Heilsversprechen mit Preisschild
Sie sind jung, sie sind nahbar, sie tragen schöne Kleider und reden über Gott. Christfluencer erreichen auf Instagram und TikTok ein Millionenpublikum, weil sie sich modebewusst, nett und so nahbar geben, dass man sie schon ewig zu kennen glaubt. Was harmlos wirkt, ist bei einem Teil der Szene Teil eines Geschäfts: Viele verkaufen Schmuck, eine eigene Bibel oder Coaching-Stunden für mehrere hundert Franken. Ein Influencer verdient mit seinem Glauben nicht nur Reichweite, sondern auch Geld, unter anderem mit einem eigenen Modelabel.
Der Hebel dahinter ist Angst. Wer die Botschaften genau ansieht, erkennt oft ein geschlossenes Weltbild, die Ausgrenzung Andersdenkender und Endzeit-Rhetorik. Wer Menschen glauben lässt, es gebe nur den einen richtigen Weg, kann diesen Weg auch verkaufen. Fachleute fragen deshalb, ob ein Angebot zu Offenheit und Dialog führt oder mit Angst, Feindbildern und Ausgrenzung arbeitet. Die Grenzen zwischen Glaubenszeugnis, politischer Meinung und Agitation verschwimmen auf TikTok, Instagram und YouTube häufig. Dazu kommt: Christliche Symbole sind für viele Menschen mit Vertrauen verbunden.
Politisch wird es bei den Inhalten. Viele vertreten traditionelle Geschlechterrollen und sprechen sich gegen Abtreibung und LGBTQ-Rechte aus, oft sehr subtil. Bei einer jungen Zielgruppe kann so ein Nährboden für antidemokratische Haltungen entstehen. Laut einer Bundestagsanfrage haben einige Akteure enge Verbindungen zur AfD, und eine geplante Veranstaltung mit solchen Influencern im Stuttgarter Landtag wurde untersagt. Auch der Verfassungsschutz sieht bei einzelnen Akteuren AfD-Kontakte. Die Kirchen reagieren: Die katholische kfd bietet inzwischen Seminare an, um rechtspopulistische Strömungen innerhalb der Kirche zu erkennen und zu dekonstruieren.
Gefährliche Christfluencer: Wie handeln?
Was dagegen spricht
Das ist die kritische Sicht, und sie ist nicht die ganze Wahrheit. Der Verfassungsschutz beobachtet nicht christliche Influencer allgemein und auch nicht Menschen, die ihren Glauben öffentlich teilen. Außerdem ist der bloße Kontakt zur AfD in Deutschland nicht verboten. Viele Creator teilen schlicht ihren Glaubensalltag oder bauen digitale Gemeinschaften auf. Ein Sektenexperte sagt, Christfluencer seien so harmlos oder problematisch wie die Form des Christentums, die sie vertreten. Eine der genannten Influencerinnen sieht in ihrer Arbeit schlicht den Glauben, dass die Bibel zeitlos und allgemein gültig ist.
