Titelbild: Old Timer Autos de/TikTok/Screenshot
„Oldtimer für 400 Euro“: Wie Betrüger auf TikTok mit Traumautos Geld abgreifen
FRANKFURT Ein roter Mercedes-Benz 250 CE Baujahr 1972 steht auf einem gepflasterten Hof. Der Lack glänzt, das Chrom ist poliert, das Auto wirkt wie frisch aus dem Museum. Über das Bild ist in großen weißen Ziffern der Preis gelegt: 400 Euro.
In der Bildbeschreibung steht darunter: „Reservierungskosten: 400 Euro. Monatliche Zahlung: möglich. Physische Überprüfung vor der Zahlung…“. Das Profil auf TikTok nennt sich „Old Timer Autos DE“ und zeigt Dutzende weitere Klassiker. Ein Mercedes W126 mit dem Hinweis „8.520 Euro Full cost“, ein 190E für 450 Euro, ein Kombi für 500 Euro, ein SLC für 560 Euro. Für Autoliebhaber sieht das aus wie das Schnäppchen des Jahres. In Wahrheit steckt dahinter eine Betrugsmasche, vor der Polizei und Verbraucherschützer seit Monaten warnen.
Der Account wirkt auf den ersten Blick professionell. Täglich erscheinen neue Videos, immer mit einem Traumauto und einem viel zu niedrigen Preis direkt eingeblendet. Drei Beiträge sind oben angeheftet, damit jeder Besucher sie sofort sieht. Die Aufrufzahlen sind hoch.
Ein roter 190E wurde mehr als 338.000 Mal angeklickt, andere Videos kommen auf mehrere zehntausend Aufrufe. Kommentare werden kaum beantwortet. Stattdessen läuft die Kommunikation über Direktnachrichten. Wer dort nachfragt, bekommt schnell Antwort. Das Fahrzeug sei noch verfügbar, aber die Nachfrage sei groß. Um es zu sichern, müsse man eine Reservierungsgebühr überweisen. 400 Euro, 600 Euro, in anderen Fällen sogar 1500 Euro. Bezahlt werden soll per Überweisung, per PayPal an Freunde oder mit Geschenkkarten.
Sobald das Geld überwiesen ist, beginnt der zweite Teil der Masche. Plötzlich steht das Auto nicht mehr vor Ort, sondern in einem Zolllager im Ausland. Es gebe Probleme mit dem Transport, mit dem Zoll, mit den Papieren. Und für all das werde noch einmal Geld benötigt. Wer nach einer Besichtigung fragt, wird vertröstet.
Wer auf einen Kaufvertrag besteht, bekommt ihn nie zu sehen. Am Ende bricht der Kontakt ab. Das Auto hat es nie gegeben.
Dass die Angebote nicht echt sind, erkennt man schon an den Bildern. Der rote 250 CE für 400 Euro stammt aus einem US-Auktionshaus. Der blaue W114, der silberne W126, der gelbe Kleinwagen mit der Aufschrift „Reserved“ tauchen mit denselben Fotos auf anderen Händler-Seiten, in Facebook-Gruppen und auf Instagram auf. Teilweise sind Kennzeichen unkenntlich gemacht, auf einem Bild ist sogar ein Kennzeichen mit „DUBAI 1717“ zu sehen. Auf dem Profil selbst findet sich kein Impressum, keine Firmenadresse, keine Telefonnummer und kein Hinweis darauf, wo die Fahrzeuge stehen sollen.
Für Experten ist das Vorgehen eindeutig. Ein Mercedes 250 CE Baujahr 1972 kostet auf dem freien Markt zwischen 25.000 und 45.000 Euro. Selbst ein Fahrzeug mit Motorschaden bringt ein Vielfaches von 400 Euro. Auch ein W126, ein SLC oder ein gut erhaltener 190E liegen preislich weit im fünfstelligen Bereich. Diese Preise werden nur genutzt, um die Gier und die Hoffnung auf das eine große Schnäppchen zu wecken.
Die Polizei rät in solchen Fällen zu äußerster Vorsicht. Seriöse Autohändler arbeiten transparent. Sie haben eine Website mit Impressum, sie bieten eine Besichtigung an, sie machen eine Probefahrt und sie schließen einen schriftlichen Kaufvertrag ab. Bezahlt wird in der Regel erst bei Übergabe und auf ein Firmenkonto. Wer im Internet ein Auto kauft, sollte es immer persönlich ansehen und die Fahrzeugpapiere prüfen. Vorauszahlungen, Reservierungsgebühren oder Zahlungen über ungesicherte Wege sind ein klares Warnsignal.
„Old Timer Autos DE“ ist nur ein Beispiel von vielen.
Auf TikTok, Instagram und Facebook tauchen ständig neue Profile mit denselben Bildern und denselben Preisen auf. Oft werden sie gelöscht, tauchen aber wenige Tage später unter neuem Namen wieder auf. Nutzer, die auf die Masche hereingefallen sind, sollten umgehend Anzeige bei der Polizei erstatten und ihre Bank informieren. Auch wenn die Chancen gering sind, das Geld wiederzusehen, ist das der einzige Weg, die Täter zu verfolgen.
Wer solche Videos sieht, sollte sie melden und andere warnen. Denn jeder Klick, jedes „Gefällt mir“ und jede Anfrage macht die Betrüger glaubwürdiger. Und am Ende zahlen nicht nur die direkt Geschädigten, sondern auch all jene, die durch solche Fälle das Vertrauen in den Online-Autohandel verlieren.
