einer kleinen Gruppe extrem Reicher auf die Politik – ob als offene Unterstützer Trumps oder als stille Strippenzieher – die Debatte über Fairness, Gleichheit und echte Volksherrschaft neu entfacht hat.
Das amerikanische Modell mag demokratischer verkleidet sein als das russische, aber die Konzentration von Macht und Geld wirft ähnliche Fragen auf: Wem dient das System wirklich, und wie viel Einfluss darf privater Reichtum auf öffentliche Angelegenheiten haben?
Die Antwort darauf wird die Zukunft der US-Politik prägen, unabhängig davon, ob man den Vergleich mit Russland für übertrieben oder treffend hält.
