Damals

Die Kaisensiedlungen

An den unvergessenen, charismatischen SPD-Mann Wilhelm Kaisen, der nach dem 2. Weltkrieg der erste Bürgermeister einer eher vollkommenen, trostlosen Trümmerwüste wurde.
Als alles nach dem verlorenen Krieg eine Mondlandschaft war, die Hansestadt unter alliierter, amerikanischer Besatzung stand, von allen Seiten unzählige Flüchtlinge nach Bremen kamen, entstanden die, nach dem Politiker benannten, kleinen, in Gärten verwunschenen Häuser. Die sich innerhalb des Stadtgebietes streckenden Siedlungen, in einem ehemals urbanen, jedoch über Jahre im Krieg zerstörten Ballungsraums.
Diese sogenannten „Kaisenhäuser“ wurden im Laufe der Jahre zu erbärmlichen, schäbigen Zankäpfeln, zu ungemeinen Spekulationsobjekten zwischen den Besitzern, der ratlosen und starren Politik, den allgegenwärtigen Finanzhasardeuren.
Hier machten die Bremer, in unmittelbarer Nähe zur Stadt, relaxenden Kurzurlaub vom Alltag. Fuhren raus an den weitflächigen, von dichtem Waldbestand umwachsenen, Unisee. Saßen unter knorrigen, alten Apfelbäumen, die ihnen an sonnigen Tagen kühlenden Schatten spendeten, an uferbesäumenden, wild wuchernden Brombeerbüschen.
Nunmehr aber entwickelte sich aus der ehemaligen Oase der Ruhe und Rast ein ständig schwelender und gärender Streit.

Zwischen dem schmalen, unebenen und nur mit verblasstem Schotter bewehrten Akazienweg und dem Schneeglöckchenweg am Fleet, in all den einst liebevoll angelegten Gärten, spielt sich mittlerweile der politisch gewollte Verfall einer ganzen Epoche, eines gesamten sozialen Gefüges ab.
Was nach dem Krieg, in den Jahren 1945 bis 1951, Abertausenden von Flüchtlingen, die aus dem Osten und anderen Gebieten nach Bremen strebten, assimilierte, als Heimat diente, in der Kriegs-verlorenen Gesellschaft der heim-kehrenden Soldaten, der Ausgebombten, als ein reines Wohngebiet mit funktionierender Infrastruktur entstand, wurde im Laufe der Jahre dem völligen, endlichen Ruin preisgegeben.
Einen heilsamen, einigenden Mittelweg gab und gibt es nicht. Also wurde, wie schon so oft ein einseitiger, von vielen, als erzwungen verstandener Kompromiss, der des „Abwohnens der Generationen“, geschlossen.
Einer der Freizeitgärtner aus den neuen, nur noch höchstens 25 qm großen Gartenhäuschen ruft uns über den Zaun zu, hebt dabei wütend die Harke in seiner rechten Hand.
„In Zeiten, in denen Herr Dr. jur. Guido Westerwelle heimlich heiratet, nachdem er einen ganzen Teil des Volkes verunglimpft hat, in nie mehr erwünschten Zeiten, in denen Deutschland wieder einmal Krieg führt, wird es Zeit, die Idee eines einmaligen Politikers, Wilhelm Kaisens, wiederzubeleben. Versteht ihr das? Dann schreibt darüber!“, wettert er.
Er saugt an seiner Zigarre, denkt einen Moment nach

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