Warnung vor Fake-Häusern auf TikTok
In den sozialen Netzwerken kursieren derzeit Angebote, die auf den ersten Blick wie die Erfüllung eines kleinen Traums wirken. Ein eigenes Haus im Garten, ein Büro im Grünen, ein Rückzugsort für die Kinder oder für den Ruhestand, schlüsselfertig geliefert, mit Montage und angeblich sogar mit Baugenehmigung, und das für Preise zwischen siebentausend und vierzehntausend Euro.
Zu sehen sind diese Angebote unter anderem auf dem TikTok-Profil Michael Hoffmann unter dem Nutzernamen fabrikhoffmann, das unter dem Logo Immobilien firmiert und mehr als zweiunddreißigtausend Follower zählt. Die dort gezeigten Häuser wirken modern, in Holz und Glas, großzügig geschnitten, aufwendig beleuchtet und sofort bewohnbar.
Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass kaum etwas von dem, was dort versprochen wird, in Deutschland realistisch sein kann. TikTok selbst kennzeichnet mehrere der Videos mit dem Hinweis Enthält KI-generierte Medien. Fenster ohne Spiegelung, Grundrisse, die in sich nicht stimmig sind, Kräne, die Häuser in unmöglichen Winkeln halten, und immer wieder die gleichen Bilder, die in anderen Ländern mit anderen Preisen und anderen Sprachen auftauchen, deuten darauf hin, dass es sich nicht um Fotos realer Häuser handelt, sondern um künstlich erzeugte Entwürfe. Ein weiterer Hinweis ist die Kontaktführung. Ein Impressum, eine ladungsfähige Adresse in Deutschland oder eine eingetragene Firma sucht man vergeblich. Stattdessen wird auf eine Gmail-Adresse unter http://deutsches.house und auf Telegram-Kanäle mit dem Namen FabrikDE verwiesen, sowie auf eine Webseite gleichen Namens. Als Standort wird in vielen Videos Düsseldorf angegeben, gleichzeitig ist dort aber von Lieferung nach Griechenland, England oder Afrika die Rede. In den Profil-Highlights finden sich zudem Einträge in russischer Sprache.
Der Ablauf entspricht einem Muster, das Verbraucherschützer und Medien wie der NDR in seinem Magazin Markt bereits unter dem Titel Abzocke mit Tiny Houses beschrieben haben. Die extrem niedrigen Preise erzeugen Aufmerksamkeit, die künstliche Verknappung mit Hinweisen wie Haus für September reservieren oder nur noch ein Modul verfügbar erzeugt Druck.
Wer sich meldet, wird in einen privaten Chat auf Telegram gelotst. Dort wird eine Reservierung gegen Vorkasse verlangt, oft fünfzig Prozent des Kaufpreises für die Sicherung des Produktionsplatzes. Wird gezahlt, kommt es nicht zur Lieferung. Stattdessen folgen weitere Forderungen für Transport, Zoll oder Kranmiete. Das Geld ist in der Regel verloren, weil es auf Auslandskonten überwiesen wurde.
Besonders betroffen sind ältere Menschen, die sich einen kleinen, bezahlbaren Rückzugsort wünschen und die technischen Möglichkeiten zur Prüfung solcher Angebote nicht immer haben. Sie sehen ein schönes Video, eine deutsche Flagge, eine deutsche E-Mail und vertrauen darauf, dass ein Angebot mit über neunzigtausend Likes seriös sein muss. Genau darauf zielt die Masche ab.
Wer auf ein solches Angebot gestoßen ist, sollte kein weiteres Geld überweisen und den Kontakt abbrechen. Wichtig ist, alle Beweise zu sichern, also Screenshots der Profile, der Videos, der Chatverläufe und der Überweisungsbelege. Die eigene Bank sollte sofort informiert werden, um zu prüfen, ob eine Rückholung der Zahlung noch möglich ist. Das Profil selbst kann direkt auf TikTok als Betrug gemeldet werden. Darüber hinaus empfiehlt die Verbraucherzentrale, den Fall bei der Online-Wache der Polizei als Internetbetrug im Zusammenhang mit einem Fake-Shop anzuzeigen und die Domain über den Fake-Shop-Finder der Verbraucherzentrale prüfen zu lassen.
Wer in seinem Umfeld jemanden kennt, der interessiert ist, sollte das offene Gespräch suchen und vor Vorkasse warnen. Ein echtes Haus in Deutschland kostet auch als kleines Modul ein Vielfaches der genannten Beträge und kommt niemals ohne Fundament, Statik, Bauantrag und notariell abgesicherte Verträge aus.
