Allgemeine Nachrichten Archäologie

400 Jahre altes Schiffswrack in Travemündung vor Lübeck entdeckt

Titelbild: Modell einer Fleute im Deutschen Museum München. Gut zu sehen ist das Rundgatt am Heck.

René Kammermeier – Eigenes Foto, Deutsches Museum München, 2012

Modell einer Fleute im Deutschen Museum München

Lübeck, Deutschland

Bei Vermessungsarbeiten in der Travemündung vor Lübeck ist ein rund 400 Jahre altes Wrack eines Frachtseglers entdeckt worden. Die Überreste des etwa 20 Meter langen Holzrumpfs lägen mitsamt der Ladung in elf Metern Wassertiefe und stellten einen bedeutenden archäologischen Fund dar, teilten die Stadt Lübeck und ihre Denkmalschützer am Dienstag mit. Es ist demnach die erste derartige Entdeckung in der westlichen Ostseeregion.

Die Stadtverwaltung und ihr Archäologenteam erhoffen sich durch die Bergung und Untersuchung des nach derzeitigem Kenntnisstand aus dem 17. Jahrhundert stammenden Handelsschiffs nach eigenen Angaben wertvolle Erkenntnisse zur Geschichte Lübecks und den historischen Handelsbeziehungen der Stadt innerhalb des Städtebunds der Hanse. Das Wrack soll vom Grund der Trave gehoben und dann in einem mehrjährigen Verfahren konserviert werden.

„Die wissenschaftliche Erkenntnis dieses spektakulären Wrackfunds wird der Wirtschafts- und Handelsgeschichte der Hansestadt Lübeck ein bis dato unbekanntes neues Puzzleteil hinzufügen“, erklärte Lübecks Kultursenatorin Monika Frank (SPD) am Dienstag anlässlich der öffentlichen Vorstellung der Entdeckung, die Stadt und Experten zunächst einige Monate geheim hielten.

Das Wrack war demnach bereits vor rund zwei Jahren bei Vermessungs- und Peilarbeiten des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts in der Fahrrinne der Travemündung zwischen Lübeck und der Ostsee lokalisiert worden. Aber erst im August 2021 untersuchten Taucher den Bereich näher, wobei sich Hinweise auf ein historisches Wrack ergaben. Anschließend folgten genauere Untersuchungen.

Von dem Schiff, bei dem es sich um ein typisches Frachtschiff aus der Zeit der Hanse vom Typ Galliot oder Fleute handelt, sind nach der langen Zeit unter Wasser noch immer Teile des Rumpfs erhalten. Bedeutend aber ist der Fund laut Experten vor allem wegen der Ladung: Mehr als 150 Fässer wurden in und neben das Wrack bislang gesichtet. Ersten Tests zufolge enthält zumindest ein Teil ungelöschten Kalk, einen Grundstoff im Baustoffhandel.

bro/cfm

© Agence France-Presse

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