Titelbild: Smith, Connecticut Department of Corrections, 2020
Francis Clifford Smith mit 101 Jahren gestorben
Längst inhaftierter Häftling der USA starb im Pflegeheim in Rocky Hill
Er saß über 70 Jahre hinter Gittern, entging acht Mal der Hinrichtung und beteuerte bis zuletzt seine Unschuld. Nun ist Francis Clifford Smith im Alter von 101 Jahren gestorben.
Smith starb am 25. Juni 2026 im Schlaf in der Pflegeeinrichtung „60 West“ in Rocky Hill, Connecticut, wo er seit seiner Entlassung auf Bewährung lebte.
Vom Todestrakt in die Geschichtsbücher
Geboren am 1. September 1924 in Stamford, Connecticut, wurde Smith 1950 im Alter von 25 Jahren wegen Mordes ersten Grades verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, am 23. Juli 1949 den 68-jährigen Nachtwächter Grover Hart bei einem Raubüberfall auf den Indian Harbor Yacht Club in Greenwich erschossen zu haben.
Das Gericht verurteilte ihn zum Tode. Acht Mal wurde ein Hinrichtungstermin angesetzt, acht Mal wurde er verschoben oder ausgesetzt. Diese juristische Hängepartie führte zu einer makabren Besonderheit: [Smith](https://www.google.com/search?q=smith&kgmid=/m/02vwns) wurde in der Todeszelle insgesamt achtmal seine Henkersmahlzeit serviert, ehe die Vollstreckung in allerletzter Sekunde aufgeschoben wurde. Erst 1954 wurde das Urteil schließlich endgültig in lebenslänglich umgewandelt.
Der „Vogelmann von Osborn“ und ein Fluchtversuch
In seinen jüngeren Jahren als Häftling wollte sich Smith nicht mit seinem Schicksal abfinden. In seiner Verzweiflung unternahm er einen spektakulären Fluchtversuch, bei dem ihm der Ausbruch aus den Gefängnismauern gelang. Die Freiheit war jedoch von kurzer Dauer: Nach nur wenigen Tagen wurde er von den Behörden wieder gefasst.
Über die folgenden Jahrzehnte wandelte sich der einst aufmüpfige Häftling in der Justizvollzugsanstalt Osborn zu einer regelrechten Institution. Er erlangte dort den liebevollen Spitznamen „The Birdman of Osborn“ (Der Vogelmann von Osborn). Sprecher der Gefängnisbehörde berichteten nach seinem Tod, dass Smith bei jeder Gelegenheit heimlich so viel Brot wie möglich in seiner Kleidung herausschmuggelte, um auf dem Gefängnisgelände die Vögel zu füttern. Das Personal drückte dabei jahrzehntelang wohlwollend ein Auge zu.
Smith saß letztlich länger im Gefängnis als jeder andere Häftling in den USA. Bis zu seiner Entlassung im Juli 2020 verbrachte er über 70 Jahre hinter Gittern. [4]
„Ich bin hier ohne jegliche Beweise“
Smith betonte sein Leben lang, den Mord nicht begangen zu haben. 2023 sagte er dem Boston Globe: „I’m in here on no evidence at all“.
Im Laufe der Jahre kamen erhebliche Zweifel an den Beweisen auf. Ein Zeuge widerrief, ein Mitangeklagter nahm seine Aussage zurück und ein anderer Mann gestand die Tat. Sogar einer der damals beteiligten Polizeibeamten äußerte später öffentlich Zweifel an Smiths Schuld. Zu einer Neuaufnahme des Verfahrens kam es jedoch trotz allem nicht.
Letzte Jahre in Bewährung
Im Juli 2020 wurde der damals 95-Jährige auf freien Fuß gesetzt. Er verblieb auf beaufsichtigter Bewährung und wurde in die gesicherte Einrichtung „60 West“ verlegt, die ältere Menschen aus dem Justizsystem betreut.
Dort starb er Ende Juni 2026, nur wenige Monate vor seinem 102. Geburtstag. Laut Heim-Sprecher David Skoczulek „starb er im Wesentlichen an Altersschwäche“. Angehörige waren kaum involviert. Smith wurde ohne Trauerfeier eingeäschert.
Mit seinem Tod geht ein Kapitel amerikanischer Justizgeschichte zu Ende – die Geschichte eines Mannes, der länger im Gefängnis war als viele seiner Richter lebten.
