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Das Kreuz mit der illegalen Migration aus Libyen

Titelbild: Libyen Beispielbild, pixabayDie Zunahme der illegalen Migration aus Libyen nach Griechenland, insbesondere über die Route nach Kreta und Gavdos, lässt sich nicht primär oder direkt auf die GEAS-Reform zurückführen. Diese Entwicklung hat vielmehr mit längerfristigen Dynamiken der Schmuggler-Netzwerke, der anhaltenden Instabilität in Libyen und den etablierten Gegenmaßnahmen der EU und Griechenlands zu tun – die GEAS-Reform, die seit dem 12. Juni 2026 voll greift, spielt dabei bisher eine untergeordnete oder sogar gegenläufige Rolle.

Die Route von Ostlibyen (vor allem aus Gebieten wie Tobruk oder Benghazi) nach Südgriechenland hat sich seit 2024/2025 deutlich verstärkt. Während die Ankunftszahlen auf den griechischen Inseln aus der Türkei durch das EU-Türkei-Abkommen und verstärkte Kontrollen relativ stabil oder rückläufig blieben, nutzen Schmuggler zunehmend die längere und gefährlichere Überfahrt aus Libyen. In den vergangenen Monaten und Jahren kamen Zehntausende – teils über 20.000 allein 2025 und weitere Tausende 2026 – hauptsächlich aus Ägypten, Bangladesch, Pakistan, Sudan und anderen Ländern auf Kreta und Gavdos an. Diese Boote starten oft aus östlichen libyschen Gebieten, die von rivalisierenden Milizen und Kräften unter Khalifa Haftar kontrolliert werden.

Mit Libyen zu verhandeln bleibt extrem schwierig, weil es kein funktionierender Zentralstaat ist, sondern ein von rivalisierenden Milizen, Warlords und zwei konkurrierenden Machtzentren (Tripolis im Westen und Haftar im Osten) zerrissenes Land. Die EU versucht trotzdem seit Jahren, über finanzielle Anreize, Ausbildung der Küstenwache und technische Hilfe Einfluss zu nehmen – bisher mit sehr begrenzten und oft problematischen Erfolgen. Die EU finanziert Programme in Libyen (hunderte Millionen Euro), unterstützt die libysche Küstenwache über Missionen wie EUBAM und IRINI und baut nun sogar ein neues Maritime Rescue Coordination Centre (MRCC) in Benghazi im Osten auf, um Abfahrten von dort besser zu unterbinden. Man spricht inzwischen auch offener mit Haftars Leuten im Osten, obwohl das früher tabu war. Italien und Griechenland drängen besonders darauf.

Trotzdem bleibt die Lage fragil: Milizen verdienen am Schmuggel, die Kontrolle über Häfen und Küsten ist lückenhaft, und jede Seite nutzt die Migration auch als Druckmittel gegenüber der EU. Berichte über Missbrauch in libyschen Lagern, Pushbacks mit Gewalt und mangelnde Rechtsstaatlichkeit sorgen für scharfe Kritik. Griechenland hat auf diesen neuen Druck mit harten Maßnahmen reagiert: Temporäre Aussetzung des Asylverfahrens für Ankommende aus Nordafrika, schnellere Rückführungen (vor allem bei Bürgern „sicherer“ Herkunftsländer), Ausbau der Überwachung, Transfers auf das Festland und sogar Pläne für Marineeinsätze in internationalen Gewässern nahe Libyen mit Kriegsschiffen. Diese Schritte erinnern an frühere Abschottungsstrategien und gehen teils über das hinaus, was GEAS vorsieht.

Die Reform selbst zielt genau darauf ab, solche unkontrollierten Ankünfte an den Außengrenzen besser zu managen: Durch einheitliche, beschleunigte Grenzverfahren (Border Procedures), schnellere Ablehnungen und Rückführungen bei geringen Erfolgschancen sowie einen Solidaritätsmechanismus, der Länder wie Griechenland entlasten soll. Statt sekundärer Weiterwanderung innerhalb der EU zu fördern, soll GEAS Anreize für irreguläre Bewegungen verringern und die Verantwortung an den Außengrenzen stärken. Es gibt keine klaren Hinweise, dass die GEAS-Reform Schmuggler speziell zu dieser Libyen-Kreta-Route motiviert hätte. Im Gegenteil: Viele Beobachter sehen in der Routenverschiebung eher eine Anpassung der Schmuggler an verstärkte Kontrollen auf anderen Pfaden.

Libyen bleibt ein zentraler Transitstaat mit schwacher Staatlichkeit, in dem Milizen von Menschenschmuggel profitieren und die EU-Partnerschaften fragil sind. Die längere Seestrecke erhöht zwar die Risiken und Todesfälle, doch für viele Migranten scheint sie attraktiver als Alternativen. Kurz gesagt: GEAS kann intern etwas Ordnung schaffen, aber solange Libyen ein failed-state-ähnliches Chaos mit profitablen Schmuggelnetzwerken bleibt, wird es immer wieder Lücken geben. Die EU setzt auf eine Mischung aus Geld, Druck und technischer Hilfe, aber echte Durchbrüche wären nur mit mehr Stabilität in Libyen selbst möglich – und die ist nicht in Sicht. Die Dynamik bleibt eine ständige Katze-und-Maus zwischen Schmugglern, Milizen und europäischen Gegenmaßnahmen. Die Migration wird weiterhin durch Push- und Pull-Faktoren in Herkunfts- und Transitländern sowie europäische Politik gleichermaßen beeinflusst.

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