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Montag, 6. Februar 2023
Der YOG'TZE - Fall - so mysteriös ist der Fall nicht ,Beispielbild, 2019
Cold Case

Der YOG’TZE – Fall – so mysteriös ist der Fall nicht

Der Code auf dem Zettel im Mülleimer

Führt die Spur in die Drogengeschäfte des ehemaligen Paten von Amsterdam, Johan Verhoek, „der Stotterer“ (De Hakkelaar) und seine ehemalige Octopus-Verbrecherbande?

Es ist ein Ansatz:

Der YOG’TZE-Fall ist immer noch einer der mysteriösesten Mordfälle überhaupt. Die Bezeichnung bekam der Fall aus dem Jahr 1984, weil der später in der Nacht von Unbekannten ermordete Lebensmitteltechniker Günther Stoll einen Zettel mit einem scheinbaren Code notiert hatte. Ein wenig wirr war das alles schon, was das spätere Opfer notierte.

Seine Frau behauptete diesen Umstand später und die Polizei glaubte ihr. Ganze Generationen von Code-Knackern versuchten die vermeintliche Chiffrierung zu entschlüsseln. Man verfiel gar auf das ehemalige rumänische Funkrufzeichen YO6’TZE, was abstrus genug war, um etwas mit dem mysteriösen Ableben des offensichtlich psychisch kranken Opfers zu tun zu haben. Dabei fiel nicht auf, dass ein Lebensmitteltechniker keine Codes notierte, sondern in Panik etwas selbstständig falsch aufschrieb.

Doch Stoll hatte an dem Abend seines Todes regelrechte Panik, dass ihm etwas zustossen würde, er ermordet würde. Vor irgendjemanden oder irgendwas hatte der Mann große Angst.

Woher wusste oder ahnte er das?

Oktober 1984 Zwei Stunden, nachdem er eine fromme Bekannte unweit seines Elternhauses aufgesucht hatte, wurde er in etwa 100 Kilometer Entfernung, nahe Hagen/Westfalen durch zwei Lkw-Fahrer nackt in seinem abseits der Fahrbahn stehenden, verunglückten Fahrzeug aufgefunden. Sein linker Arm war weitgehend abgerissen und auch sonst war er schwer verletzt. Jedoch, Stoll war nicht etwa bei dem Unfall mit seinem Fahrzeug so verletzt worden, sondern war zuvor andernorts überfahren worden. Wo und wie konnte niemals herausgefunden werden.

Stoll war nicht alleine, wie einer der Lkw-Fahrer noch von der Autobahn A45 beobachtet hatte: Ein Mann war um den Wagen gelaufen, als der Lkw-Fahrer auf den Unfall aufmerksam wurde. Dieser Unbekannte hatte sich dann von dem Fahrzeug entfernt. Diese Person konnte niemals ermittelt werden. In diesem Zusammenhang gab es auch einen ominösen Anhalter, der zur fraglichen Zeit von mehreren Zeugen gesehen worden war, jedoch niemals ermittelt werden konnte. Die Zeugen hatten sich bei xy-Ungelöst gemeldet. Die letzten Worte des sterbenden Opfers waren: „Nicht meine Freunde.“ Damit waren wohl seine geflohenen Mitfahrer gemeint. Es müssen mehrere Personen gewesen sein. Der Fall konnte nicht geklärt werden und mutierte im Laufe der vergangenen 35 Jahre, ob der Tragik, zu hohem internationalem Unterhaltungswert.

Doch die Spur lag nahe: Komplize für die Verbrechen von Verhoek soll der ehemalige Superdealer und 1991 im Amsterdamer Hilton erschossene Klaas Bruinsma gewesen sein. Man kannte sich in den Kreisen und half sich schon mal bei der europaweiten Ausdehnung des internationalen Rauschgiftgeschäftes. Allein dabei im Wege standen die Heroin-Triaden (Ah Kong, 阿公) Chinesen, die Amsterdam zum Drogenmekka Europas gemacht hatten. (Der Spiegel,30.05.1977, Nr. 23/77).

Die Dealer hatten sich aus dem Amsterdamer China-Town heraus organisiert, nachdem sie sich plötzlich und unerwartet nach Europa absetzen mussten. Tze (Tse) war lediglich von Stoll falsch geschrieben worden – ein Dealer der Tage in Amsterdam – der es zu zweifelhaftem Ruhm aus der Chinese Connection geschafft hatte, aber immer wieder Kuriere anwarb.

Wie Amsterdam das neue Drogenparadies werden konnte, konnten die damaligen Behörden an den explodierenden Zahlen der Drogentoten in Europa leicht erklären. Bis zu 500 Tote im Jahr, die den Stoff aus dem „Goldenen Dreieck“ konsumiert hatten. Tausende waren abhängig. Doch in den Niederlanden waren die Großdealer seinerzeit ziemlich sicher und auch kaum von staatlicher Verfolgung berührt. Es dauerte Jahre, ehe die Politik begriff, dass Drogen die gesellschaftlichen Wurzeln eines Menschen zerstörten.

Das spätere Opfer hatte, obwohl arbeitslos, große Mengen an Geld für nicht nachvollziehbare Einkäufe ausgegeben, etwa 30.000 DM. (ca.15.500 Euro)

So soll der Name eines der Mitglieder der Amsterdamer Drogenmafia in den damaligen Tagen ähnlich geklungen haben. (De Jong)

Stoll, das ist erwiesen, hatte Kontakt zu zahlreichen Niederländern, der ins dortige und damalige Drogenmilieu führte. Diese Spur, auch für die Polizei, verlief im Sande.

Die unheimliche Melange aus Chinesen und Niederländern beherrschte den Drogenmarkt in Europa. Das war auch bekannt, spätestens seit 1977. Zu dem Zeitpunkt standen zwei niederländische Großdealer, Andries Meyer und Hans Cornelis, in Bangkok vor Gericht, die für ein chinesisches Kartell 130 kg Heroin nach Amsterdam verbringen sollten. Es war ein Beispiel von vielen.

Geldwäscher flogen erst im neuen Jahrtausend auf: Willem Endstra ist eines der Beispiele, auch Klientel von ihm wurde liquidiert oder endeten im Gefängnis ab.

Stoll soll zu der mittleren Ebene Kontakt gehabt haben. Wie auch immer er in diese Kreise geraten war. Die Kontakte schloss er bei mehreren Auslandsurlauben in den Niederlanden. Arbeitslose waren damals für die niederländischen Drogenbosse die besten Kuriere. Schlicht: sie waren willig.

 

In den 1980er-Jahren entwickelten die Drogenhändler eine ungeheure Affinität zu Autobahnen. An die 80 Opfer, die auf offener Straße ermordet wurden, oder in Fässern an der Autobahn vergraben wurden, gab es aus diesem Milieu. Weiter im 2. Teil

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