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Buckelwal vor Wismar liegt im Sterben

Quellen: NDR, DW und sea shepherd

Titelbild: Beispielbild Pixabay

Der Buckelwal, der seit Tagen die Menschen an der Ostseeküste in Atem hält, liegt weiterhin in der flachen Wismarer Bucht und kämpft sichtlich um sein Überleben. Das imposante Tier, das Experten auf eine Länge von zwölf bis fünfzehn Metern und ein Gewicht von rund fünfzehn Tonnen schätzen, hat sich in den letzten Stunden kaum bewegt und ruht fast regungslos in etwa zwei Metern Wassertiefe, südlich der unbewohnten Vogelschutzinsel Walfisch.

Seine Atemzüge sind seltener geworden, Rufe sind am Morgen gar nicht mehr zu hören, und selbst in der Nacht hat es keine nennenswerte Fortbewegung gegeben – ein klares Zeichen dafür, dass der Zustand des Meeressäugers sich deutlich verschlechtert hat. Wissenschaftler vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung sowie Vertreter von Greenpeace und dem Deutschen Meeresmuseum in Stralsund, die mit Schlauchbooten noch einmal zur letzten Lagebeurteilung hinausgefahren sind, sprechen offen von einer ernsten Prognose: Die Überlebenschancen gelten als gering, weil das Tier stark geschwächt ist, die Haut in schlechtem Zustand und möglicherweise Reste einer Leine oder eines Fischernetzes im Maul hängen, die es zusätzlich belasten.



Die Geschichte dieses verirrten Buckelwals begann bereits Anfang März mit ersten Sichtungen im Hafen von Wismar und zog sich dann wie ein dramatisches Naturschauspiel durch die gesamte Ostsee. Zunächst hing das Tier mehrere Tage in der Lübecker Bucht vor Niendorf fest, wo Helferinnen und Helfer mit aufwendigen Aktionen – darunter Wellenerzeugung durch Boote und sogar der Einsatz eines Baggers – versuchten, es wieder in tieferes Wasser zu geleiten. In der Nacht zum Freitag gelang dem Wal schließlich die Selbstbefreiung mit steigendem Wasserstand, und er schwamm weiter ostwärts in Richtung Wismarer Bucht.

Doch die Erleichterung währte nur kurz: Bereits am Samstagnachmittag strandete er erneut auf einer Sandbank, diesmal ausgerechnet in dem flachen Gewässer vor Wismar, wo das Wasser teilweise nur dreißig Zentimeter tief ist und der Untergrund tückisch. Über Nacht konnte er sich zwar wieder lösen, doch statt den Weg zurück in den Atlantik zu finden, blieb er in der Bucht hängen – erschöpft, orientierungslos und ohne die Kraft, die weite Reise fortzusetzen. Experten erklären das Drama vor allem mit der ungewöhnlichen Verirrung des Wals in die Ostsee, die für Buckelwale eigentlich kein natürliches Habitat darstellt.



Wahrscheinlich ist das Tier einem Schwarm Heringe gefolgt oder wurde durch Unterwasserlärm von Schiffen und möglicherweise sogar durch solare Stürme in seiner Navigation gestört, die seinen magnetischen Kompass beeinflussen. In der Ostsee fehlt es an ausreichender Nahrung wie Krill, der Salzgehalt ist falsch, und es gibt keine Artgenossen, was zu Hautparasiten und Entzündungen führen kann. Trotzdem war der Wal anfangs noch gut genährt und konnte wochenlang von seinen Fettreserven zehren, die er sich in den polaren Sommermonaten angefressen hatte. Nun jedoch, nach einer Woche ständigen Kampfes mit flachem Wasser und wiederholten Strandungen, wirken selbst die sonst so robusten Reserven aufgebraucht.
Gulls landeten bereits auf seinem Rücken und pickten an der Haut – ein weiteres alarmierendes Zeichen für die Schwäche des Tiers. Behörden, Umweltminister Till Backhaus aus Mecklenburg-Vorpommern und die beteiligten Organisationen haben sich nach intensiven Beratungen entschieden, den Wal jetzt weitgehend in Ruhe zu lassen. Eine 500-Meter-Schutzzone wurde eingerichtet, die Wasserschutzpolizei überwacht die Lage, doch aktive Rettungsversuche wie das Anstupsen oder das Bilden einer „Leitplanke“ aus Booten sind vorerst eingestellt. Stattdessen hoffen alle Beteiligten, dass das Tier in der verbleibenden Kraft noch einmal mobilisieren kann und von allein den Weg in tiefere, offene Gewässer findet. Eine Einschläferung wird ausgeschlossen, weil es keine zuverlässige, schnelle und schmerzlose Methode gibt.



Sollte der Wal dennoch sterben, stehen Pläne für eine Bergung bereit, doch im Moment richtet sich der Blick aller auf das leise Atmen des Giganten in der Bucht – ein bewegendes Symbol dafür, wie sehr die Natur manchmal menschliche Hilfe braucht und zugleich zeigt, wie begrenzt diese Hilfe angesichts der Weite des Meeres sein kann. Die gesamte Region fiebert mit, und die Berichte aus Wismar machen deutlich. Dieser Buckelwal hat nicht nur die Küste, sondern ganz Deutschland in seinen Bann gezogen, während er um sein Leben ringt.

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