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Die Geister, die Eralp selbst rief

Titelbild: Außerordentlicher Bundesparteitag der Partei Die Linke am 18. Januar 2025 in Berlin: Elif Eralp ,Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Die Angst der Anderen

Eine Politikerin lässt versehentlich ihre Streichungen verschicken. Danach melden sich alle zu Wort, die schon immer wussten, was sie davon halten sollten.

Berlin. Es gibt Pannen, die man nicht besser inszenieren könnte. Die Berliner Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp gibt dem Spiegel ein einstündiges Interview. Anschließend lässt sie eine Frage zu Ibrahim Ibrahim samt ihrer Antwort streichen, so schildert es das Magazin. Der Mann war im September auf der Wahlparty der Neuköllner Linken aufgetaucht, was bundesweit für Empörung sorgte. Die bearbeitete Fassung geht an die Redaktion zurück, und zwar mitsamt den internen Kommentaren. Darin steht, sie könne sich und ihre Familie nicht in Gefahr bringen. Das Landeskriminalamt habe ihr geraten, nie konkrete Namen zu nennen.

Die Büroroutine hat damit geleistet, was keine Pressekonferenz geschafft hätte: Sie hat die Kandidatin ungeschminkt gezeigt. Man kann das als Offenbarung lesen oder als menschlichen Moment. Der Betrieb entschied sich binnen Stunden für die Offenbarung.




Der Chor ist vollzählig

Der Präsident des Zentralrats der Juden zeigte sich entsetzt, aber nicht überrascht. Dieses Kunststück gelingt nur Menschen, die ihr Urteil lange vor dem Anlass gefällt haben. Ein CDU-Sicherheitspolitiker fragte, wie jemand eine Hauptstadt führen wolle, der aus Angst handlungsunfähig sei. Dass die Betroffene dabei dem Rat der Sicherheitsbehörden gefolgt sein will, passt schlecht in diese Frage und wurde daher nicht weiter vertieft. Der amtierende Regierende Bürgermeister erinnerte daran, dass sich Politiker nicht fürchten dürften, und schickte vorsorglich einen Seitenhieb gegen die ganze Linke hinterher. Von Wegner bis Fiedler zeigte sich so ein Muster. Erst das Mitgefühl, kurz und pflichtschuldig, dann die Konsequenzen, ausführlich und mit Nachdruck.

Aus der SPD hieß es, weitere Koalitionsgespräche verböten sich für jeden Sozialdemokraten. Der SPD-Spitzenkandidat blieb vorsichtiger und forderte Klarheit von allen politisch Verantwortlichen. Das kostet nichts und lässt jede Tür offen, die sich später noch als nützlich erweisen könnte.

Von der anderen Seite sprang Bodo Ramelow ein. Er sah in der Berichterstattung den Versuch, eine schwache Frau zu zeigen, und nannte das ein anachronistisches Klischee. Dass die Frage nach Regierungsfähigkeit auch ohne Klischee gestellt werden kann, ließ er unerwähnt. Die Verteidigung war so reflexhaft wie der Angriff.

Die Hauptfigur sagt, sie lasse sich nicht einschüchtern

Eralp selbst sagte vor dem Abgeordnetenhaus, sie lasse sich von niemandem einschüchtern. Zugleich sei es normal, sich um die Familie zu sorgen. Beide Sätze sind für sich genommen unbestreitbar. Zusammen markieren sie genau die Lücke, durch die die Debatte nun marschiert. Zum Inhalt des Dokuments wollte sie nichts sagen, es sei privat und intern. Gleichzeitig versprach sie, mit allen Mitteln gegen Organisierte Kriminalität, Gewaltverherrlichung und Terror vorzugehen. Das Dokument sollte also privat bleiben, das Versprechen dagegen öffentlich werden.

Der Berliner Linken-Landeschef erklärte, wer sich um sich oder seine Familie sorge, müsse sich nicht schämen. Das stimmt. Es beantwortet aber nicht die Frage, die Kritiker und Koalitionspartner stellen. Wer regieren will, wird auch dann Namen nennen müssen, wenn es unangenehm ist.

Was bleibt

Am Samstag entscheidet ein Parteitag der Linken über Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen. Bis dahin gilt: Eine Frau hat Angst, und die halbe Republik erklärt ihr, was das politisch bedeutet. Wer mit ihr verhandeln will, gibt sich besorgt. Wer sie stürzen will, gibt sich besorgt, nur lauter. Wer sie verteidigt, erklärt jede Nachfrage zur Schikane.


Der eigentliche Skandal könnte dabei fast untergehen. Eine Partei, die Berlin regieren will, hat es nicht geschafft, ein Word-Dokument zu bereinigen. Das ist verzeihlich. Weniger verzeihlich wäre es, wenn die Frage, die in dem Dokument stand, am Ende unbeantwortet bliebe, nämlich was die Linke mit Gästen wie Ibrahim Ibrahim auf ihren Wahlpartys zu tun hat.

Hinweis: Das ist ein satirisch zugespitzter Text. Die Fakten stammen aus der Agentur und weiteren Medienberichten, die Zuspitzungen und Wertungen sind erfunden. Echte Zitate wurden nur paraphrasiert und keine erfundenen Aussagen in den Mund gelegt.

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