USA

Laura Loomer: Die „Proud Islamophobe“, Trumps Einflüsterin und die Grenzen europäischer Einreiseverbote

Laura Loomer im Januar 2024, Gage Skidmore, Lizenz 3.0

Laura Loomer hat sich von einer Randfigur der amerikanischen Online-Rechten zu einer Person mit direktem Zugang zu Donald Trump entwickelt. Sie bezeichnet sich selbst als investigative Journalistin, als „proud Islamophobe“ und zeitweise als „pro-white nationalist“.
Ihr Einfluss zeigt sich nicht in offiziellen Ämtern, sondern in der Fähigkeit, Personalentscheidungen im Weißen Haus mitzubestimmen und Narrative zu setzen. Nach dem Studium der Broadcast-Journalismus an der Barry University in Florida arbeitete sie für Project Veritas und fiel früh durch Undercover-Aktionen und öffentliche Auftritte auf, die sich gegen Muslime richteten. Später kandidierte sie erfolglos für den Kongress und baute sich eine eigene Plattform auf, die sie „Loomer Unleashed“ nennt.


Ihre öffentlichen Äußerungen sind seit Jahren von Islamophobie, rassistischen Aussagen und Verschwörungserzählungen geprägt. Nach dem New Yorker Lkw-Anschlag 2017 forderte sie eine nicht-islamische Alternative zu Uber und Lyft und wurde daraufhin von beiden Diensten gesperrt. Sie nannte den Islam einen „Krebs“ und forderte, nie wieder einen Muslim in die zivilisierte Welt zu lassen. Gegen die muslimische Kongressabgeordnete Ilhan Omar richtete sie wiederholte Angriffe, die zu Sperren auf Twitter (heute X), Facebook und Instagram führten.
Sie verbreitete die Behauptung, die Anschläge vom 11. September 2001 seien ein „Inside Job“. Rassistische Kommentare zu Kamala Harris, darunter die Aussage, das Weiße Haus werde nach Curry riechen und Reden über Callcenter laufen, sorgten selbst in republikanischen Kreisen für Kritik. Sie verstärkte die falsche Behauptung, haitianische Migranten in Springfield, Ohio, würden Haustiere essen – eine Narrative, die Trump in der Debatte 2024 aufgriff. Noch im November 2026 äußerte sie, sie würde lieber an terminalem Krebs sterben als in einem Land mit muslimischen Politikern leben. Viele Plattformen und Finanzdienste wie PayPal, Venmo und GoFundMe sperrten sie wegen Hassrede. Auf X ist sie seit Elon Musks Übernahme wieder aktiv und hat knapp zwei Millionen Follower. Trump nannte sie öffentlich eine Patriotin, eine sehr nette Person und eine große republikanische Strategin. Er warnte scherzhaft, niemand wolle „geloomert“ werden – ein Begriff, den Loomer selbst für ihre Kampagnen gegen vermeintlich illoyale Beamte verwendet.


Der Tagesschau-Artikel vom Oktober 2025 beschreibt, wie Loomer ohne offiziellen Post Entlassungen mitverursachte. Sie recherchiert vermeintliche Illoyalität gegenüber Trump, informiert Vorgesetzte und wendet sich bei Bedarf direkt an den Präsidenten. Zu den bekannten Fällen gehören der damalige Nationale Sicherheitsberater Mike Waltz und NSA-Chef Timothy D. Haugh.
Beobachter schätzen die Zahl der „Skalpe“ auf mindestens 25, mit einer höheren Dunkelziffer. Im Frühjahr 2025 traf sie Trump im Oval Office und präsentierte Listen illoyaler Mitarbeiter. Auch 2026 blieb sie präsent: Sie flog mit Trump auf der Air Force One, begleitete ihn zu Veranstaltungen und äußerte sich kritisch zu den GOP-Aussichten bei den Midterms. Gleichzeitig blieb ihre Islamophobie konstant.

Besonders relevant für den Vorwurf der russischen Propaganda ist Loomers langjährige Haltung zum Ukraine-Krieg. Sie verbreitete Narrative über Nazis in der Ukraine, lehnte US-Hilfe ab und schrieb für den russischen Staatssender RT. Im Juli 2026 reiste sie nach Kiew, traf Wolodymyr Selenskyj, besuchte Butscha und die Pechersk Lavra und machte öffentlich eine Kehrtwende. In Interviews, unter anderem mit der Associated Press, und in einem eigenen Text erklärte sie, sie sei von russischer Propaganda „bamboozled“ worden, habe Unwahres geglaubt und weitergegeben. Sie warnte seither andere Konservative vor Moskauer Desinformation und nannte Figuren wie Tucker Carlson und Candace Owens als Beispiele für Einflussnahme. Ob diese Umkehr nachhaltig ist oder taktisch, bleibt umstritten. Ihre übrigen extremen Positionen, insbesondere die Islamophobie und rassistischen Aussagen, hat sie nicht zurückgenommen.

Einreiseverbote oder Visa-Verweigerungen im Schengen-Raum über das Schengen Information System sind möglich bei konkreten Sicherheitsbedenken, schwerwiegender Hassrede mit öffentlicher Wirkung, Terrorismusbezug oder Gefährdung der öffentlichen Ordnung. Pauschale Verbote allein aufgrund politischer Nähe zu Trump oder vergangener Falschinformationen reichen dafür in der Regel nicht aus. Es braucht belastbare, aktuelle und rechtlich überprüfbare Gründe. Für Loomer selbst sind keine spezifischen europäischen Einreiseverbote öffentlich dokumentiert. Europäische Behörden können Einzelfälle prüfen, wenn konkrete Hetze oder Sicherheitsrisiken vorliegen. Die dokumentierte Geschichte Loomers – extreme Islamophobie, rassistische Tiraden und die jahrelange Verbreitung russischer Narrative – liefert Material für kritische Beobachtung. Eine automatische Sperre ergibt sich daraus jedoch nicht. Die Entscheidung liegt bei den zuständigen nationalen und europäischen Stellen.


Laura Loomer bleibt ein Beispiel dafür, wie Online-Extremismus, Verschwörungserzählungen und politischer Zugang in der Trump-Ära zusammenwirken können. Ihre Ukraine-Kehrtwende relativiert den Propaganda-Vorwurf in einem Punkt, ändert aber nichts an der dokumentierten Breite ihrer übrigen extremen Äußerungen. Für die europäische Debatte stellt sich die Frage, welche Äußerungen die Schwelle für konkrete Maßnahmen überschreiten und welche im Bereich der Meinungsfreiheit bleiben müssen.

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