Tito's Trugschluss - 30 Jahre nach Anfang des Balkankrieges (1)
Geschichte

Tito’s Trugschluss – 30 Jahre nach Anfang des Balkankrieges (1)

Wann fing der blutigste Krieg auf europäischem Boden nach dem 2. Weltkrieg an?

Die ersten Geplänkel fanden schon 1990, also vor 30 Jahren statt. Nach der Wahl in Slowenien im Frühjahr 1990.

War es nicht so, dass die einzelnen Beteiligten nicht darüber Bescheid wussten, was sich zu diesem Zeitpunkt abspielte?

Protagonisten aus einer Zeit des Hasses und des jämmerlichen Nationalismus.

Die einzige Gerechtigkeit war lange Zeit Marschall Tito. Titos Politik führte nach dessen Tod, eine Dekade früher, in das Verderben des Vielvölkerstaates Jugoslawien. Bis dahin war es nicht friedlich, aber erträglich auf dem Balkan gewesen. Sicherlich, Tito war kein Held. Er war unmenschlich, korrupt und ein Despot. Ein Diktator des Sozialismus und seiner Zeit.

Der Vielvölkerstaat Jugoslawien, den Tito geschaffen hatte, war gescheitert. Spätestens ab 1990 wurde klar, dass sich die Geschichte Jugoslawiens wiederholen würde. Ein zerrissenes Land mit zerrissenen politischen Strukturen und einer Regierung in Belgrad, die auf den Schwur auf dem Amselfeld (Gazimestan) hoffte. Dieser Schwur kam nicht erneut, der die Menschen dereinst auf dem Balkan wachgerüttelt hatte.

Der Schwur des Amselfeldes verkam zu einer nationalen Angelegenheit, die Slobodan Milošević als kleiner Parteifunktionär forderte und dann Kreaturen wie  Radovan Karadžić, General Ratko Mladić und andere Schlächter wie Arkan (Željko Ražnatović) hervorbrachte.

Ethnische Säuberung wurde ein Unwort des Jahres 1992.

Es war der Hass der Tschetniks gegen die Ustascha in Kroatien. Es war der Hass Serbiens gegen alles, was anders war als Serbien selbst.

Den Tod brachte Milošević in Form von Sonder-Kommandos wie Arkan oder seinen Getreuen, die mordend, Vergewaltigung als Waffe im Gepäck, über das Land zogen, das sie besetzt hatten.

Ein jeder aus dieser Generation kann sich noch an die Bilder erinnern.

Jeder kann sich noch an die Bilder erinnern, die die Gegner in den Lagern zeigten. Die Weltöffentlichkeit war damals entsetzt und nur schleppend kam ein Verfahren in Gang gegen die Verantwortlichen, die den schlimmsten Völkermord auf europäischem Boden nach dem Zweiten Weltkrieg begangen hatten.

Selbst das österreichische Bundesheer musste 1991 ausrücken. Eine der besten Reportagen entstand durch die Journalisten des ORF, die mit an die Front gingen. (Sehenswert)

Man konnte, wenn man die Lager sah, sich schon erinnert fühlen an die Bilder, die die Briten 1945 vorfanden, als sie deutsche Konzentrationslager befreiten.

Die Schande, dass die Niederländer nicht in der Lage waren, diese Katastrophe aufzuhalten berührte viele Millionen. Der niederländische General wurde gar später auf Schadensersatz verklagt. Von den Familien der Getöteten, der Verscharrten, der Gefolterten. Die Gerechtigkeit blieb auf der Strecke. Aber nach und nach fand man die Massengräber, die die Serben einfach so eingerichtet hatten, Verschleppte, Ermordete, Verstümmelte, Gefolterte. Das war der Krieg der Serben gegen ihr eigenes Volk, das Marschall Tito über Jahrzehnte versuchte zusammenzuhalten. Tito war unmenschlich und von einer besonderen Gier besessen. Nicht etwa ein großer Marschall oder ein besonderer Widerstandskämpfer. Er war im Grunde genommen einer der Boten des Sozialismus, der am Ende auch die Sozialistische Volksrepublik Jugoslawien ausbeutete.

Die Infrastruktur war so derartig geschädigt nach dem Balkankrieg, dass niemand mehr in der Lage war, überhaupt in dem Land zu leben. Es war eine Art „Verbrannte Erde Befehl“ herausgegeben worden. Wenn die Serben es nicht kriegen konnten, die Vertreibung und die Unmenschlichkeit ihr Ende genommen hatten, blieben rauchende Trümmer zurück. Wie die Menschen in der Zeit auf dem Balkan lebten, konnte man sich nicht vorstellen. Viele flohen, gerade aus Bosnien-Herzegowina, oder aus den anderen besetzten Gebieten der Republik Srpska. Es war das Ende einer ganzen Klasse sozialistischer Politiker, die nur nach und nach durch die Sanktionen und das Bombardement der NATO, Anfang 2000, Einsicht gewann, dass es so nicht mehr weiter ging.

Kriegsverbrecher auf dem Balkan wurden lange von der Bevölkerung versteckt, weil jedes neu entstandene Land sagte: „Das sind unsere Nationalhelden. Das sind die einzigen, die für uns gekämpft haben.“

Doch der Schwur des Feldes wurde zum Fluch des Amselfeldes. Serbien war total isoliert. Aber wie schon zu Titos Zeiten, der sich nie scheute, auch Oppositionelle zu inhaftieren oder zu töten, um Befehle zu geben und Todesschwadronen nach Deutschland zu entsenden. Wie man aus dem Jahr 1978 nur noch zu gut in Bayern weiß.

Aber das, was Slobodan Milošević weiterführte in einer ungeahnten Brutalität und einer Menschenverachtung, die für ihn vor dem Gericht in Den Haag endete, ahnte damals, als der Krieg anfing, niemand.  Radovan Karadžić, der jahrelang als Psychiater in Belgrad unauffällig lebte und irgendwelche Therapien bewerkstelligt hat, konnte sich nach dem Krieg unerkannt absetzen und mit einem langen Bart und einem langen Zopf grauer Haare durch Belgrad frei bewegen. Eine ganz neue Existenz aufbauen.

Man staunte nicht schlecht, als dieser rasierte Mann dann am Ende vor dem Gericht in Den Haag erschien, und eine gewisse Ähnlichkeit mit dem gesuchten Kriegsverbrecher hatte.

General Ratko Mladić war des Satans General und einer der widerlichsten Kreaturen des Balkankrieges. Bei ihm mischte sich gefährliche Intelligenz, taktisches Denken, eine ungeheure Brutalität und Menschenverachtung in einer Kreatur. Die ihresgleichen suchte, und häufig mit Heinrich Himmler verglichen wurde.

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