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Menschen im All – über Jahre

 

Titelbild: Beispielbild Pixabay

Menschen, die über zwanzig Jahre oder länger ununterbrochen im All leben würden – eine hypothetische Situation, denn bislang hat kein Mensch auch nur annähernd so lange in der Schwerelosigkeit verbracht, die längsten dokumentierten Aufenthalte liegen bei knapp einem Jahr –, würden durch die anhaltende Einwirkung von Mikrogravitation, kosmischer Strahlung, Isolation und Enge ein Erscheinungsbild entwickeln, das sich grundlegend von dem eines Erdbewohners unterscheidet und sowohl körperlich als auch psychisch tiefe Spuren hinterlässt.


Der Körper, der auf der Erde unter ständiger Schwerkraftbelastung aufgebaut wurde, beginnt bereits nach wenigen Wochen mit einem schleichenden, aber unaufhaltsamen Abbauprozess, der sich über Jahrzehnte hinweg zu einem Zustand permanenter Anpassung und gleichzeitiger Degeneration verdichtet.


In der Schwerelosigkeit verschieben sich die Körperflüssigkeiten nach oben, was zu einem dauerhaft aufgedunsenen, rundlichen Gesicht führt, während Arme und Beine durch den fehlenden Widerstand gegen die Gravitation dünn und fast vogelartig wirken, ein Kontrast, der sich mit der Zeit so sehr einprägt, dass die Proportionen eines langjährigen Raumfahrers von Weitem erkennbar wären: ein volles, leicht geschwollenes Antlitz mit möglicherweise leicht geröteten oder müde wirkenden Augen, kontrastiert von schlanken, muskelarmen Extremitäten, die trotz intensiven Trainings mit speziellen Widerstandsbändern oder Laufbändern nie die volle irdische Stärke zurückerlangen.


Die Muskeln atrophiieren rapide, besonders in den Haltemuskeln von Beinen, Rücken und Nacken, sodass selbst bei strengstem Gegenmaßnahmenprogramm über die Jahre eine spürbare Schwächung eintritt, die den Körper insgesamt schlanker und fragiler erscheinen lässt, fast wie bei einem hochtrainierten Athleten, der dennoch von einer unsichtbaren Last gezeichnet ist. Gleichzeitig verliert die Knochenstruktur monatlich bis zu zwei Prozent an Dichte, was sich langfristig in einer porösen, osteoporoseähnlichen Beschaffenheit niederschlägt; die Wirbelsäule dehnt sich aus, macht die Menschen im All vorübergehend größer und verleiht ihnen eine aufrechte, fast schwerelose Haltung, die jedoch bei jeder Bewegung in der Kabine eine vorsichtige, fließende Eleganz erzeugt, da der Körper keine natürliche Belastung mehr spürt. Die kosmische Strahlung, die auf der Internationalen Raumstation bereits dreihundertmal höher ist als auf der Erde und in tieferem All noch zunimmt, beschleunigt Alterungsprozesse auf zellulärer Ebene, sodass die Haut blasser und dünner wird, mit ersten Anzeichen vorzeitiger Faltenbildung, Pigmentstörungen oder einer erhöhten Empfindlichkeit, die sie empfindlich auf Berührungen reagieren lässt; Telomere, die Schutzkappen der Chromosomen, verlängern sich paradoxerweise zunächst als Stressreaktion, verkürzen sich aber nachhaltig und tragen zu einem beschleunigten biologischen Altern bei, was sich äußerlich in einem gealterten, aber gleichzeitig trainierten Aussehen äußert – graue Strähnen früher als erwartet, eine etwas durchscheinende Haut und ein Gesicht, das trotz regelmäßiger Ernährung und medizinischer Überwachung Spuren von Entzündungsprozessen und oxidativem Stress zeigt.


Die Augen leiden besonders unter dem Spaceflight-Associated Neuro-Ocular Syndrome: Flüssigkeitsdruck verändert die Form des Augapfels, schwillt den Sehnerv an und führt zu einer Verschlechterung der Nahsicht, sodass viele Langzeitbewohner mit Korrekturbrillen oder einem leicht abwesenden, fokussierten Blick wirken, der von Kopfschmerzen oder leichten Sehstörungen begleitet sein kann, ohne dass dies die tägliche Arbeit beeinträchtigt. Das Herz-Kreislauf-System passt sich an, indem es effizienter wird, aber weniger belastbar, was die Ausdauer mindert und zu einer insgesamt ruhigeren, fast schwerelosen Bewegungsart beiträgt; das Immunsystem schwächt sich durch die Strahlung und den Stress, was zu häufigeren, wenn auch milden Infekten führen kann, die die Haut blasser und die Augenringe tiefer machen, ohne dass der Alltag zusammenbricht.




Über zwei Jahrzehnte hinweg würde der Körper also nicht mehr wie der eines jungen Erdbewohners aussehen, sondern wie der eines speziell angepassten Raumwesens: schlank, proportioniert verändert, mit einem Gesicht, das durch die ständige Flüssigkeitsverlagerung weicher und voller wirkt, einer Haut, die von der Strahlung gezeichnet ist, und einer Haltung, die in der Schwerelosigkeit elegant und energisch bleibt, solange das Training konsequent durchgehalten wird, doch zugleich zerbrechlich und von den unsichtbaren Kräften des Alls geformt.

Gleichzeitig verändert sich die Psyche in einer Weise, die sich äußerlich kaum dramatisch, aber subtil in Mimik, Haltung und Ausstrahlung zeigt, denn die extreme Isolation, die Enge einer Raumstation und der fehlende natürliche Tag-Nacht-Rhythmus erzeugen eine innere Anspannung, die sich über Jahre hinweg in Resilienz und zugleich in einer tiefen emotionalen Schichtung verwandelt.

Anfangs dominieren Anpassungsschwierigkeiten wie Schlafstörungen durch künstliches Licht und fehlende Gravitation, was zu müden, leicht geröteten Augen und einer gewissen Reizbarkeit führt, doch mit der Zeit entwickelt sich eine Art drittes Viertelphänomen, wie es aus Analogstudien in der Antarktis bekannt ist: eine Phase der emotionalen Abflachung, in der Stimmungsschwankungen, leichte depressive Tendenzen oder eine gesteigerte Sensibilität gegenüber den Mitbewohnern auftreten, die sich in einem nachdenklichen, manchmal abwesenden Gesichtsausdruck äußert.



Die Psyche passt sich jedoch an die Umgebung an, indem sie eine bemerkenswerte mentale Stärke aufbaut – der sogenannte Overview-Effekt, der die Erde aus der Ferne als fragile Kugel zeigt, kann zu einer dauerhaften inneren Ruhe und philosophischen Gelassenheit führen, die sich in einem ruhigen, fokussierten Blick widerspiegelt, frei von irdischen Alltagssorgen, doch zugleich belastet von der ständigen Bewusstheit der eigenen Verletzlichkeit und der Abhängigkeit von der Technik.
Kognitive Funktionen wie Konzentration und Entscheidungsfindung bleiben bei gut trainierten Crews erhalten, leiden aber unter der kumulativen Strahlung und dem Stress, was sich in gelegentlichen Momenten der Erschöpfung oder einer verlangsamten Reaktion zeigen kann; Schlafprobleme und der Mangel an natürlichen Reizen verstärken dies, sodass die Menschen nach zwanzig Jahren im All oft einen Ausdruck von tiefer, fast meditativer Konzentration tragen, gepaart mit einer leichten emotionalen Distanz, die aus der Notwendigkeit entsteht, Konflikte in der kleinen Gruppe zu minimieren und die eigene Psyche zu schützen. Die Isolation verstärkt das Gefühl der Zusammengehörigkeit innerhalb der Crew, doch sie kann auch zu einer veränderten Wahrnehmung der eigenen Identität führen, in der die Erde als ferne Erinnerung wirkt und das All zur neuen Normalität wird – ein Zustand, der sich äußerlich in einer ruhigen, kontrollierten Mimik manifestiert, ohne die hektischen Gesten des Erdenalltags, dafür mit einer Präsenz, die von jahrelanger mentaler Disziplin zeugt. Insgesamt würden diese Menschen also nicht gebrochen oder krank wirken, sondern wie eine neue Form der menschlichen Existenz.



Körperlich angepasst an die Schwerelosigkeit mit ihren charakteristischen Proportionen und Alterungsspuren, psychisch gefestigt durch extreme Herausforderungen, mit einem Blick, der Weite und Enge zugleich verkörpert, und einem gesamten Erscheinungsbild, das von der Schönheit und der Härte des Alls geprägt ist, einer Mischung aus Stärke, Zerbrechlichkeit und einer tiefen, inneren Gelassenheit, die nur entstehen kann, wenn man zwei Jahrzehnte oder mehr in dieser fremden Umgebung überlebt und sich ihr vollkommen hingegeben hat.

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