Von Bundesarchiv, Bild 102-14151 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5481300
Reisen

Frustrierende Erlebnisse mit und in der Deutschen Bahn

Von Bundesarchiv, Bild 102-14151 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5481300

Bremen –Berlin, sicherlich keine Strecke, schon in den 1930-er Jahren eine reguläre Route des Reisens innerhalb des Schienennetzes. Verspätungen waren in der Zeit der Dampflokomotiven seltener als heute. Seit dem Jahr 1926 war es möglich aus dem fahrenden Zug zu führen.

Leider hatten die Reisenden in diesem ICE keinen Empfang. Seit dem Sommer 1931 gelang es auf der Strecke Hamburg- Bergedorf – Berlin, damals Lehrter Bahnhof, die Reisezeit mit damaliger Technik, auf 98 Minuten zu verkürzen. Im Herbst 2011 benötigt man mehr als das Doppelte, um ans Ziel zu gelangen.

Was man aber mit dem selbstgerechten Konzern Deutsche Bahn AG für die einfache Fahrt für 82 Euro so alles erleben kann, gleicht einem schier unfassbarem Holodeck-Erlebnis aus den Zeiten des Jean Luc Picard. Leider suchte ich vergeblich nach der Ausgangstür ins normale Leben, statt dem soziologischen Experiment eines Datas oder eines panzerschädeligen Klingonen.

Der Metronom von Bremen Hauptbahnhof aus war überfüllt, Gäste einer Veranstaltung, überall leere Flaschen mit alkoholischen Getränken, kurzweilige Gespräche, plärrende, nervtötende Volksmusik in der 2. Klasse. Schreiende Kinder, drückende Enge. Der Geruch von Schweiß, alten Gerichten und abgestandenem Wein verschlugen dem Fahrgast fast die Möglichkeit zu atmen. Trieben die Übelkeit in mir hoch.

Die Toiletten in Hamburgs Hauptbahnhof, der in dichtem Gedränge des voradvendlichen Einkaufsvergnügens stand, waren symbolisch für die unfassbare Profitgier einiger Zeitgenossen, die jegliche Situation schamlos auszunützen wissen, um an mehr Geld zu kommen. Aggressive Bettler versammelten sich mittlerweile in jedem Bahnhof, positionierten sich neben den Fahrkartenautomaten, wahlweise Getränkeautomaten, fragten wie trainiert in dem Moment, als das Wechselgeld fiel, geschickt nach 20 Cent, meinten aber zwei Euro. Die Toilette kostet einen Euro. Die Treppe führte an einem Automaten mit Sperre in dunkle, dreckige Katakombe.

Alte ratternde Züge, zum Teil superfreches Personal, dass den Bahnreisenden die unmittelbare Schuld an Anschlägen auf die Bahnlinien gab. Schließlich, irgendjemand, der nicht greifbar war, konnte ja nur schlecht die aufgestaute Wut der gestressten Bediensteten des ehemaligen Staatsbetriebes auffangen. Zwischen Hamburg-Hauptbahnhof und Berlin waren wieder unbekannte Täter unterwegs, die die Gleisanlagen so manipulierten, dass es erneut zu hinterlistigen Anschlägen kam.

In diesem Zusammenhang wollte man nicht unbedingt von Chaoten sprechen, sondern von Grüppchen, die sich aus unerfindlichen Gründen zusammenrotteten und definitiv durch ihre Eingriffe in den Schienenverkehr, die allgemeine Betriebssicherheit und die Sicherheit der Passagiere gefährdeten. Wenn man nun aber einen Termin in Berlin hatte, konnte man das dann getrost vergessen.

Bahnbedienstete stöhnten darüber, dass ihr Langmut nun endlich überschritten war, statt mit 235 km/h, rollte der Zug mit 7 km pro Stunde, bewegte sich dann überhaupt nicht mehr, Blaulichter zucken entlang der Bahndämme. Es war keinerlei Restaurant, eine Bordküche oder eine Servicewagen vorhanden. Technische Probleme wie immer oder öfter.

Viele Fahrgäste machten sich Gedanken darüber, ob es zu einem Unfall kommen konnte, fragten sich, ob die Sicherheit überhaupt gewährleistet werden konnte.

Während der Rückfahrt sprachen wir über die modernen Nihilisten, über die Situation der verhaltensauffälligen Kinder der Revolution, Gewalt, die sich gegen die Infrastruktur, gegen die Passagiere der Züge richtete. Wie Kinder, die sich ritzten, Kinder, die unter ihrem sozialen Umfeld leiden. Es ging um das magische Wort Inklusion, früher wurden regelrechte soziale Selektionen errichtet, die die Kinder aus ihrem sozialen Umfeld in die Wege der vertretbaren Auffälligkeit manövrierten. Auf Förderschulen, man fragte nicht, warum die Kinder auffällig waren, sondern beschritt eingetretene Wege mit diesen. Wie auch bei den modernen Nihilisten, wurden von der Politik die wirklichen Probleme übersehen, die Menschen dazu bringen, das Leben Hunderter Unschuldiger zu gefährden.

Ein Bekennerschreiben reicht für die Begründung des politischen Unmutes nicht mehr aus, sondern zeigt nur das ohnmächtige Reagieren auf eine zerfallende Demokratie und die schlussendliche Verachtung jeglicher Gesetzmäßigkeiten innerhalb des Landes.

Kinder der Revolution, diese Kinder, so intelligent diese auch seien mögen, werden wegen ihre subjektiven Auffälligkeiten in keine operative Förderschiene abgeschoben, ohne eigentliche Probleme zu erkennen oder zu substanziieren, bomben und brandschatzen sie an den Schienen mit selbst gewählter Energie. Polarisieren, weil die Probleme von Vater Staat, wie in einer großen Familie auf sie projiziert wurden. Die nächste Generation. Wer solche Taten begeht, ergeht sich in frühkindlichen Traumata, die unverarbeitet zur einzigen Lösung, zur schneller drehenden Gewalt, innerhalb das System führen.

Rechte Mörder aus dem Untergrund, wirre Bomber aus der Dunkelheit neben dem Gleiskörper. Verschwundenes TNT in rechte Kanäle des NS- behafteten Untergrunds, der wie ein braunes, zäher Brei undurchdringlich ein ungezügeltes Angstpotenzial innerhalb der Bevölkerung erzeugt. In Zeiten, wo die, die von Polarisation leben, Konjunktur für ihre Systematik der politischen Dummheit wittern.

Was aber soll aus einer solchen Bomben-Generation nicht erkannter Probleme im sozialen Umfeld der Menschen werden? Über Kälte der Menschen untereinander, heute und zukünftig, muss man nicht mehr wundern.

Protzige, hell scheinende Christbäume ersetzten, wie im Berliner-Hauptbahnhof die unmögliche Handhabung der Automaten des Bahnnetzes, immer der teurere Zug, immer nicht die Verbindung, die der Fahrgast zu einem angemessenen Preis für sich erwartete.

Die dralle Blondine, die auf dem ICE aus Berlin -Ostbahnhof über ihre Erfahrungen des Tages vorher sprach, war von Wut über die “verfahrene”Situation gepackt. War am Tag zuvor mit Kaffee durch Abteile gegangen. Eine halbe Stunde Verspätung bis Frankfurt am Main. Aber das Risiko eines Unfalls sah auch sie. Ratlos, zwischen Müll und haufenweise alten Tüten, zeigte sich die Vernunft der Unvernunft.Die Allianz der Aggression untereinander.

Der Kaffee kostete 2,80 Euro, schmeckte bitter, abgestanden und leicht nach schmelzendem Plastik, lieblos auf den Tisch geknallt, war dieser lauwarm aus dem antiquarischen Kabinett der Angebote der Bahn, gummiartige Salzbrezel dazu, für 1,30 Euro oder ein Sandwich, Ei und Remoulade in der praktischen Plastikverpackung. Von wann auch immer geschmiert oder Vollkornschnitten, deren Käse verblasst waren. Das Thema ist der gescheiterte Euro, der Verlust des Vertrauens in die Politik als solche.

Wieder hatte der Zug Verspätung, bewegt sich träge, obwohl, laut der Anzeigetafel die Geschwindigkeit bei 158 km/h liegen sollte. Er stand. Hielt, bewegte sich wie ein tumber Regenwurm.

Beim Umsteigen auf dem zugigen Bahnsteig aß eine Frau einen mitgebrachten Joghurt, beobachtet wie ein Bahnmitarbeiter den wieselflinken Flaschensammler zurechtwies, sehr zum Vergnügen einiger Männer, die sich sehr stark vorkommen, wenn sie über die vermeintlichen unteren sozialen Schichten pöbeln konnten. Alkoholgeruch liegt in der Luft, der Bahnmitarbeiter greift den Flaschensammler unversehens an, es kommt zu einem unschönen Handgemenge. Vertreibt ihn routiniert. Brot und Spiele auf dem Bahnsteig…. Impressionen an einem Tag im Spätherbst 2011. Diese Jahreszeit hat Einzug in das Land gehalten, nicht nur in die Finanzpolitik, die Herzen der Menschen, sondern auch in das Zusammenleben der Bevölkerung. Vorbei, aus scheint der Traum der vergangenen Jahrzehnte.

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