Cold Case Uncategorisiert

Der ungelöste Mord an Claus und Zohre Lange, 1999

Titelbild: Polizei Offenbach

Der gewaltsame Tod des Ehepaars Claus und Zohre Lange am 25. März 1999 in Rödermark gehört zu den rätselhaftesten und brutalsten ungeklärten Kriminalfällen in Deutschland. Der 59-jährige Arzt Claus Lange und seine 54-jährige Ehefrau Zohre, eine Frauenärztin, wurden an jenem Donnerstagabend in ihrem freistehenden Einfamilienhaus in der Potsdamer Straße im ruhigen Stadtteil Breidert überfallen und auf äußerst grausame Weise ermordet.

Claus Lange kam gegen 18 Uhr von einem Einkauf nach Hause und wurde sofort brutal attackiert. Der oder die Täter – die Polizei spricht meist vom Täter im Singular, schließt aber mehrere nicht aus – überwältigten ihn im Kellerbereich, unter anderem im Fitnessraum, und töteten ihn dort.
Als seine Frau Zohre gegen 20:15 Uhr später eintraf, wartete der Täter eiskalt auf sie und tötete auch sie mit extremer Brutalität. Beide Opfer erlitten zahlreiche massive Verletzungen durch stumpfe Gewalt wie Schläge und Hiebe sowie durch scharfe Gewalt in Form von Stichen und Schnitten, vor allem im Kopf- und Oberkörperbereich.
Als Haupttatwaffe gilt ein Messer, ergänzt durch stumpfe Gegenstände. Die Vielzahl und Intensität der Verletzungen zeugen von außergewöhnlicher Grausamkeit und Ausdauer – es handelte sich keineswegs um eine schnelle Tötung.

Die Leichen wurden erst am nächsten Morgen, dem 26. März 1999, von der Reinigungskraft des Paares entdeckt, die zur vereinbarten Zeit kam und die Polizei alarmierte. Aus dem Haus wurden verschiedene Wertgegenstände gestohlen, darunter eine teure Chopard-Damenarmbanduhr, eine dreifach gelegte Damengoldkette sowie ein brauner Herren-Kamelhaarmantel. Auffällig und ungewöhnlich war jedoch, dass der Täter auch die Brillen beider Opfer sowie deren Kreditkarten mitnahm – Letztere wurden jedoch nie benutzt, weder für Abhebungen noch für Käufe. Diese seltsame Auswahl der mitgenommenen Gegenstände sowie das Fehlen jeglicher Nutzung der Karten sprechen laut Ermittlern stark gegen ein klassisches Raubmotiv und deuten eher auf eine persönliche Beziehung zum Opferpaar, Rache, Hass oder ein sehr untypisches, möglicherweise zwanghaftes Nachtatverhalten hin. Die entwendeten Gegenstände sind bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Unmittelbar nach der Tat richtete die Polizei die Sonderkommission „Soko Breidert“ mit bis zu 19 Beamten ein und sicherte zahlreiche Spuren am Tatort. Im Laufe der Jahre gingen über 1.000 Hinweise ein, darunter ein groß angelegter DNA-Massentest mit fast 2.500 Speichelproben von Männern aus dem Umfeld von Zohre Langes Praxis, der jedoch ergebnislos blieb. Der Fall gilt seit Langem als Cold Case und wird von der Arbeitsgruppe „AG Breidert“ – bestehend aus Staatsanwaltschaft Darmstadt, Kommissariat 11 Offenbach und Hessischem Landeskriminalamt – weiter intensiv bearbeitet. Mord verjährt in Deutschland nicht, weshalb die Ermittler betonen, dass sie niemals aufgeben werden.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Fall erneut im November 2020 durch eine ausführliche Darstellung in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… Spezial – Cold Cases“, die zu rund 60 neuen Hinweisen führte, die jedoch nicht zur Aufklärung führten. Auch in den Folgejahren, einschließlich zum 26. Jahrestag 2025, wandten sich die Ermittler wiederholt öffentlich an mögliche Zeugen und Mitwisser. Sie setzen eine Belohnung von 5.000 Euro für entscheidende Informationen aus, die zur Ermittlung oder Ergreifung des Täters führen. Gesucht werden vor allem Beobachtungen aus dem März 1999 im Umfeld der Potsdamer Straße, Hinweise auf Personen, die plötzlich im Besitz der genannten gestohlenen Gegenstände waren, sowie jegliche – auch klein erscheinende – Erinnerungen an das Paar oder ungewöhnliche Begegnungen. Bis heute, mehr als 26 Jahre nach der Tat, gibt es keinen öffentlich bekannten Tatverdächtigen, keine Anklage und kein Gerichtsverfahren.

Das Motiv für diese bestialische Tat bleibt völlig im Dunkeln, doch die Polizei hält die Akten weiterhin offen und hofft auf einen entscheidenden Hinweis, vielleicht von jemandem, der nach all den Jahren doch noch spricht.

Hinweise bitte an +4961811001234

 

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