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Cold Case

Nachtragsmeldung zu dem Mord an der unbekannten Frau , Berlin-Spandau, 1988

Titelbild: Unbekannte Frau, vermutlich 1987, 4. Berliner Mordkommission

Nach der Veröffentlichung des Bildes durch die 4. Berliner Mordkommission wurden wir durch zahlreiche Leser auf folgende Details hingewiesen, die die Umstände der damaligen Zeit vertiefen.Wir bedanken uns dafür.

 

Die Frau auf dem Foto trägt ein hellbeiges bis gelbliches Hemd oder eine Bluse mit einem auffälligen, großflächigen braunen Leopardenmuster (Tierprint mit unregelmäßigen Flecken in verschiedenen Brauntönen), das typisch für den legeren, second-hand-orientierten Casual-Look der Mitte/Ende 1980er Jahre ist.

 

Darunter ist ein einfaches weißes T-Shirt sichtbar, das am Kragen hervorlugt. Die Hose oder der Rock im unteren Bildbereich wirkt dunkel (möglicherweise rot oder bordeauxfarben), schlank geschnitten und reicht etwa bis knapp unters Knie – ein unauffälliger, aber individueller Alltagsstil, der in Berliner Altbau-WGs oder der Underground-Szene der damaligen Zeit weit verbreitet war.

In den Händen hält sie eine kleine Schüssel mit weißem Körper und rotem Rand, gefüllt mit etwas wie Cerealien oder Müsli (mit Milch), was den privaten, häuslichen Charakter des Moments unterstreicht – ein ganz normaler Frühstücks- oder Snack-Schnappschuss in einem dunklen Flur mit enger Innentür und typischen Berliner-Altbau-Elementen im Hintergrund. Auch passt diese Beschreibung in die Musik-Szene der damaligen Stadt.

 

Besonders prägnant für die damalige Berliner Underground-Ära waren Clubs wie SO36 (im Kreuzberger Wrangelkiez, Herz der West-Berliner Punk- und New-Wave-Bewegung mit Konzerten von Bands wie Einstürzende Neubauten, Die Ärzte oder internationalen Acts), Metropol (ehemals in der Nollendorfstraße in Schöneberg, ein großer, legendärer Tanz- und Konzerttempel für New Wave, Synth-Pop und Gothic-Szene) sowie Risiko, ein kleinerer, intimer Club in der Hauptstadt der geteilten Stadt, bekannt für experimentelle Elektronik, Post-Punk und die Brückenbauer zwischen Ost- und West-Szene, oft mit Grenzgängern. Diese Locations waren zentrale Treffpunkte für eine subkulturelle Jugend, die trotz der Teilung der Stadt musikalisch und sozial grenzüberschreitend lebte. Zum Fall selbst gibt es in den öffentlichen Berichten und Polizeiangaben keine expliziten Hinweise auf Drogenkonsum beim Opfer, weder Autopsie-Ergebnisse zu Betäubungsmitteln noch Bezüge zu Drogenmilieus werden erwähnt, obwohl die Berliner Punk- und New-Wave-Szene Ende der 80er Jahre stark von Heroin, Amphetaminen und anderen Substanzen durchzogen war – das war in West-Berlin (besonders Kreuzberg) und teilweise auch im Ost-Underground ein bekanntes Problem, das viele Szene-Leute betraf, ohne dass es hier direkt verknüpft wird. Ebenso fehlen offizielle Angaben zu sexueller Gewalt oder Vergewaltigung als Tatbestandteil; die Polizei spricht durchgängig nur von einem Tötungsdelikt (Mord), mit dem Leichnam in einem Jutesack vergraben, zwei kurzen Kunststofftauen (eines gelb, eines hochwertigeres Reffbändsel aus dem Wassersport) um den Hals verknotet und einem kleinen abgerissenen Papierstück vom Gesundheitsamt Schöneberg (Beratungsstelle Geschlechtskrankheiten) bei der Leiche – das könnte auf medizinische oder sexuelle Kontakte hindeuten, bleibt aber spekulativ.

Der Fall bleibt bis heute (Januar 2026) ungeklärt, die Frau Westberlinerin ohne Dialekt, hochdeutsch sprechend, und die aktuelle Fahndung mit dem Foto zielt vor allem darauf ab, ihre Identität über Bekannte aus der grenzüberschreitenden Musikszene (West-Ost-Connections, die damals riskant und spannend waren) zu klären – vielleicht war sie eine der vielen, die zwischen den Welten pendelten, Konzerte besuchten, in WGs lebten und in einer Zeit voller Aufbruch und Gefahr unterwegs waren.

Die grenzüberschreitende Musikszene in Berlin während der 1980er Jahre war tatsächlich extrem riskant – und genau das machte sie so intensiv und legendär. In einer geteilten Stadt, wo die Mauer nicht nur physisch, sondern auch ideologisch und strafrechtlich trennte, bedeutete jeder Kontakt zwischen Ost und West für die Beteiligten ein echtes Risiko: Verhaftung, Stasi-Überwachung, Haftstrafen, Berufsverbote oder sogar Zwangsausbürgerung im Osten; im Westen drohten manchmal nur Schikanen, aber oft auch Gewalt von Skinheads oder Neonazis gegen die „linke“ Szene.

Warum riskant?

Im Osten (DDR) galt Punk, New Wave und alles, was nach westlicher „Dekadenz“ roch, als staatsfeindlich. Die Stasi beobachtete die Szene genau, Jugendliche wurden als „negativ-dekadente Elemente“ eingestuft. Illegale Konzerte fanden oft in Kirchen, Privatwohnungen oder Hinterhöfen statt – und wer dabei erwischt wurde, riskierte Jugendwerkhof, Knast oder Enteignung. West-Musik (Sex Pistols, Clash, NDW-Bands) kam über verbotene West-Radio-Sender (RIAS, BBC) oder geschmuggelte Kassetten rein, und wer solche Bänder kopierte/verbreitete, machte sich strafbar. Bands wie Feeling B., Die Firma oder Namenlose spielten unter Pseudonymen oder als „andere Bands“, um Genehmigungen zu umgehen.Im Westen war die Szene freier, aber Kreuzberg und Schöneberg waren Hotspots für Squats, Drogen, Gewalt und rechte Übergriffe. Clubs wie SO36 (Kreuzberg, Herz des West-Punk mit Bands wie Einstürzende Neubauten, Die Ärzte oder Malaria!) oder Risiko (Yorckstraße, wo Blixa Bargeld mal hinterm Tresen stand und Nick Cave, Jim Jarmusch abhängen) waren chaotisch, voller Drogen, Kämpfe und Skinhead-Überfälle – und doch Treffpunkt für alle, die die Teilung hassten.

Die echte Grenzüberschreitung passierte durch:Illegale Auftritte,  West-Bands wie Die Toten Hosen spielten heimlich in Ost-Kirchen (1983 und 1988), organisiert von Leuten wie Mark Reeder – das war hochgefährlich, weil die Stasi sofort zuschlug.

Kassetten-Tausch und Schmuggel fanden statt.

Ost-Punks kopierten West-Platten und schickten sie zurück; Westler brachten Magazine oder Tapes mit. Manche Ost-Bewohner , mit Sondergenehmigungen kamen rüber, Westler fuhren rüber (z. B. über Kontakte in der Kirche). Die Musik floss in beide Richtungen – Einstürzende Neubauten spielten erst 1989 offiziell im Osten (im Kulturhaus Elektrokohle Lichtenberg), davor gab’s nur Gerüchte und verbotene Tapes.

Mauerkonzerte als Symbol, 1987/88 spielten David Bowie, Eurythmics, Genesis oder Pink Floyd direkt vor dem Reichstag – die Musik wehte über die Mauer, Tausende Ost-Jugendliche drängten sich am Brandenburger Tor, es kam zu Krawallen mit der Volkspolizei. Das war ein direkter Akt der Provokation. Die DDR-Führung versuchte sogar, solche Konzerte beim West-Senat verbieten zu lassen.

Insgesamt war diese Szene ein Mikrokosmos des Kalten Krieges.

Punk als Rebellion gegen beide Systeme – gegen die spießige BRD und die autoritäre DDR. Viele in der Underground-Szene (besonders Frauen in der New-Wave/Punk-Ära) lebten genau in diesem Spannungsfeld.

WG-Partys, illegale Shows, grenzüberschreitende Freundschaften, aber immer mit dem Bewusstsein, dass ein falscher Schritt alles zerstören konnte. Deshalb der „riskant“-Aspekt: Es ging nicht nur um Musik, sondern um Freiheit, Identität und echtes Leben gegen die Mauer – und das kostete manche den Job, die Freiheit oder sogar das Leben in Haft.

Wer irgendwelche Informationen hat, möge sich bitte an die Berliner 4. Mordkommission unter der Nummer +49304664911444 oder lka114-Hinweis@polizei.berlin.de wenden.

 

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