Titelbild: Grönland Pexels
Trump-nahe Ölfirma landet ohne Genehmigung Bohrausrüstung in Grönland – Regierung in Nuuk spricht Verwarnung aus
Nuuk/Denver. In Grönland spitzt sich ein Konflikt um geplante Ölbohrungen zu: Das texanische Unternehmen Greenland Energy hat in der abgelegenen Ostküstenregion Jameson Land Bohrausrüstung anlanden lassen – nach Angaben der grönländischen Regierung ohne die dafür nötige behördliche Genehmigung.
Container und Bagger ohne Erlaubnis angelandet
Am Abend des 29. Juli 2026 löschte der dänische Schlepper „Bestla“ im Hafen von Nerlerit Inaat einen Bagger und mindestens 15 Container von einer Barge. Dokumentiert wurde der Vorgang von der dänischen Rechercheplattform Danwatch. Wie mehrere Medien berichten, war für diesen Transport keine gültige Genehmigung vorhanden – die bisherige Transportgenehmigung war ausgelaufen und bis dahin nicht erneuert worden, wie das grönländische Energieministerium mitteilte.
Die Regierung in Nuuk reagierte mit deutlichen Worten. Sie verwies auf die fehlende Genehmigung für die Anlandung der Explorationsausrüstung und stellte klar, dass künftige logistische Maßnahmen vorab bei der Bodenschätzebehörde angemeldet und von dieser genehmigt werden müssen.
Der Leiter des zuständigen Rohstoffdepartements, Jørgen Hammeken-Holm, drohte im grönländischen Rundfunk KNR bei fortgesetzten illegalen Aktivitäten mit dem Einsatz von Polizei und Militär, bezeichnete die eingereichten Antragsunterlagen des Unternehmens zugleich aber als professionell.
Milliardenschwere Ölvorkommen vermutet
Greenland Energy wurde erst im vergangenen Jahr in Texas gegründet. Das Unternehmen geht davon aus, dass unter der Region Jameson Land Rohölvorkommen im Wert von rund einer Billion US-Dollar lagern könnten, und plant nach Recherchen des „Guardian“ rund 60 Millionen Dollar in zwei Probebohrungen zu investieren.
Rechtlich kompliziert wird das Vorhaben dadurch, dass Grönland 2021 aus Umweltgründen einen generellen Stopp für neue Öl- und Gaslizenzen verhängt hatte. Bestehende Explorationsrechte in Jameson Land hält weiterhin die britische Firma 80 Mile; Greenland Energy will sich dort per Mehrheitsbeteiligung einkaufen, benötigt dafür aber ebenfalls eine behördliche Freigabe. Bereits im Juni hatte ein Unternehmensvertreter bei einer Bürgerversammlung fälschlicherweise behauptet, die Genehmigung zur Anlandung von Bohrgeräten liege bereits vor.
Widerstand vor Ort, Trump hält an Grönland-Anspruch fest
Auch die betroffene Bevölkerung reagiert alarmiert. Unternehmenschef Robert Price reiste Anfang Juni persönlich in die abgelegene Gemeinde Ittoqqortoormiit, um Anwohner über die geplanten Aktivitäten zu informieren – offenbar ohne alle Bedenken ausräumen zu können. Die Oppositionspartei Naleraq forderte auf Facebook eine transparente Aufklärung des Vorgangs.
Überschattet wird der Streit von der politischen Großwetterlage: US-Präsident Donald Trump erhebt seit Monaten Anspruch auf die Kontrolle Grönlands.
Am Rande des NATO-Gipfels in Ankara bekräftigte er im Juli erneut, das Gebiet solle von den USA und nicht von Dänemark kontrolliert werden. Nur wenige Tage nach der Verwarnung an Greenland Energy veröffentlichte Trump zudem einen Beitrag auf Truth Social, der ihn bildlich über einem grönländischen Dorf zeigt. Firmenverantwortliche betonen dagegen, das Ölprojekt stehe in keinem Zusammenhang mit möglichen US-Annexionsplänen.
Grönland gehört zu Dänemark, verfügt jedoch über weitreichende Selbstverwaltung. Sowohl Kopenhagen als auch Nuuk haben wiederholt klargestellt, dass die Insel nicht zum Verkauf stehe. Ob und wann neue Öllizenzen für die umstrittene Region genehmigt werden, ist weiterhin offen.
Quellen: Berliner Zeitung, t-online, Frankfurter Rundschau/Werra-Rundschau, ORF, onvista/dpa-AFX, Stand: 9. August 2026
